Ehre für den «Kanzler der Wiedervereinigung»

publiziert: Sonntag, 3. Okt 2010 / 21:21 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 3. Okt 2010 / 21:56 Uhr

Bremen/Berlin - Bundespräsident Christian Wulff hat zum 20. Jahrestag der Wiedervereinigung Deutschlands für einen «neuen Zusammenhalt» in der Gesellschaft geworben. Wulff rief beim zentralen Festakt in Bremen Migranten auf, sich mit Deutschland als Heimat zu identifizieren.

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Zugleich lobte das Staatsoberhaupt die Veränderungsbereitschaft der Ostdeutschen als beispielhaft für alle im Land, wie die Nachrichtenagentur dapd berichtete.

Altbundeskanzler Helmut Kohl ist mit langem Beifall gefeiert worden. Als der «Kanzler der Einheit» in einem Rollstuhl auf die Bühne vor dem Reichstag geschoben wurde, winkten ihm Tausende Menschen auf der Reichstagswiese zu. Die Ehrengäste zollten ihm stehend Ovationen.

Nach einem Ökumenischen Gottesdienst hielt Bundespräsident Wulff in der Bremer Stadthalle beim Festakt seine mit Spannung erwartete Rede. Vor rund 1400 Gästen, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesminister, Ministerpräsidenten, Botschafter und Bürgerdelegationen, warb Wulff für einen «neuen Zusammenhalt» in der Gesellschaft und forderte dabei Solidarität der Stärkeren mit den Schwächeren.

Appell an Zuwanderer

Breiten Raum in der Rede nahm die Integration von Zuwanderern ein. Wulff appellierte an sie, Deutschland als Heimat zu verstehen. Der Ruf der Ostdeutschen vor 20 Jahren «Wir sind ein Volk» müsse «heute eine Einladung sein an alle, die hier leben». Zugleich warnte Wulff vor einer Ausgrenzung. Deutschland habe eine christlich-jüdische Geschichte. Aber auch der Islam gehöre heute zu Deutschland.

Bundeskanzlerin Merkel rief zu mehr Anerkennung für die Lebensleistung der früheren DDR-Bürger auf. Es sei schade, «dass manche bis heute nicht sehen oder verstehen wollen, dass das Staatsgebilde der DDR das eine war - und das Leben jedes Einzelnen das andere», betonte die Kanzlerin. Viele Menschen im Osten habe das verletzt.

Gorbatschow lobt das Volk

Die CDU-Chefin äusserte die Hoffnung, «dass wir in 20 Jahren so weit sind, dass sich ein junger Mensch nicht mehr nach Ost oder West definiert, sondern dass wir einfach sagen: wir sind Thüringer oder Sachsen, so wie Westfalen oder Bayern.»

Der frühere sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow unterstrich bei einem Festakt in der Frankfurter Paulskirche die Rolle der Völker bei der deutschen Wiedervereinigung. Ohne den Einheitswillen der Deutschen und dessen Akzeptanz durch das russische Volk hätte die sowjetische Regierung nicht so handeln können, wie sie gehandelt habe, unterstrich Gorbatschow.

(fkl/sda)

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