Die Alpsaison wird immaterielles Kulturerbe der UNESCO

publiziert: Dienstag, 12. Dez 2023 / 19:23 Uhr
Das Treiben von Vieh zur Sommerweide in höher gelegene Alpen ist eine lebendige Tradition, die seit dem Mittelalter belegt ist.
Das Treiben von Vieh zur Sommerweide in höher gelegene Alpen ist eine lebendige Tradition, die seit dem Mittelalter belegt ist.

Die UNESCO hat die Alpsaison in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Als herausragende Tradition der Schweizer Berggebiete vereint die Alpsaison Fertigkeiten, Bräuche und Rituale rund um die Alpwirtschaft.

Das Zwischenstaatliche Komitee für die Bewahrung des immateriellen Kulturerbes hat während seiner 18. Sitzung in Kasane, Botsuana, beschlossen, die Alpsaison in die repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufzunehmen. Die UNESCO betonte in ihrer Entscheidung die hohe Qualität des eingereichten Dossiers sowie des präsentierten Films.   

Das Treiben von Vieh zur Sommerweide in höher gelegene Alpen ist eine lebendige Tradition, die seit dem Mittelalter belegt ist. Im Laufe der Zeit wurde die Alpensaison kontinuierlich den lokalen klimatischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen angepasst. Während der Alpensaison werden auch hochwertige Lebensmittel produziert, für die die Schweiz bekannt ist.

Die Alpabfahrt und das Wissen über Weidewirtschaft und Käseherstellung, die handwerklichen Techniken bei der Geräteherstellung sowie das reiche traditionelle Liedgut sind Teil eines umfangreichen Repertoires an Bräuchen, Fertigkeiten und Ritualen, das die Alpensaison zu einem äusserst lebendigen Kulturerbe macht.

Das Bewerbungsdossier wurde im März 2022 vom Bundesamt für Kultur (BAK) in Zusammenarbeit mit Fachleuten aus den Bereichen Kulturerbe und Landwirtschaft erstellt. Eine erweiterte Begleitgruppe bestehend aus Vertretern der Alpwirtschaft, Kantonen, Museen, Naturparks und anderen relevanten Organisationen unterstützte sie dabei. Dank dieses breit abgestützten Ansatzes konnten die Vielfalt und der Reichtum alpiner Traditionen dargestellt werden sowie wichtige Themen wie Nachwuchsförderung und Anpassung an den Klimawandel aufgezeigt werden.

Um den aktuellen Herausforderungen bei der Weitergabe dieser Tradition zu begegnen, wurden gemeinsam Massnahmen in den Bereichen sektorenübergreifende Zusammenarbeit, Ausbildung, Personalgewinnung, Sensibilisierung der Öffentlichkeit, Vermittlung des Kulturerbes und interdisziplinäre Forschung erarbeitet.  

Traditionelle Bewässerung: Wissen, Technik und Organisation

Die Schweiz ist auch an der Aufnahme der traditionellen Bewässerung in die Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO beteiligt. Das Zwischenstaatliche Komitee wird die multinationale Kandidatur unter der Federführung von Österreich in den kommenden Stunden behandeln. In der Schweiz sind die Wässermatten des Oberaargaus in den Kantonen Bern und Luzern sowie die Suonengeteilschaften im Wallis (Oberwalliser Sonnenberge, Geteilschaften von Ayent, Lens, Trient, Nendaz und Grächen) in diese Kandidatur eingebunden.

Das UNESCO-Übereinkommen zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes

Mit dem Übereinkommen zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes, das sich von der Welterbekonvention unterscheidet, will die UNESCO ein Kulturerbe thematisieren und schützen, das weniger mit Bauten oder Räumen zusammenhängt, sondern in erster Linie mit Zeit sowie gemeinschaftlichen Praktiken und gesellschaftlichen Interaktionen. Dieses Erbe umfasst lebendige Traditionen wie mündliche Ausdrucksformen, darstellende Künste, gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste, Wissen und Praktiken im Umgang mit Natur und Universum sowie Fachwissen über traditionelle Handwerkstechniken. Es spiegelt somit die kulturelle Vielfalt wider und zeugt von menschlicher Kreativität.

Kandidaturen der Schweiz

Im Oktober 2014 hat der Bundesrat eine Vorschlagsliste von acht lebendigen Traditionen der Schweiz verabschiedet, deren Kandidaturen der UNESCO regelmässig für eine Aufnahme in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit vorgelegt werden. Auf dieser Vorschlagsliste wurden das Winzerfest in Vevey (2016 in das Kulturerbe der UNESCO aufgenommen), die Basler Fasnacht (aufgenommen 2017), der Umgang mit der Lawinengefahr (gemeinsame Kandidatur mit Österreich; aufgenommen 2018), die Historischen Prozessionen in Mendrisio (aufgenommen 2019), Uhrmacherhandwerk und Kunstmechanik (aufgenommen 2020), die heute aufgenommene Alpsaison, Schweizer Grafikdesign und Typografie sowie der Jodel festgehalten. Des Weiteren beteiligte sich die Schweiz an den multinationalen Kandidaturen Kunst des Trockenmauerbaus (aufgenommen 2018), Alpinismus (aufgenommen 2019), Bauhüttenwesen (aufgenommen 2020) und Traditionelle Bewässerung, die an der heutigen Sitzung des Zwischenstaatlichen Komitees behandelt wird.

(fest/pd)

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