«Bulldozer» Scharon pflügt die politische Landschaft um

publiziert: Montag, 21. Nov 2005 / 15:44 Uhr

Jerusalem - Wieder einmal hat Ariel Scharon bewiesen, dass er seinen Spitznamen zu Recht trägt: Mit seiner Entscheidung, dem Likud den Rücken zu kehren und eine neue Partei zu gründen, pflügt der «Bulldozer» die politische Landschaft in Israel gehörig um.

Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon.
Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon.
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Mit einer neuen Partei will er Anfang nächsten Jahres die Parlamentswahl gewinnen - und ein weiteres Regierungsmandat holen. Im Grunde hatte Scharon gar keine Wahl.

Seit Monaten machten ihm die «Rebellen» in der eigenen Partei das Leben schwer, allen voran Benjamin Netanjahu, der aus Protest gegen den Gazaabzug Anfang August sein Amt als Finanzminister niederlegte. Die Hardliner am rechten Rand hätten sich auch nach den Neuwahlen nicht mit Kritik zuückgehalten.

So blieb dem als gewiefter Taktiker bekannten Scharon nicht viel anderes übrig, als einen Neuanfang zu wagen - zumal ihm Umfragen derzeit einen Sieg gegen den Arbeitspartei-Vorsitzenden und -Spitzenkandidaten Amir Perez voraussagen.

Sprung über den eigenen Schatten

Mitarbeiter des 77-jährigen lassen bereits erkennen, dass Scharon in einer möglichen neuen und dann wohl letzten Amtszeit im besetzten Westjordanland Pläne verfolgt, die über den Abzug aus dem Gazastreifen hinaus gehen. Damit springt er auch über seinen eigenen Schatten.

Der 1928 im britischen Mandatsgebiet Palästina geborene Scharon verbrachte einen Grossteil seines Lebens damit, die Araber zu bekämpfen. Bereits mit 17 Jahren wurde er Soldat. Seit der israelischen Staatsgründung 1948 erlebte er alle Kriege des Landes aktiv mit.

Weil er 1973 gegen den Willen des Generalstabs die Einkreisung der ägyptischen Armee anordnete, musste er auf die von ihm erhoffte Ernennung zum Generalstabschef verzichten. Scharon widmete sich fortan der Politik und zog die Strippen bei der strategischen Planung des Siedlungsbaus.

Keine weisse Weste

Als Verteidigungsminister ordnete er 1982 den Einmarsch in den Libanon an. Eine offizielle Untersuchung gab ihm «indirekte Verantwortung» für das Massaker an mehreren hundert Palästinensern in den Flüchtlingslagern Sabra und Schatila. Scharon musste zurücktreten.

Obwohl ihn eine Untersuchungskommission für unfähig erklärte, ein öffentliches Amt auszuüben, gelang dem hartgesottenen Politiker ein Comeback. Im Jahr 2000 wurde er Chef der oppositionellen Likud-Partei, die er mit aufgebaut hatte.

An seinem Besuch des für Juden und Araber gleichermassen heiligen Tempelbergs in Jerusalem entzündete sich im September desselben Jahres der bis heute andauernde zweite Aufstand der Palästinenser.

Neuer Schwung für den Friedensprozess?

Mit der Ankündigung, den Terror zu beenden, wurde Scharon im März 2001 zum Ministerpräsidenten gewählt; 2003 wurde er im Amt bestätigt. Mit seinem jüngsten Coup setze Scharon «einen der dramatischsten Prozesse in Bewegung, den das Polit-Establishment in Israel jemals erlebt hat», schrieb «Jediot Ahronot» am Montag.

Bei der vorgezogenen Neuwahl im Februar oder März kommenden Jahres könnte er es noch einmal schaffen - und daran weiterarbeiten, dass «2006 kein verlorenes Jahr für den Friedensprozess wird». Laut einem der engsten Berater Scharons wäre er willens, den Palästinensern drei Viertel des Westjordanlandes zurückzugeben - wenn seine Landsleute auch dieses Mal mitziehen.

(Patrick Anidjar/afp)

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