Clark will Kerry bremsen

publiziert: Freitag, 23. Jan 2004 / 11:18 Uhr

Washington - Vom derzeitigen Rummel um Senator John Kerry, den Sieger der ersten Vorwahl der US-Demokraten, zeigt sich Wesley Clark demonstrativ unberührt. "Ich habe weder Angst vor John Kerry, noch vor irgendjemand anderem", sagt der frühere General.

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Clark hatte auf seine Teilnahme an der Wahl in dem Bundesstaat Iowa gezielt verzichtet, da er sich dort keine Chancen ausrechnete. Stattdessen hat er in den vergangenen Wochen seine Energie auf New Hampshire konzentriert, wo am Dienstag die zweite Vorwahl zur Nominierung des Präsidentschaftskandidaten stattfindet.

Der 59-Jährige hofft, mit einem Sieg in dem Neuenglandstaat soviel Schwung in seine Kampagne zu bringen, dass er seine Konkurrenten in den nächsten Wochen abhängen kann.

Riskante Strategie

Nach dem Überraschungsergebnis von Iowa ist diese Strategie allerdings noch riskanter geworden. Denn Clark hatte damit gerechnet, dass Howard Dean sein Hauptrivale sein würde - und den früheren Gouverneur des Ministaates Vermont hoffte er, mit seiner ganzen Autorität als früherer NATO-Oberbefehlshaber und Kommandant im Kosovokrieg ausstechen zu können.

Stattdessen hat er es nun mit Kerry mit einem Gegner zu tun, der als hochdekorierter Vietnamveteran ebenfalls mit seinen militärischen Meriten wirbt.

Dies macht die Ausgangslage für Clark komplizierter - denn wie er selbst präsentiert sich auch Kerry als die "seriöse" Alternative zu Dean, den viele in der Partei für zu "links", zu unerfahren und zu hitzköpfig halten, um George W. Bush besiegen zu können.

Erfahrungen

In den vergangenen Tagen hat Clark nun versucht, sich auch gegenüber Kerry als der Bewerber mit der grösseren aussen- und sicherheitspolitischen Erfahrung abzusetzen: "Ich habe Verhandlungen geführt, ich habe einen Krieg gewonnen", verweist er auf seine Rolle in den Balkankonflikten.

In der Innen- und Wirtschaftspolitik ist der frühere General allerdings ein Neuling - was sich vielleicht noch als Manko für seine Kampagne erweisen könnte. Viele in der Partei halten Clark dennoch für den Idealkandidaten: Er ist hoch intelligent, redegewandt, charmant und gut aussehend - und kann in vielerlei Hinsicht eine Musterbiographie vorweisen.

Bilderbuchkarriere

An der Militärakademie in West Point schloss er als Bester seiner Klasse ab, in Oxford studierte er als Rhodes-Stipendiat Philosophie, Politik und Wirtschaft, im Vietnamkrieg wurde er vierfach verwundet und mit Orden für seine Tapferkeit ausgezeichnet, und in der Militärhierarchie legte er danach eine steile Karriere hin, die 1997 an der Spitze der NATO gipfelte.

Allerdings war Clark damals in der politischen und militärischen Führung eine keineswegs unumstrittene Figur. An der Spitze des Pentagon machte er sich durch seine - vergebliche - Forderungen nach Bodentruppen für den Kosovokrieg, seine ungeschminkte Ausdrucksweise und seinen Drang in die Öffentlichkeit unbeliebt.

Vorzeitig abberufen

Von seinem Posten in Brüssel wurde Clark schliesslich vorzeitig abberufen - mit Einverständnis von Verteidigungsminister William Cohen, wie es hiess. Die damaligen Streitigkeiten um Clark spielen bisher im Wahlkampf aber keine grosse Rolle.

Schon mehr Probleme hat der Ex-General dagegen, seine Loyalität zu den Demokraten nachzuweisen. Denn der Partei ist er erst vor wenigen Monaten beigetreten, und bei früheren Wahlen stimmte er nach eigenem Bekenntnis für republikanische Präsidenten - darunter Ronald Reagan und George Bush senior. Kerry hat ihm deshalb vorgeworfen, kein "echter" Demokrat zu sein.

(Daniel Jahn/afp)

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Etschmayer Tja, voll daneben gelangt bei den gestrigen Prognosen der US-Vorwahlen in Iowa. Ein Charakteristikum von Caucuses ist eben deren Unberechenbarkeit. Di ... mehr lesen 
 
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