Der Papst liest Bush die Leviten

publiziert: Freitag, 4. Jun 2004 / 17:54 Uhr / aktualisiert: Freitag, 4. Jun 2004 / 22:29 Uhr

Dass die erste Etappe seiner Europareise nicht eben leicht sein würde, wusste US-Präsident George W. Bush schon bevor die Air Force One in Rom landete.

Papst Johannes Paul II. scheute nicht vor Kritik gegenüber den USA.
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In vielen Wohnvierteln hängten Römer wieder die bunten Friedensfahnen aus den Fenstern, Bush-Gegner blockierten Strassen und Stadtautobahn - und der Papst liess es sich trotz Alters und Krankheit nicht nehmen, den Finger in die Wunde zu legen.

"Wie nie zuvor braucht Bush jetzt die Unterstützung Europas und des Papstes", meint ein Kommentator des "Corriere della Sera". Stattdessen musste der Gast erst einmal Einiges an Kritik einstecken - düsteres Vorzeichen für die Feiern zum 60. Jahrestag der alliierten Landung in der Normandie?

Dabei hatten Vertraute des Präsidenten noch auf dem Flug nach Rom gestreut, Bush habe geradezu darauf gedrungen, den Papst zu sprechen. Tatsächlich versuchte Bush, den chronischen Irakkriegs-Kritiker durch eine Strategie der Umarmung für sich einzunehmen.

"Sie sind ein Held unserer Zeit", huldigte Bush seinem Gastgeber. Höher hinaus geht es nicht mehr. Selbst Vatikansprecher Joaquín Navarro-Valls machte keinen Hehl daraus, dass er sich auf die überraschende Verleihung der US-Freiheitsmedaille an den Mann im Vatikan keinen rechten Reim machen könne - vielleicht gar nur ein Wahlkampftrick? Der Papst freilich liess sich nicht irritieren.

Papst blieb knallhart

Zwar blieb der 84-Jährige im Ton freundlich. Ausdrücklich dankte er den Amerikanern für ihre Opfer, die sie vor 60 Jahren bei der Befreiung Roms gebracht haben. Aber beim alles überlagernden Thema Irak blieb der alte Mann knallhart.

"In den vergangenen Wochen kamen andere bedauernswerte Geschehnisse ans Tageslicht", meinte er mit Blick auf die Folterungen irakischer Gefangener. Das mache die Bekämpfung des Terrorismus nur noch schwieriger. Es ist in der Vergangenheit nicht eben häufig vorgekommen, dass Staatsgästen im Kirchenstaat derart die Leviten gelesen wurden. "God bless America!" sagte der Papst zum Schluss. Bush wirkte eher betreten denn gerührt.

Kaum ein anderes Volk in Europa steht dem Irak-Krieg derart kritisch gegenüber wie die Italiener. Nicht selten geht die Anti-Bush-Haltung in Antiamerikanismus über und droht die traditionelle Bewunderung der Italiener für Amerika abzulösen. Einziger Lichtblick für Bush: Sein "Freund" und Bewunderer Silvio Berlusconi.

Fahne aus Prodis Wohnung

Der italienische Ministerpräsident steht nicht nur fest hinter dem Einsatz italienischer Soldaten im Irak. Berlusconi sorgte auch dafür, dass 10 000 Sicherheitskräfte auf den Strassen Roms waren, um die Proteste und Anti-Bush-Aktionen zumindest einzudämmen. An über einem halben Dutzend Plätzen trafen sich die Bush-Gegner jeglicher Couleur. Selbst an der Privatwohnung von EU-Kommissionspräsident Romano Prodi in Bologna flatterten am Freitag die bunten Friedensfahnen mit dem Wort "Pace".

Die Befreiung Europas vom Nazi-Spuk irgendwie mit dem Waffengang in Irak in eine Reihe zu stellen - das ist der historische Kniff, den Bush mit seiner Reise an die ehemaligen Orte des amerikanischen Triumphes vorhat.

"Indem er beide Kriege in eine Reihe stellt, versucht sich Bush Junior mit dem damaligen US-Präsidenten Roosevelt auf eine Stufe zu stellen", kommentierte die römische Zeitung "La Repubblica". In Rom ist ihm das nicht so recht gelungen.

(Peer Meinert/sda)

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