Curling: Schweizer Curler erst im Final gestoppt

publiziert: Sonntag, 13. Apr 2003 / 23:33 Uhr

Nur Titelverteidiger und Topfavorit Kanada verhinderte den vierten WM-Titel der Geschichte für das Schweizer Männercurling. Das St. Galler Team um Skip Ralph Stöckli verlor den WM-Final vor über 10 000 Zuschauern in Winnipeg gegen Randy Ferbeys Crew mit 6:10.

Erfolg an der Curling-WM.
Erfolg an der Curling-WM.
Nachdem sie im Halbfinal Finnland mit 7:1 bezwungen hatten, trumpften die Ostschweizer zunächst auch gegen Kanada grossartig auf. Bis zur Spielhälfte gingen sie mit 6:4 in Führung, obwohl die Kanadier mit dem Vorteil des letzten Steins in die Partie gestartet waren. Die Wende kam im 7. End, als die Kanadier zwei Steine zur 7:6-Führung "stahlen". Ein Fehlstein von Second Pascal Sieber hatte die ungünstige Situation eingeleitet, und Ralph Stöcklis letzter Versuch geriet ein wenig zu lang. Im 8. End hätte Stöckli mit einem (nicht einfachen) Promote ein Dreierhaus erringen können, aber auch dieser Versuch mündete in einen weiteren gestohlenen Stein für das Team aus Edmonton. Nach neun Ends gaben die Schweizer auf.

Simon Strübin, Pascal Sieber, Claudio Pescia und Ralph Stöckli waren eines der wenigen Teams, das die Kanadier im Curling-Mekka Winnipeg derart in Verlegenheit bringen konnten.

Die sechste WM-Silbermedaille eines Schweizer Männerteams ist für die jungen Ostschweizer -- das Durchschnittsalter liegt bei weinger als 30 Jahren -- der verdiente Lohn für eine Leistungskonstanz, wie sie in der Vergangenheit kaum je bei einer Schweizer Crew zu sehen war. Vergleichbar war die Vorstellung mit jener von Lausanne-Olympique (Patrick Hürlimann) beim Olympiasieg 1998 in Nagano. Die wohl beeindruckendste Zahl sind die 83 Prozent an gelungenen Steinen in der Round Robin. In dieser recht verlässlichen Statistik setzten sich die St. Galler vor Olympiasieger Norwegen an die 2. Stelle, übertroffen einzig von den Kanadiern, die es auf 86 Prozent brachten.

Der Erfolg von St. Galler Bär ist schier unglaublich, wenn man weiss, wie nahe am Abgrund das Team vor vier Monaten an der EM in Grindelwald stand. Die Ostschweizer verloren dort die ersten sechs Spiele und wussten, dass sie nur noch mit fünf aufeinanderfolgenden Siegen würden verhindern können, dass erstmals seit 1964 eine WM ohne Schweizer Männerbeteiligung stattfindet. Alles hing damals an einem dünnen Faden, aber sie schafften es. "Diese Zeit war am härtesten", sagt Ralph Stöckli. "Ich war an einem Punkt angelangt, wo das Curling plötzlich ein Müssen war. Aber ich sagte mir: So darf es einfach nicht zu Ende gehen."

Heute streicht Ralph Stöckli heraus, dass der langjährige Teamcoach Thomas Fritsche, von dem sich das Team nach der EM trennte, grosse Verdienste hat: "Mit ihm wurden wir Junioren-Weltmeister (1997, Red.), er hat uns auch zum Schweizer Meistertitel geführt." Für den frischen Wind, der die Ostschweizer nun in ganz andere sportliche Sphären geweht hat, sorgte jedoch der neue Coach Patrick Hürlimann. Er verpasste der Crew die Struktur, die der kanadischen Curling-Philosophie entspricht: Alle Spieler nehmen festn Positionen ein, an denen im Prinzip nicht gerüttelt wird; Marco Battilana ist Ersatz und würde erst aufs Eis kommen, wenn einer aus dem Stammquartett ausfallen würde. Noch im letzten Jahr bestand das Team aus sechs Spielern, und Wechsel waren fast an der Tagesordnung. Jetzt "lebt" jeder seine Aufgabe. Die Selbstsicherheit jedes einzelnen ist an der WM von Tag zu Tag gestiegen.

Ihren Höhenflug in der Round Robin setzten die Schweizer in den Medaillenspielen ungebremst fort. Beim 7:1 im Halbfinal gegen die Finnen und deren brilanten Skip Markku Uusipaavalniemi nahmen die Schweizer das Heft von Beginn an in die Hand. Die Basis zum Triumph legten sie im 3. und im 4. End: Beide Male gerieten sie zunächst in schwere Bedrängnis, konnten zuletzt aber je einen Stein "stehlen". Für die Vorentscheidung sorgte Ralph Stöckli im 7. End mit einem gelungenen Doppel-Take-out zu einem Zweierhaus und zur 5:1-Führung. Nach acht Ends gaben die Nordländer auf.

St. Galler Bärs Siegesserie auf dem perfekt curlenden Eis in der Winnipeg Arena nahm historische Ausmasse an. Sieben Siege in Folge (bis zum Halbfinal) sind der zweitbeste Wert eines Schweizer Männerteams an einer Weltmeisterschaft. Den Rekord stellte das Dübendorfer Attinger-Team 1974 in Bern auf, als es alle neun Partien der Vorrunde gewann (dann aber den Halbfinal verlor).

von Peter Lerch, Winnipeg

Winnipeg (Ka). Weltmeisterschaften. Männer. Final: Kanada (Marcel Rocque, Scott Pfeifer, Skip Randy Ferbey, David Nedohin) - Schweiz (St. Galler Bär/Simon Strübin, Pascal Sieber, Claudio Pescia, Skip Ralph Stöckli) 10:6. -- Um Platz 3: Norwegen (Bent Anund Ramsfjell, Flemming Davanger, Lars Vagberg, Skip Pal Trulsen) - Finnland (Teemu Salo, Aku Kauste, Kalle Kiiskinen, Skip Markku Uusipaavalniemi) 9:7.

Halbfinals: Schweiz - Finnland 7:1. Kanada - Norwegen 9:8.

Frauen. Final: USA (Tracy Sachtjen, Ann Swisshelm, Allison Pottinger, Skip Debbie McCormick) - Kanada (Nancy Delahunt, Mary-Anne Waye, Kim Kelly, Skip Colleen Jones) 5:3. -- Um Platz 3: Schweden (Helena Lingham, Cathrine Norberg, Eva Lund, Skip Anette Norberg) - Norwegen (Camilla Holth, Marianne Haslum, Hanne Woods, Skip Dordi Nordby) 7:5.

Halbfinals: Kanada - Norwegen 8:7 nach Zusatzend. USA - Schweden 5:4.

(bert/Si)

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