Die wirklich letzte Wahrheit über Castingshows

publiziert: Samstag, 9. Jan 2010 / 16:40 Uhr / aktualisiert: Samstag, 9. Jan 2010 / 18:20 Uhr

Seit Mittwoch heisst es wieder «DSDS» oder «Dieter (Bohlen) sucht den Superstar», wie einige hämische Kommentare über die Castingshow lauten. Was sich hinter den Kulissen von «Popstars» und «DSDS» abspielt, berichten zwei erfolgreiche Teilnehmer in einem Buch.

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«Sex, Drugs & Castingshows»
Die Wahrheit über DSDS,
Popstars & Co. Zwei
Gewinner packen aus.
Von Markus Grimm und
Martin Kesici. 17,90 Euro

rivaverlag.de

Es ist wieder Samstagabend 20.15 Uhr und RTL sendet die zweite Folge seiner «DSDS»-Staffel 2010. Sie könnten natürlich einfach umschalten, z.B. zur «Krone der Volksmusik» auf ARD und ORF. Sie könnten natürlich auch selbst zum Mikro greifen und sich auf einen der unzähligen Youtube-Channels verewigen und das Feld der Kurzzeit-Prominenten von hinten aufrollen.

Was wohl Stefanie Heinzmann sagen würde?

Oder Sie bewerben sich bei Stefan Raab, der ja mit seiner Castingshow «SSDSDSSWEMUGABRTLAD» (Stefan Sucht Den Superstar, Der Singen Soll, Was Er Möchte, Und Gerne Auch Bei RTL Auftreten Darf) immerhin das welsche Gesangstalent Stefanie Heinzmann an die mediale Wahrnehmungsoberfläche geholt hat.

Sie könnten aber auch das 2009 veröffentlichte Buch «Sex, Drugs und Castingshows» lesen, das mit dem Untertitel wirbt, «die Wahrheit über 'DSDS', 'Popstars' & Co.» zu wissen. Darin plaudern Markus Grimm, Mitglied der «Popstars»-Band Nu Pagadi 2004, und Martin Kesici, «Star Search»-Gewinner von 2003 aus dem Casting-Starköfferchen.

Vorsicht bei den Table-Dancerinnen

Eins vorweg: Das grosse Enthüllungsbuch ist es nicht geworden - und wenn man auf Seite 340 liest, dass die beiden Autoren nicht ganz so flüssig sind wie erhofft, dann ist die Existenz dieses Buches nicht verwunderlich. Aber dennoch gibt das Buch einen amüsanten Einblick auf die Innenräume aller Casting-Container dieser Welt.

Sie werfen dem Fernseh-Zirkus vor, dass die Castingshows bei einer bestimmten Zielgruppe Hoffnung auf ein vermeintlich besseres Leben wecken. Das Leben als Star. Dabei wollen die beiden für sich erfolgreichen Teilnehmer nicht über Castings lästern, sondern erzählen, wie das Danach und Drumherum aussieht.

Sie schreiben von arrangierten Streitereien, fiesen Casting-TeilnehmerInnen und noch fieseren Journalisten, die die Koksvergangenheit plötzlich ans Licht schnüffeln - und natürlich vom berauschenden Leben als Kurzzeit-Star und bösen «Bild»-Fotografen, die genau dann abdrücken, wenn man gerade sein Bier auf dem Hintern eines Table-Dance-Mädchens abstellt.

Die Mühen im Musikbusiness

Auch was das Finanzielle betrifft, räumen Grimm und Kesici mit einigen Illusionen auf. Grimms Band Nu Pagadi hatte nach neun Monaten 46'000 Euro verdient, Hotelkosten, Managementgebühren (6000 Euro) und Kosten für Musikvideos (je 6000 Euro) nicht eingerechnet, denn die mussten die FinalistInnen selber berappen. Bei vier Bandmitgliedern macht das gerade mal 4000 Euro. Für die Band kam 2005 das schnelle Aus.

Auch Martin Kesici, obwohl finanziell wesentlich besser weggekommen, lässt sich im Buch darüber aus, was letztendlich von den satten Gewinnen nach Abzug der deutschen Steuern und den Managementgebühren übrig blieb - immerhin 40'000 von 150'000 Euro nach einer Woche Musikbusiness.

Gar nicht so schlecht. Aber irgendwie wird man beim Lesen den Eindruck nicht los, dass die beiden jungen Männer ihre naiven Handlungen von damals in ein Ethik-Manifest für das Fernsehen hinüberretten wollen. So kommt Kesici, mehr flehent als anklagend, nicht umhin zu schreiben: «Es gibt doch auch noch eine andere Welt als die von 'Bild' und Co.» Wie süss.

«Freakshow» Fernsehen

Eben nicht, wird sich der kundige Casting-Zuschauer denken. Denn mit Hinweis auf die nächste Woche startende zehnte (!) Staffel der «Big Brother»-Show, bleibt den Kurzzeit-Star-Anwärtern wohl nichts anderes übrig. Oder gab es schon mal einen Star, der an der «Bild»-Zeitung vorbei nach oben geklettert wäre? Nun, bestimmt. Nur wer kennt ihn?

«Früher hat es für die Aufregung gereicht, wenn Zlatko (das war der, der Shakespeare nicht kannte und «homogen» für eine Steigerung von «homosexuell» hielt) vor der Kamera einen Popel gefuttert hat», sagt Ex-Deutschlandchef der «Big-Brother»-Firma Endemol Borris Brandt im «Spiegel». «Heute muss es schon eine richtige Freakshow sein.»

Papa Eilfeld verteidigt die Tochter

Da hilft es auch nichts, wenn der Vater von «DSDS»-Teilnehmerin Annemarie Eilfeld im Gastkommentar des Buches feststellt, «DSDS» sei gar kein Wettbewerb, sondern nur ein grosses Drehbuch indem alle Rollen von der sexy Zicke (Annemarie) bis zum Behinderten im Voraus verteilt seien.

Natürlich ist Dieter Bohlen der Oberbösewicht, der mit «niveaulosen» Äusserungen (gegen Annemarie) das Publikum auf seine Seite ziehen will. Auch der Sender RTL ziehe gnadenlos mit Lügen und Aufbauschereien über die Kandidaten her.

Endlosschleife

Aber: Wer zwingt einen dazu, sich dort vor Millionen von Menschen zum Obst zu machen und sich dann auch noch über die Spielregeln zu mokieren ohne die man gar nicht dort stehen würde?

Das inflationäre Aufleuchten von Stars und Sternchen weckt bei den TeilnehmerInnen immer wieder Hoffnungen oder dreistes Beharren auf Wirklichkeit und Geschmacksgerechtigkeit, die sie bei einem imaginären Casting-Gott namens Zuschauer einfordern.

Ob das nun alles ein Fake ist oder die traurigen SelbstüberschätzerInnen «echt» sind, ist gar nicht von Belang. Wer im Fernsehen Realität sucht, sollte den TV-Apparat besser abschalten.

(Tino Richter/news.ch)

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