Der wundersame Weg zum Serienmeister

publiziert: Montag, 9. Mai 2005 / 13:10 Uhr / aktualisiert: Montag, 9. Mai 2005 / 16:21 Uhr

Zum vierten Mal in Serie liess sich Lyon am Sonntagabend als französischer Meister feiern. Damit schaffte der finanzstärkste Klub der Ligue 1 endgültig den Einzug ins Pantheon des französischen Fussballs.

Das Stadion von Lyon: Heim des Liga-Krösus Olympique.
Das Stadion von Lyon: Heim des Liga-Krösus Olympique.
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Am Ende eines langen, aufregenden Wochenendes lagen sich die Lyoner in den Armen, liessen sich ausgiebig von ihren Fans im vollen Stade Gerlande feiern und genossen mit Zigarren und Champagner das Bad in der Menge. Bereits am Samstagabend hatten sie sich in einem Viersterne-Hotel eingefunden und auf einen Punktverlust von Lille gehofft.

Der letzte Konkurrent gewann dank einem Tor in der 85. Minute. Und am Sonntagabend, als nur noch die Korsen aus Ajaccio die vorzeitige Party platzen lassen konnten, taten sich die Rot-Blauen schwer. Dass dann ausgerechnet Cacapa mit seinem ersten Saisontor den 2:1-Sieg sicherte, hatte Symbolcharakter. Der Brasilianer ist einer von vier Spielern, der bei allen Lyoner Meisterfeiern dabei war und steht für die konstante Aufbauarbeit, die in Gerlande in den letzten Jahren geleistet wurde.

Erster Meistertitel 2002

Denn Olympique Lyonnais ist kein alteingesessenes Spitzenteam wie die letzten Erfolge vermuten lassen könnten. 1950 gegründet, musste der Klub bis 2002 auf den ersten Meistertitel warten. Seither ist OL in der Ligue 1 das Mass aller Dinge. Vier Meistertitel in Folge gelangen zuvor nur dem Erzrivalen und Nachbarn St-Etienne (1967 - 1970) und Olympique Marseille (1989 - 1992).

Dass Lyon diese Rekorde egalisierte, ist in zweierlei Hinsicht überraschend. Zum einen konnte OL nie auf den auch nur annähernd gleichen Support zählen wie die weitaus prestigereicheren und populäreren Vereine aus Marseille und St-Etienne.

Das Team ist der Star

Zum anderen verfügte Lyon in seinen Meisterjahren nicht über einen herausragenden Akteur. St-Etienne hatte in den 60er Jahren mit Hervé Revelli (dreifacher Torschützenkönig) genauso wie Marseille in den 90er Jahren mit Jean-Pierre Papin (vierfacher Torschützenkönig) überragende Figuren. In Lyon ist das Team der Star.

Nur der brasilianische Internationale Juninho, Frankreichs Stürmer Sylvain Wiltord und erstaunlicherweise der Trainer Paul Le Guen haben einen gewissen Starstatus. Le Guen wird von seinen Spielern nicht nur respektiert, sondern regelrecht geliebt. Er ist ein wichtiger Baustein im Lyoner Ensemble, deshalb wurde sein möglicher Abgang Ende dieser Saison auch heiss diskutiert.

Trainer Le Guen will eine Auszeit

Nach drei Meistertiteln (beim ersten Lyoner Titel war Jacques Santini der Coach) steht dem ehemaligen Verteidiger der Sinn nach einer Auszeit. In die Fussballgeschichte hat er sich bereits eingeschrieben: Nur die ehemaligen St-Etienne-Trainer Albert Batteux (1968 - 1970) und Robert Herbin (1974 - 1976) führten ihre Mannschaft auch zu drei Titeln in Serie.

Le Guen gelang es die gewichtigen Abgänge im Sommer -- Patrick Müller, Edmilson, Vikash Dhorasso, Eric Carrière und Peguy Luyindula verliessen den Klub -- zu kompensieren, obwohl das gemeinhin nicht angenommen worden war. Zu Saisonbeginn waren in einer Umfrage der Sportzeitung "L´Equipe" unter Spielern und Trainern der Ligue 1 sowohl Marseille als auch Paris St-Germain stärker eingeschätzt worden als der Titelverteidiger.

Umso erstaunlicher ist, wie widerstandslos die Lyoner zum Titel kamen. Sie standen beinahe die ganze Saison an der Spitze, weisen den statistisch besten Sturm (50 Tore) und die beste Abwehr (21 Gegentore) auf und sicherten sich den Titel so früh wie keine Mannschaft seit Nantes 1977.

Lyon will die Champions-League gewinnen

Angesichts der Dominanz im eigenen Land ist nachvollziehbar, dass sich Lyon, mit einem Budget von rund 100 Millionen Euro der Krösus Frankreichs, nächste Saison den Gewinn der Champions League zum Ziel gesetzt hat. "Wir werden weiter investieren. Dass der Champions-League-Final im nächsten Jahr in Paris stattfindet, ist ein Zeichen", tönte Präsident Jean-Michel Aulas in der Euphorie der Meisterfeier.

Ein europäischer Titel würde Lyon definitiv auf eine Stufe mit Marseille und St-Etienne setzen. Und es wäre für Aulas die Apothese seiner Tätigkeit. 1987 hatte er den Verein in der Zweitklassigkeit übernommen. Seither hat Olympique Lyonnais eine beachtliche (Erfolgs)-Strecke zurückgelegt.

(fest/Si)

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