Christian Gross zieht Bilanz und blickt in die Zukunft
publiziert: Dienstag, 16. Dez 2008 / 10:50 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 16. Dez 2008 / 17:20 Uhr

Der FC Basel schloss ein gutes Jahr mit dem 1:5 in Luzern miserabel ab. Der Doublegewinn im Frühling kostete gemäss Trainer Gross viel Substanz, und nach der Qualifikation für die Champions League im Herbst wurde das Team genügsam, die Siegermentalität fehlte. «Unter dem Strich war es aber ein erfolgreiches Jahr, in dem wir die wichtigen Spiele gewannen», zog Gross Bilanz.

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Seit letztem Sonntag ruht in der Schweiz zwar der Fussball-Betrieb, aus den Schlagzeilen verschwindet der FC Basel gleichwohl nicht. Noch immer steht die ungeklärte Zukunft von Trainer Christian Gross, dessen Vertrag in Basel im nächsten Sommer ausläuft, im Raum.

«Gigi Oeri und ich sind im Gespräch, mehr kann ich dazu nicht sagen», so der Zürcher. Gross liess durchblicken, dass er gerne in Basel weiterarbeiten würde, denn «der FCB ist in der Schweiz der beste Verein, mit dem besten Publikum und dem schönsten Stadion. Hier habe ich optimale Bedingungen.»

Ausland reizt Gross

Allerdings gab Gross zu, dass ihn auch das Ausland reizen würde. Tendenzen, ob die Ehe Gross/FC Basel (Gigi Oeri) über den Sommer 2009 hinaus weitergeht, sind derzeit kaum auszumachen, das Lesen im Kaffeesatz ist unmöglich.

Seit letztem Frühjahr ist klar, dass die Verhandlungen in diesem Winter zäh sein würden. Gross sieht darin keine fehlende Wertschätzung gegenüber seiner Person, obwohl er seit fast zehn Jahren mit grossem Erfolg im FCB arbeitet. «Ein Trainer muss mit dieser Konstellation leben können. So ist das Fussball-Business.»

Ein mehrheitlich gutes Jahr...

Während die Zukunft von Gross (und des FCB) also noch keine klaren Konturen hat, unterzieht der Coach aus Zürich das Fussball-Jahr 2008 einer scharfen Analyse - und kommt zum Schluss «...dass, das erste Quartal der Saison 2008/2009 überragend war. Wir haben 24 Punkte geholt und uns für die Champions League qualifiziert.

Das konnten wir nicht als selbstverständlich anschauen. Der letzte Monat hat mir dagegen überhaupt nicht gefallen. Im zweiten Quartal haben wir zehn Punkte weniger geholt, das ist ungenügend. Das erste Halbjahr war gekrönt vom Doublegewinn. Das brauchte sehr viel mentale Substanz. Aber wir haben diesen Erfolg eingefahren, dank einem verdienten Sieg in der Finalissima gegen YB. Und was durchs Band war: Wir haben im Jahr 2008 viele wichtige Spiele mit extremer Bedeutung gewonnen. Darum: unter dem Strich war es ein gutes Jahr.»

...mit einem schlechten Ende

Nicht mehr oft gesiegt hat der FC Basel indes gegen Ende des Jahres. Vier der letzten fünf Spiele gingen verloren. Seit Mitte Oktober wurde er dreimal mit fünf Gegentoren deklassiert. Das sind Zahlen, die dem erfolgsverwöhnten- und besessenen Christian Gross nicht vertraut sind.

«Ich habe mit der Mannschaft nach dem 1:5 gegen Luzern gesprochen. Es hat ein gewisser Fatalismus Einzug gehalten, was mir hinten und vorne nicht gefällt. Auch haben vor einzelnen Partien Nebenschauplätze taktischer und spieltechnischer Art zu viel Platz eingenommen; das hat uns zu viel Energie gekostet. Ich bin ein Trainer, der will, dass die Mannschaft bestimmt, was mit ihr, mit uns, geschieht. Ich habe eine Lethargie, eine Genügsamkeit festgestellt. In Bezug auf diese Punkte habe ich alle Spieler in die Verantwortung genommen, aber natürlich im Besonderen die Leistungsträger.»

Gute Beziehungen zu Leistungsträgern

Gross hatte in seiner Laufbahn immer ein gutes Einvernehmen mit Führungsspielern. Es gilt als seine Stärke, so genannt schwierige Spieler zu Höchstleistungen zu animieren. Der beste Türkyilmaz zum Beispiel spielte 1996/1997 bei GC unter Gross; oder der beste Hakan Yakin. Der spielte zwischen 2001 und 2003 beim FC Basel ebenfalls unter Trainer Gross.

In diesem Herbst kam nun hie und da die Kritik auf, Gross könnte zu einzelnen Leistungsträgern ein belastetes Verhältnis haben. Und wenn er selbst davon spricht, der Mannschaft sei die Siegermentalität abhanden gekommen, ist dies indirekt auch eine Kritik an seiner eigenen Person.

Fehlende Umsetzung

«Ich erreiche die Leistungsträger schon. Aber es fiel ihnen schwer, es umzusetzen. Ivan Ergic zum Beispiel hatte ein gutes erstes Quartal, er war in den Spielen gegen Göteborg enorm wichtig. Danach war er verletzt, zudem ist seine Zukunft unsicher. Jetzt kam mit der Rückkehr in die Nationalmannschaft eine noch höhere Belastung für ihn dazu.

Benjamin Huggel macht die beste Saison, seit er bei mir spielt. Aber auch er hat hohe Ansprüche und stellt Ansprüche, beispielsweise was die Position betrifft. Das geht nicht. Ich brauche flexible Spieler. Das habe ich mit ihm auch intern angesprochen. Weitere Leistungsträger wie Chipperfield und Streller waren oft verletzt. Streller zum Beispiel hat seit seiner Rückkehr aus Stuttgart weniger als 50 Prozent der Spielzeit im Einsatz gestanden. Das ist natürlich ungenügend.»

Grenzerfahrung in der Champions League

Aufgrund dieser Schwierigkeiten wird Gross nicht müde, zu betonen, wie hoch die Qualifikation für die Champions League einzuschätzen ist. Dass danach die schwächsten Resultate einer Schweizer Mannschaft in der Champions-League-Geschichte bilanziert werden mussten, ist für den Zürcher fast «Courant normal». Um mehr zu sein als nur Staffage im Konzert der Grossen, hätte das Team im Sommer anders zusammengestellt werden müssen.

Gross will nicht lamentieren

«Wir sind dorthin gekommen, wo alle hinwollen. Das gibt dem Verein Recht. Aber dann wurden wir zweimal geduscht. Um die Möglichkeit zu haben, besser mitzuhalten, muss eine Schweizer Mannschaft zwei Jahre zusammenbleiben. Wenn es uns in einem Jahr gelingt, mit diesem Team wieder die Champions League zu erreichen, werden wir eine bessere Figur abgeben. Das Team zusammenhalten, das ist für uns der gangbare Weg.

Wenn man die Ansprüche haben will, die Achtelfinals zu erreichen, dann muss man mehr Geld in die Hand nehmen. So wie es jetzt ist, ist es schwer für uns. Spieler zu holen, welche die Qualität haben, um sofort eine Verstärkung zu sein, ist schwierig. Und dann müssen die auch noch in die Schweiz kommen wollen und zugleich finanzierbar sein.»

Der Reiz des Auslands

Die Vereine, die mehr Geld in die Hand nehmen (können), finden sich ausnahmslos auf der anderen Seite der Grenze. Gross macht sich Gedanken, wieder in einer anderen Liga zu arbeiten, nachdem vor zehn Jahren sein erstes Auslandengagement mit der Entlassung bei Tottenham Hotspur geendet hatte.

«Der Reiz des Auslandes ist da, ganz klar. Tottenham war eine erfolgreiche Zeit, auch wenn sie mit der Entlassung endete. Aber die Mission habe ich erfüllt. Ich habe die Mannschaft vor dem Abstieg gerettet. Ich habe in meiner Karriere immer risikoreiche Entscheide gefällt. Das sage ich auch den Spielern: 'Den Mutigen gehört die Welt'.

Entscheidend bei einem Verein ist das Umfeld. Das muss stimmen. Aber ich will auch um Titel spielen. Ausser bei Tottenham war ich mit meinen Teams immer unter den besten vier und habe wichtige Spiele gewonnen. Ich bin mit Wil aufgestiegen, dann bin ich bei GC in einer schwierigen Situation eingestiegen und wurde zweimal Meister und war in der Champions League.»

Die nächsten Ziele mit dem FCB

Bleibt Gross in Basel, wird er weiterhin an Titeln und Teilnahmen an der Champions League gemessen. Allerdings hat er am Rheinknie schon alles gewonnen und alle möglichen Ziele erreicht. Mehr geht (scheinbar) nicht. Doch der Zürcher ist motiviert für die Zukunft, er sieht neue Ziele.

«Ich muss wieder ein Team zusammenstellen, das fähig ist, Titel zu gewinnen. Dazu braucht es jetzt enorm viel. Ich habe diese Siegermentalität von GC nach Basel mitgebracht. Jetzt müssen wir aufpassen, dass wir nicht von diesem Weg abkommen. Die Mannschaft muss wieder kompakter werden.

Die Jungen müssen konstanter spielen. Und Jeder soll als Persönlichkeit reifen. Darin haben wir ein zu grosses Gefälle im Team. Mangelnde Ziele? Nein, es gibt in Basel enorm viel zu tun.»

(Stefan Wyss, Basel/Si)

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