Drecksuhlen, Weltfrieden und Avantgarde am OpenAir
publiziert: Sonntag, 28. Jun 2009 / 10:28 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 23. Mai 2010 / 16:50 Uhr

St. Gallen – Regen und eine feucht-glitschige Rutschpartie haben die Musikbegeisterung am diesjährigen OpenAir St. Gallen kaum getrübt. Das Publikum zeigte sich trotz einer eigentlichen Schlammschlacht friedlich und fröhlich.

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OpenAir St. Gallen

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Wie schon vor zwei Jahren hat sich Rapper Stress am Samstagnachmittag rhythmisch bewährt und das Publikum auf Trab und Galopp gehalten, trotz des matschigen Bodens. Die Art von Call-Response mit den Mitstreitern, etwa der Sängerin, möchte man nach wie vor nicht missen. Dazu bewegten sich viele Gummistiefel, aber auch ehemals weisse Stoffturnschuhe im erdig-feuchten Matsch.

In einem deutlich verbesserten Deutsch, was vielleicht an Melanie Winiger liegt, und dem französisch gefärbten Akzent bewies Stress, dass ihm auch Moderatorqualitäten eigen sind. So lobte der Westschweizer das St. Galler Publikum und mehrmals davon auch den weiblichen Teil.

Der Romand sprach auch seinen Lieblingsfeind an: «Die SVP-Leute haben in ihrer Jugend zuwenig Liebe bekommen, wir geben ihnen jetzt ein wenisch Liebe». Das kümmert niemand, denn der Rhythmus, das Tempo stimmt. Rapper Stress lässt auf eingeweichtem Untergrund die Knie swingen und ist gerade deshalb ein sicherer Wert für nachmittägliche Aufwärmungen.

Avantgarde-Blues und Mitternachtsmelancholie

Mit einem hartem gitarrigen Road-Blues präsentierten sich am Samstagabend der Australier Nick Cave und die gestandenen Mitmusiker namens «The Bad Seeds» urban und avantgardistisch, Caves' schräg verruchte Stimme, zuweilen auch mit Geige begleitet, deutet irgendwo zwischen Verzweiflung, Leidenschaft und Melancholie ein dunkles Nachtleben an. Tom Waits lässt grüssen.

Die dunkel elegant gekleideten Herren mit etwas längeren, unkonventionell gekämmten Haaren steuerten sich aber mehr als solid durch das Tonparkett, angetrieben von erdigen Riffs des einmaligen Gitarristen. Die Independent-Wurzeln kommen deutlich zum Ausdruck. Es ist Salonlyrik, die aus dem Blues, Rock und New Wave entsteht, verzaubert und neue Perspektiven eröffnet.

Adrenalin und Schlammschlacht

Danach legten die Industrial-Rocker Nine Inch Nails noch einen Zacken zu, was Power und Wildheit angeht. Hinter Lichtblitzen und Bühnenrauch heizten die nicht mehr ganz jungen Jungs mit tüchtig Meersalz in den Haaren dem Publikum tüchtig ein, klirrend direkt und temporeich. Der Stoff zum hopsen, das Zeug von Rage against the Machine, sorgt für eine Erhöhung des Adrenalin-Spiegels.

Eine alte Jugendliebe jedoch winkt: Drüben auf der Sternenbühne treten Patent Ochsner auf. Mittlerweile wieder im Regen haben sich dort mitten im schlammig-glitschigen Feld vor der Bühne derart viele Fans besammelt, dass ein Durchkommen unmöglich ist. Aber auch von weitem ist hörbar: Bei den Ochsners funktioniert musikalisch noch immer alles. Büne Huber brachte Songs wie «Ludmilla», «Fischer» und schliesslich auch «Bälpmoos». Die Musikbegeisterten drängten durch den Matsch und blieben dennoch friedlich und bei guter Laune.

Glimmer nach 1 Uhr

Eine Show mit Glimmer zeigte schliesslich der mit Schlips, Dunkel-Anzug, Dunkel-Brille und Melone herausgeputzte Jan Delay, mit drei Soul-Sängerinnen im gold-funkelnden Kleid. Etwas für das Gemüt.

Das Ganze lebte von musikalisch farbigen Funk-, Soul und Reggea-Elementen und Zitaten und wurde von Band und Bläserformation unterstützt. Und wie könnte es anders sein: Beim Song «Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann» sangen alle irgendwie mit.

(Harald Tappeiner/news.ch)

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