Die Höchststrafe für den Abonnements-Zweiten

publiziert: Montag, 27. Feb 2006 / 00:00 Uhr / aktualisiert: Montag, 27. Feb 2006 / 09:16 Uhr

Hinter vorgehaltener Hand wird im Eishockey verschiedentlich der Spruch gemacht: «Mit Finnen kann man nichts gewinnen.»

Die Finnen und die Schweden lieferten bis zum Schluss ein spannendes Spiel.
Die Finnen und die Schweden lieferten bis zum Schluss ein spannendes Spiel.
Diese sicher überspitzte Aussage wurde durch die Geschehnisse im Olympia-Final zumindest nicht entkräftet.

Am Schluss war es im «Palasport Olimpico» wie so oft nach einem wichtigen Eishockeyspiel. Während sich die eine Mannschaft jubelnd um ihren Goalie scharte, schlichen die Finnen, die in den letzten Sekunden vehement auf den Ausgleich gedrückt und durch Olli Jokinen noch eine riesige Chance vergeben hatten, geradezu apathisch wirkend vom Eis.

Ihre Blicke gingen ins Leere, der zum besten Stürmer des Turniers gewählte Teemu Selänne kämpfte ebenso mit den Tränen wie Petteri Nummelin. Auch bei der Medaillenübergabe durch IIHF-Präsident René Fasel verirrte sich kaum ein Lächeln auf die Gesichter der «Suomi».

Der zweite Ehrenplatz bei Olympia (nach Calgary 1988) ist bitter genug, die Umstände tragen zu einer negativen Steigerung bei. Vor diesem Endspiel war man zwischen Helsinki und Rovaniemi wirklich zuversichtlich gewesen, den Komplex gegenüber dem Erzrivalen endlich abzulegen. Ein Komplex, der spätestens seit dem 5:6 im WM-Viertelfinal 2003 in Helsinki -- nach 5:1-Führung -- nicht wegzureden war und der zu monumentalem Spott im Nachbarland geführt hatte.

Peltonens Ratlosigkeit

Diesmal hatte aufgrund des Turnierverlaufs alles für den zweiten grossen Erfolg des «Abonnements-Zweiten» (3mal WM-Silber sowie 2. Platz am World Cup nach dem bisher einzigen WM-Titel 1995) gesprochen. Das Team von Erkka Westerlund hatte die ersten sechs Partien des Turniers mit einem Torverhältnis von 27:5 förmlich dominiert und dabei fünf Spiele ohne Gegentor beendet.

Schweden hingegen war katastrophal ins Turnier gestartet (unter anderem mit einem 0:5 gegen Russland) und hatte erst in den letzten beiden Partien zu seiner Form gefunden (6:2 gegen die Schweiz, 7:3 gegen Tschechien).

Am Schluss mussten die Finnen aber einmal mehr über eine Niederlage Auskunft geben, aufgrund des Spielverlaufs war diese sogar verdient. Schweden hatte praktisch während der gesamten Partie ein leichtes Übergewicht, Finnland gemäss seinem Coach «nicht unser bestes Spiel» gezeigt.

Luganos Ville Peltonen, der den 2:2-Ausgleich erzielt hatte und damit in allen Partien der K.o.-Runde erfolgreich war, trauerte vor allem dem Anfang des Schlussdrittels nach, als Nicklas Lidström nach zehn Sekunden den «Olympics Winner» erzielte: «Ich weiss nicht, was da passiert ist und kann meine Gefühle nicht beschreiben. Es tut so weh.» Dass die Niederlage noch mehr schmerze, weil sie gleichbedeutend mit Schwedens Triumph ist, verneinte Nummelin: «Die Finalniederlage würde gegen jedes Team schmerzen.»

Einfluss auf die NLA?

In den Reihen des Silbermedaillengewinners stehen nicht weniger als sieben Spieler mit Schweizer Gegenwart oder Vergangenheit. Während Kimmo Timonen (ehemals Lugano), Olli Jokinen (Kloten), Niko Kapanen (Zug) und Niklas Hagman (Davos) wieder nach Nordamerika zurückkehren, ist ein Trio ab Dienstag wieder in der Schweiz zu sehen.

Peltonen, der in der Schlussphase des Turniers nur sporadisch eingesetzte Jukka Hentunen und Nummelin kämpfen mit Lugano um nationale Weihen. Für die Tessiner steht morgen in der Resega im Duell gegen Bern eine wegweisende Partie im Kampf um den ersten Platz in der Qualifikation auf dem Programm. Nummelin glaubt nicht, dass die Olympia-Enttäuschung zu länger anhaltenden Motivationsproblemen führen kann: «Eishockey ist mein Job, ich will in jedem Spiel mein Bestes geben.»

Für den «Geigenspieler» und für Peltonen geht es nach dem Viertelfinal-Out des Vorjahres (gegen Bern) um eine Rehabilitation. Für Peltonen sogar um eine doppelte: In den ersten beiden Playoffs seit seiner Ankunft in der Schweiz hat er in 21 Partien gerade einmal 4 Tore und 10 Assists realisieren und nur selten wie gewünscht Einfluss aufs Spiel nehmen können. In den kommenden Wochen wird der Fünfte der Olympia-Skorerliste (4 Tore/5 Assists) auch gegen seinen Ruf kämpfen.

Finnland - Schweden 2:3 (1:0, 1:2, 0:1)
Palasport Olimpico. -- 11´274 Zuschauer. -- SR Devorski (Ka), Masik/ Nelson (Slk/USA). -- Tore: 15. Timonen (Selänne/Ausschluss Jörgen Jönsson) 1:0. 25. Zetterberg (Mikael Samuelsson, Bäckman/Ausschluss Lydman) 1:1. 34. Kronwall (Zetterberg/Ausschluss Saku Koivu) 1:2. 35. Ville Peltonen (Jussi Jokinen, Olli Jokinen) 2:2. 41. (40:10) Lidström (Mats Sundin, Forsberg/Ausschluss Olli Jokinen; Holmström) 2:3. -- Strafen: je 7mal 2 Minuten.

Finnland: Niittymäki; Numminen, Timonen; Nummelin, Lydman; Berg, Niemi; Kukkonen; Selänne, Saku Koivu, Lehtinen; Ville Peltonen, Olli Jokinen, Jussi Jokinen; Hagman, Niko Kapanen, Ville Nieminen; Jarkko Ruutu, Mikko Koivu, Laaksonen; Hentunen.

Schweden: Lundqvist; Kronwall, Lidström; Hävelid, Tjärnqvist; Kenny Jönsson, Bäckman; Ronnie Sundin; Modin, Mats Sundin, Forsberg; Alfredsson, Pahlsson, Axelsson; Mikael Samuelsson, Zetterberg, Holmström; Jörgen Jönsson, Henrik Sedin, Daniel Sedin; Hannula.

Bemerkungen: Torschüsse: Finnland 27 (7-10-10); Schweden 28 (9-11- 8). -- Powerplay-Ausbeute: Finnland 1/7; Schweden 2/7.

(Marco Keller, Turin/Si)

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