Die Sonne auf unseren Spuren?

publiziert: Freitag, 27. Okt 2006 / 10:55 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 7. Nov 2006 / 13:17 Uhr

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Der WWF brachte diese Woche den 'Living Planet-Report' heraus. Ganz kurz zusammengefasst ist die Folgerung des Berichtes: Wir leben über unsere Verhältnisse, oder besser gesagt, über den Verhältnissen unseres Planeten.

Nun kann eingewendet werden, dass der WWF sicher nicht neutral sei und der Bericht tendenziös. Aber selbst wenn man einige Haare in der Suppe finden sollte, so sind es nicht diese, die den bitteren Geschmack verursachen. Denn bestimmte Tatsachen lassen sich nicht unter den Tisch reden.

So stammt der Grossteil der von uns verbrauchten Energie aus Zeiten, in denen noch kein Mensch auf dem Planeten gelebt hat. Seien es nun Ölquellen, Kohleflöze oder Erdgaslager. Die gesamte fossile Energie ist genau das: Fossil. Gebildet vor hunderten Jahrmillionen aus den Überresten urzeitlicher Wälder sind sie eine Art geologischer Erbschaft, die der Mensch gefunden hat und nun seit einem Jahrhundert verprasst.

Wie jemand, der ein Erbe antritt, ohne je einen Finger dafür gerührt zu haben, verschleudern wir dieses scheinbar unerschöpfliche Vermögen und nur langsam dämmert es uns, dass auch das grösste Konto einmal leer sein wird. Vor allem, wenn wie hier keine Zinsen gezahlt werden.

Abgesehen von den akuten klimatischen Folgen unseres Handelns, der Umweltverschmutzung und Bodenerosion in der Folge, wird scheinbar auch vergessen, dass schon in zwei Generationen die Vorräte erschöpft sein werden und die energetische Grundlage der Weltwirtschaft fehlen wird. Die ganze Welt auf neue energetische Beine zu stellen, wird Jahrzehnte dauern... wir sollten also schon heute damit beginnen.

Doch die Probleme gehen auch in der Biosphäre weiter. Die Weltmeere sind bald leer gefischt, natürliche Ökosysteme werden grossräumig zerstört und in der Folge breiten sich Wüsten aus und fruchtbares Land geht verloren.

Die Menschheit zerfleischt sich unterdessen in Konflikten, die am ehesten an die Massaker, welche Schimpansenrudel untereinander anrichten, gemahnen – allerdings auf technologisch ungleich höherem Niveau und teilweise mit der spirituellen Illusion, dabei von einem Gott beim Morden beschützt zu werden. Die wahren Probleme werden dabei von den meisten Menschen vollkommen ausgeblendet oder schaffen es nicht einmal in ihr Gesichtsfeld.

Dabei ist die Lösung der Probleme schon schwer genug, wenn man wirklich willens wäre, sie anzugehen. Trotzdem lohnt es sich, ganz kurz die verschiedenen Punkte zu betrachten.

Energie sparen: Die Verschwendung von Energie ist unverzeihlich. Kein Lebewesen in der Natur kann es sich erlauben, Energie unnötig zu versauen. Mit altertümlichen, ineffizienten Technologien wie Verbrennungsmotoren und Glühbirnen und schlecht isolierten Häusern und Wohnungen die nicht dem lokalen Klima gemäss gebaut werden, verschwendet die erste Welt riesige Mengen an Energie, ohne einen Gewinn daraus zu ziehen.

Bevölkerungswachstum global begrenzen: Auch wenn die Massnahmen in China vielen unmenschlich erscheinen: Der Planet kann nur eine begrenzte Anzahl Menschen ernähren. Wächst die Bevölkerung weiter, wird dies am Ende zu einem globalen Kollaps führen, der die Menschheit dann eben quasi extern reduzieren wird. Wir haben die Wahl.

Erneuerbare Energien ausbauen und vorhandene Potenziale ausnutzen. Einerseits müssen auch lokal Wind, Sonne und Gezeiten stärker genutzt werden. Andererseits müssen brach liegende Resourcen wie die energetisch fast unbenutzten Abfälle der Kernkraftwerke mit neuen Systemen genutzt werden.

Konsequentes Recycling: Das Konzept 'Abfall' existiert in der Natur nicht. Die Verschwendung von Rohstoffen, die nur begrenzt vorhanden sind, muss gestoppt werden.

Nahrungsproduktion: Der grösste Skandal sind momentan immer noch die Fischflotten, welche Wildtiere in Massen dezimieren und ausrotten. Die Empörung über den Walfang in Island und Japan ist pure Heuchelei. Als ob sich Thunfische gerne fangen und töten liessen. Entweder die Menschheit entwickelt grossräumige Fischfarmen und lässt den Ozean in Zukunft in Ruhe, oder der Fisch wird plötzlich von unseren Tischen verschwunden sein.

Es geht dabei um das Überleben der Menschheit und der Zivilisation. Wir scheinen das Potenzial zu rationalem Handeln zu haben, aber dazu müssen wir als erstes die absurde Illusion überwinden, dass die Erde unerschöpflich ist und es immer irgendwie weitergehen werde. Natürlich. Die Sonne wird auch in einer Million Jahre noch jeden Morgen aufgehen. Ob sie dann allerdings auf unsere Nachfahren oder nur auf unsere Fussabdrücke scheint, wird schon heute und morgen entschieden.

(von Patrik Etschmayer/news.ch mit Agenturen)

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