Der Kampf gegen das Öl: Ein halbes Jahr nach dem Prestige Unfall

publiziert: Mittwoch, 7. Mai 2003 / 13:09 Uhr

Madrid - Die Strände an der spanischen Atlantikküste sind ein halbes Jahr nach der grossen Ölpest und dem Untergang des Tankers "Prestige" kaum wiederzuerkennen. Der weisse Sand glitzert wieder in der Sonne. Bis zur vollständigen Regeneration des Ökosystems wird es aber noch zehn Jahre dauern und als weitere Bedrohung liegen in 3600 Meter Tiefe die restlichen 37 000 Tonnen Öl.

Barrieren gegen das Öl der Prestige.
Barrieren gegen das Öl der Prestige.
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Wo im Winter die Helfer knöcheltief durch schwarzen, stinkenden Ölschlamm wateten, tun sich nun feine Sandstrände auf. "Die Lage ist fast wieder normal", meint Spaniens Vizeregierungschef Mariano Rajoy. "Bis zum Beginn der Feriensaison im Juni werden alle Strände sauber sein."

Am 13. Mai ist es genau sechs Monate her, dass die "Prestige" mit 77 000 Tonnen Schweröl an Bord vor der Nordwestküste Spaniens leckschlug.

Die spanische Regierung liess den Tanker auf den offenen Ozean hinausschleppen. Dort zerbrach das 243 Meter lange Schiff sechs Tage später, am 19. November, in zwei Teile und versank. Riesige Ölteppiche wurden an die Küste geschwemmt.

Wie Tschernobyl

Spanische Politiker verglichen das Ausmass der Katastrophe mit dem Unglück im Atomkraftwerk Tschernobyl in der Ukraine. Seit jenen Tagen hat sich die Lage in den betroffenen Regionen Spaniens stark gebessert.

Die Fischer können grösstenteils wieder ihre Netze auswerfen. Der Nationalpark der Atlantischen Inseln ist wieder für Besucher geöffnet.

Aber die Folgen der grössten Umweltkatastrophe in der spanischen Geschichte sind längst nicht überwunden. Bis heute plagen sich Tausende von Soldaten und Freiwilligen damit ab, die Küste vom Öl zu säubern. Felsige Abschnitte sind noch immer von einer schwarzen Schicht überzogen.

"Die Regeneration des Ökosystems an den Küsten wird wenigstens zehn Jahre dauern", meint der Meeresbiologe Francisco Javier Cristobo. In Frankreich wurde erst vor wenigen Tagen Öl an die Küste der Bretagne geschwemmt, das vermutlich aus der "Prestige" stammt.

Nur oberflächlich sauber

In Galicien im Nordwesten Spaniens sind zahlreiche Strände, die auf den ersten Blick blitzblank aussehen, in Wirklichkeit nicht sauber. Gräbt man etwas tiefer in den Sand hinein, stösst man auf eine Schicht von Ölklumpen.

"Aussen weiss, innen schwarz", beschrieb die Zeitung "El País" den Zustand der Strände. Die Spanier sprechen von einem "Lasagne-Effekt" - unter Anspielung auf das Nudelgericht, bei dem sich unter dem hellen Käse und dem Teig eine dunkle Hackfleischsauce verbirgt.

Die spanische Regierung bezifferte das Ausmass der Schäden auf eine Milliarde Euro. Nach Berechnungen von Wissenschaftlern der Universität in La Coruña könnte der Wert auch vier Mal so hoch sein. Küstenabschnitte von Nordportugal bis nach Frankreich wurden auf einer Länge von 2900 Kilometern mit Öl verunreinigt.

Fischer zwiespältig

Tausende von Fischern mussten monatelang an Land bleiben. Einige von ihnen lebten allerdings während der Katastrophe nicht schlecht.

Sie erhielten dank der staatlichen Hilfen für das Nichtstun mehr Geld, als sie sonst mit dem Fischfang verdient hätten. "Manche meiner Kollegen hoffen insgeheim auf ein neues Tankerunglück", räumt der Fischer Jesús Santabaya ein.

Das Wrack der "Prestige" liegt mit etwa 37 000 Tonnen Öl auf dem Meeresgrund. Seine Lecks wurden notdürftig geflickt, aber es stellt weiterhin eine ökologische Zeitbombe in 3600 Meter Tiefe dar.

Mit der Bergung des Öls kann erst nach dem Sommer begonnen werden, denn das Vorhaben ist äusserst kompliziert. Aus einer solchen Tiefe wurde noch nie Öl abgepumpt.

(Hubert Kahl/dpa)

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