«Hängt vom Typus ab»

Chronischer Stress führt zu schlechter Laune

publiziert: Freitag, 19. Sep 2014 / 09:10 Uhr
Kein Mensch verarbeitet Stresssituationen genau gleich.
Kein Mensch verarbeitet Stresssituationen genau gleich.

Lausanne - Schweizer Forscher des Brain Mind Institutes der École Polytechnique de Fédérale de Lausanne haben den Mechanismus entdeckt, der aus Stress schlechte Laune macht.

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Es ist ein synaptischer Ablauf, bei dem ein spaltendes Enzym aktiviert und extrem viel Glutamat freigesetzt wird. «Die Identifizierung dieses Mechanismus ist wichtig für mögliche Behandlungen von neuropsychiatrischen Störungen wie chronischem Stress oder Depressionen», sagt Studienleiterin Carmen Sandi.

Rezeptoren werden aktiviert

Zunächst wollten die Fachleute wissen, was genau gestresste Menschen mürrisch macht und schlechte Laune bringt. Die Untersuchungen führten zu einem Enzym, das am Proteinabbau beteiligt ist, das MMP-9. Es war bereits bekannt, dass etwa chronischer Stress zu einer massiven Freisetzung von Glutamat führt, was wiederum bestimmte Rezeptoren aktiviert.

Die Forscher haben nun herausgefunden, dass diese Rezeptoren die MMP-9-Enzyme veranlassen, wie Scheren Nectin-3-Zelladhäsionsproteine zu zerschneiden. Sobald dies geschieht, bekommen die Menschen schlechte Stimmung. In der Folge vermeiden sie den Kontakt mit anderen Menschen und können in den meisten Fällen weniger Verständnis für ihre Mitmenschen aufbringen.

Individueller Umgang mit Stress

Trotz der körperlichen Auswirkungen von Stress, ist der Umgang damit von Mensch zu Mensch unterschiedlich. «Manche können mit Stress besser umgehen als andere - das hängt ganz vom Typus ab», so Michael Bauer, Burnout-Spezialist, Heilpraktiker und Coach, gegenüber pressetext.

Menschen, die weniger gut mit Stress umgehen können, empfinden eine Situation schneller und früher belastend als andere.

«Die Lebensqualität nimmt deutlich ab, bei Dauerstress zeigen sich folgende Symptome: Die Erholungzeiten werden länger, der Spass am Leben nimmt ab, die Angstkomponente wird grösser, weil sich die Menschen verletzlicher fühlen und die Leistungsfähigkeit sinkt», erklärt Bauer.

«Menschen sind keine Roboter»

Der chronisch Gestresste fühlt sich wie ein angeschossenes Tier, er ist ängstlich und verunsichert, so Experte Bauer. Zudem sei ein immerzu gestresster Mensch häufiger krank. Vor allem psychosomatische Leiden, die durch Stress erzeugt werden, nehmen laut Bauer zu. Rücken- und Gelenkschmerzen seien typische Erkrankungen, die durch Stress hervorgerufen werden. Chronischer Stress sei inzwischen eine Volkskrankheit.

«Die Menschen haben den Fehler gemacht, dass sie Gesetzmässigkeiten aus der Produktion von Waren und Gütern auf den Menschen übertragen haben», sagt Bauer. Aber das könne nicht funktionieren, denn der Mensch sei eben kein Roboter. «Menschen können nicht wie Maschinen behandelt werden, sie brauchen Anerkennung, Gemeinschaftlichkeit und das Gefühl, etwas Wertvolles zu tun», meint Bauer.

(awe/pte)

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