Cablecom-Zukunft gesichert - Horrorszenario abgewendet

publiziert: Donnerstag, 19. Jun 2003 / 18:09 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 26. Jun 2003 / 17:21 Uhr

Zürich - Die hochverschuldete Cablecom kann aufatmen: Das Unternehmen einigt sich mit seinen Kreditgebern und weiteren Beteiligten auf eine Umschuldung. Damit konnte das Horrorsznenario von über einer Million Fernsehlosen Haushalten in der Schweiz abgewendet werden. Wichtiger Inhaber wird offenbar der US-Spekulant George Soros.

Cablecom Gründer und Visionär Leo Fischer.
Cablecom Gründer und Visionär Leo Fischer.
Gemäss einer Grundsatzvereinbarung werden die Schulden mittels zweier Kreditverträge bis Ende 2009 beziehungsweise Mitte 2010 von rund 3,8 Mrd. auf 1,7 Mrd. Fr. verringert. Ein Teil muss abgeschrieben werden, der Rest wird von Fremd- in Eigenkapital umgewandelt.

Gleichzeitig gewähren die Kreditgeber Cablecom eine Zinsstundung bis Ende Monat, heisst es im Communiqué. Die Cablecom erwartet, dass die Fälligkeit der laufenden Finanzierung und auch die Zinsstundung derweil mindestens um einen weiteren Monat verlängert wird.

Die Kreditgeber des Unternehmens werde die Kontrolle über praktisch das gesamte Aktienkapital übernehmen, hiess es weiter. Cablecom wollte die Namen der Beteiligten nicht nennen. Gemäss Angaben aus Verhandlungskreisen waren bisher neben der NTL 38 Banken aus der Schweiz und vor allem aus dem Ausland beteiligt.

Die Mehrheit halten offenbar künftig der US-Spekulant George Soros, die Investmentbank Goldman Sachs und Apollo Management. Ein Medienzar wie Silvio Berlusconi oder Rupert Murdoch sei nicht darunter, hiess es.

Höhenflüge und Turbulenzen der Cablecom: Die Chronologie

Die 1994 gegründete Kabelfernsehbetreiberin Cablecom wuchs in wenigen Jahren zur Nummer eins der Schweiz heran. Seit ihrer Übernahme durch NTL ist das Unternehmen jedoch in arge finanzielle Schieflage geraten.

Hier einige Stationen der Firmengeschichte:

11. Mai 1994 - Aus dem Zusammenschluss von einigen Kabelnetzgesellschaften entsteht Cablecom mit Sitz in Frauenfeld. Diese übernimmt das gesamte Kabelgeschäft der Ascom.

20. Jan. 1995 - Die Cablecom Holding AG nimmt die deutsche Veba Telecom als Aktionärin auf. Veba bringt in die Kabelfernseh-Holding das Helvetsat-Netz mit ein. Damit schliesst Cablecom zu Marktleader Rediffusion auf.

24. Juni 1996 - Cablecom übernimmt mit Rediffusion den härtesten Konkurrenten. Der neue Riese versorgt jeden zweiten Haushalt in der Schweiz mit Fernsehprogrammen via Kabel.

24. Juni 1997 - Der Luzerner Kabelfernsehpionier Leo Fischer verkauft seine Holding an die von ihm geleitete Cablecom. Dadurch ist die grösste Schweizer Kabelfernsehbetreiberin Cablecom noch in den Händen von drei Aktionären - den deutschen Firmen Veba und Siemens sowie der Schweizer Telecom PTT (später Swisscom).

1. Dez. 1997 - Der Bundesrat erlaubt der Swisscom, ihre Beteiligung an der Cablecom zu behalten - gegen die Empfehlung der Wettbewerbskommission.

28. Mai 1998 - Die Cablecom übernimmt die Mehrheit am Internet Service-Provider SwissOnline.

1999 - Cablecom übernimmt die Kilchenmann Kabelfernseh AG und die Kabelnetze Sitel sowie Balcab.

13. Dez. 1999 - Die britische NTL übernimmt die zu gleichen Teilen von Swisscom, Veba und Siemens gehaltene Cablecom für 5,8 Mrd. Franken.

Nov. 2000 - Nach der finnischen Sonera und der australischen One.Tel verzichtet auch die Cablecom auf eine eigene UMTS-Lizenz.

10. Okt. 2001 - Die Cablecom strafft ihre Strukturen und streicht 250 bis 300 der insgesamt 1900 Stellen.

3. Mai 2002 - Der hochverschuldete Mutterkonzern von Cablecom, NTL, einigt sich mit den Banken auf einen Rekapitalisierungsplan.

1. Okt. 2002 - Cablecom verkauft im Zuge der Konzentration auf das Kerngeschäft die Rediffusion an die Firma dipl. Ing. Fust AG.

19. Juni 2003 - Die mit 3,8 Mrd. Franken verschuldte Cablecom einigt sich mit seinen Kreditgebern und weiteren Beteiligten auf eine Umschuldung.

(bsk/sda)

 
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