Die Schweiz verliert grosse alte Dame des Theaters

publiziert: Samstag, 7. Feb 2009 / 11:33 Uhr

Zürich - Die Theater- und Filmschauspielerin Anne-Marie Blanc ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Mit ihr verliert die Schweiz eine «Grande Dame» des Theaters. Der Durchbruch gelang ihr 1941 mit der Titelrolle im Film «Gilberte de Courgenay».

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Anne-Marie Blanc starb am Donnerstag umgeben von ihren Angehörigen an ihrem Wohnort im Alterswohnheim Zürich-Enge, wie ihre Familie am Freitag mitteilte.

Bis ins hohe Alter wirkte Blanc in zahlreichen Theater- und Filmproduktionen mit. Ihren Bühnenabschied gab sie rund zwei Monate nach ihrem 85. Geburtstag in Zürich, Schaffhausen und Basel im Stück «Savannah Bay» von Marguerite Duras. Im Zwei-Personen-Stück stand sie zusammen mit ihrer Enkelin Mona Petri Fueter auf der Bühne.

Am Zürcher Schauspielhaus, wo Anne-Marie Blanc 66 Jahre zuvor als Elevin engagiert worden war, übergab ihr Stadtpräsident Elmar Ledergerber nach ihrem letzten Auftritt die Anerkennungsmedaille der Stadt für kulturelle Verdienste.

Nie eine Theaterausbildung gemacht

Geboren wurde Anne-Marie Blanc am 2. September 1919 in Vevey als Tochter eines Grundbuchverwalters. Sie wuchs in Bern auf. Als Kind liebäugelte sie mit einem Medizinstudium. Irgendwann einmal habe sie sich dies aus dem Kopf geschlagen, sagte sie kurz vor ihrem 80. Geburtstag 1999.

Nach der Matura sprach sie am Schauspielhaus Zürich vor - und wurde auf Anhieb engagiert; eine Theaterschule besuchte sie nie. 1938 bis 1952 gehörte sie zum Ensemble des Schauspielhauses. Sie trat aber auch auf andern Stadttheaterbühnen der Schweiz und auf vielen wichtigen Bühnen des deutschsprachigen Auslands auf.

Anne-Marie Blanc war Theaterschauspielerin mit Leib und Seele. Als 80-Jährige mimte sie im Berner Theater an der Effingerstrasse den alternden Stummfilmstar Norma Desmond im erstmals fürs Theater adaptierten Filmklassiker «Sunset Boulevard». «Wenn gute Angebote kommen, spiele ich weiter», pflegte sie, nach dem Karrierenende befragt, zu sagen.

«Ich kann nichts anderes»

Sie könne nichts anderes als die Schauspielerei. Diese beherrschte dafür brillant. 1986 erhielt sie für ihre Darstellungskunst die begehrte Schweizer Bühnenauszeichung, den Hans-Reinhart-Ring, sowie die Goldene Nadel des Zürcher Schaupielhauses. In der Laudatio zur Ehrung hiess es, ihr Schaffen zeichne sich durch «bezaubernde Leichtigkeit, Humor und Noblesse» aus.

Blanc spielte über 200 Theater- und mehr als 30 Filmrollen. Auf der Theaterbühne verkörperte sie von Shakespeare zu Lessing, von Goethe zu Schiller und Kleist, von Ibsen und Tschechow zu Zuckmayer und Brecht so ziemlich alle grossen klassischen Rollen.

Zahlreiche Filmrollen - Absage an Hollywood

1940 hatte sie in der Produktion «Wachtmeister Studer» des Regisseurs Leopold Lindtberg ihre erste Filmrolle. Nach ihrem grössten Kinoerfolg «Gilberte de Courgenay» spielte sie unter anderem in den Kinofilmen «Die missbrauchten Liebesbriefe», «Landammann Stauffacher» oder in der Komödie «Matura-Reise», die Sigfrit Steiner inszenierte.

Daneben hatte Blanc zahlreiche Filmrollen in deutschen Heimat- oder Boulevardfilmen. In Paris drehte sie 1946 zusammen mit Erich von Stroheim «On ne meurt pas comme ça». Ein Jahr später lehnte sie einen Siebenjahresvertrag mit einem Hollywood-Studio aus Rücksicht auf ihre Familie ab.

Zeit und Ort der Abdankungsfeier noch unklar

Später wirkte sie in verschiedenen Fernsehfilmen mit. Und auch für TV-Serien war sie sich nicht zu schade. So spielte sie etwa von 1999 bis 2001 in der populären Serie «Lüthi und Blanc» mit.

Die Schauspielerin war mit Heinrich Fueter, dem Gründer der Filmfirma Condor, verheiratet und hatte drei Söhne. Diese übernahmen nach dem Tod des Vaters 1979 die Produktionsfirma. Von der weit verzweigten Familie sind die meisten heute im Kulturbereich tätig.

Wann und wo die Abdankungsfeier stattfindet, wird nach Angaben der Familie zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben.

(tri/sda)

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