Ein Lock-out der Konkurrenz

publiziert: Donnerstag, 7. Apr 2005 / 21:18 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 7. Apr 2005 / 23:53 Uhr

Am Ende einer vom Streik in der National Hockey League beeinflussten Saison ist der HC Davos auf die oberste Position der NLA-Hierarchie zurückgekehrt. Der 27. Titelgewinn ist in verschiedener Hinsicht speziell.

Wer wagt, der gewinnt -- im Idealfall alles.
Wer wagt, der gewinnt -- im Idealfall alles.
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Wer wagt, der gewinnt -- im Idealfall alles. Ein abgedroschener Spruch zwar nur, aber kaum je zuvor passte er besser zur Rekapitulation einer Meisterschaft.

Als sich in der Schweiz noch kein Manager ernsthaft mit der möglichen Stilllegung der NHL befasste, legte Arno Del Curto der arbeitslosen Prominenz aus Nordamerika bereits die erste Vertragsofferte vor. Der Engadiner spekulierte goldrichtig, die Klub-Besitzer und die Spielergewerkschaft einigten sich tatsächlich nicht mehr.

Für Del Curto endet der Eishockey-Horizont nicht hinter dem Wolfgang-Pass. Jahrelang verschob er die Sommerferien, um in Kanada und den USA das persönliche Bild vom internationalen Markt zu schärfen.

Sein exzellentes Networking kam ihm beim Poker zupass, aus der Lock-out-Masse verfügbarer NHL-Professionals mit Joe Thornton (Boston), Rick Nash (Columbus) und Niklas Hagman (Florida) exakt die richtigen auszuwählen.

"Goldene Nase"

Dafür müssten sie ihren mutigen Coach im Landwassertal nicht mit einem Oscar, sondern mit der "Goldenen Nase" auszeichnen.

Allen voran der Dollar-Millionär Thornton liess die Konkurrenz in Ehrfurcht erstarren. Er war unantast- und seine Assists unverzichtbar.

Mit Nash, dem erst 20-jährigen NHL-Torschützenkönig, stand ihm ein Stürmer zur Seite, der wie kein Zweiter den direkten Weg in den Slot wählte.

Und der zu Beginn eher unauffällige Hagman nahm im Playoff von Partie zu Partie mehr Einfluss; kaum eine gute Vorlage Thorntons liess der unaufhaltsame Finne aus.

Nationale Risikobereitschaft

Risikobereitschaft signalisierte Del Curto in seinem neunten Davoser Amtsjahr auch auf nationaler Transferbühne.

Nachdem sich der langjährige Stammkeeper Lars Weibel aus finanziellen Gründen für einen Wechsel zum EV Zug entschieden hatte, setzte der Trainerfuchs auf den Nachwuchsgoalie Jonas Hiller.

Im Gegensatz zur allgemeinen Expertenmeinung befand er den 23-Jährigen nach dessen Lausanner Lehrjahr für stabil genug, erstmals dem hohen Anspruch einer Nummer 1 zu genügen. Hiller rechtfertigte das Vertrauen vollumfänglich.

Kontinuität

Eng verknüpft mit dem zweiten Titel der jüngeren HCD-Geschichte ist die in der NLA derzeit fast beispiellose Kontinuität. 16 Spieler der aktuellen Equipe standen schon vor drei Jahren zuoberst auf dem Podium.

Reto von Arx, die ausserhalb von Davos polarisierende Schlüsselfigur, erlebt den Frühling zum zehnten Mal im Kurort. Er und zehn weitere Stammspieler verlängerten ihren Vertrag Ende Dezember. Ein Ende des Höhenflugs ist in naher Zukunft nicht zu befürchten.

Führungscrew

Im Schatten der erfolgreichen Angestellten auf dem Eis hat die 2004 neuformierte Führungscrew die weniger populäre Knochenarbeit geleistet.

Mit rigorosen Sparmassnahmen, dank der Umgestaltung bestehender Spielerverträge und dem weiterhin florierenden Spengler Cup vermochte der mehrheitlich aus der "Task Force HCD" gebildete VR um Präsident Tarzisius Caviezel den Schuldenberg von 3,4 Millionen auf rund 600 000 Franken abzutragen.

Neue Einnahmequellen versprechen sich die HCD-Strategen vom Teilumbau der architektonisch zwar attraktiven, aber veralteten Eishalle. In zwei Etappen wird die Nord- und Südtribüne komplett erneuert.

Del Curtos Team kommt so endlich in den Genuss geräumiger Kabinen, derweil die Zuschauer auf bedeutend komfortableren Plätzen (und Logen) keinen Rückenschaden mehr riskieren und für die Zwischenverpflegung nicht mehr die halbe Spieldauer investieren müssen.

Zahlen
HC Davos. -- Gründungsjahr: 1921. -- Erfolge: 27-mal Schweizer Meister, letztmals (vor 2005) 1984, 85, 2002. 13-mal Gewinner des Spengler-Cups. -- Präsident: Tarcisius Caviezel. -- Geschäftsleiter: Peter Baetschi. -- Budget: 8,7 Mio. Franken (1. Mannschaft: 6,2 Mio.).

Das Kader
Tor: Jonas Hiller (23). Thomas Bäumle (20).

Verteidigung: Florian Blatter (20). Daniel Boss (21). Beat Forster (22). Marc Gianola (31). Andrea Häller (33). Marc Heberlein (23). Michael Kress (29). Jan von Arx (27). Benjamin Winkler (28).

Sturm: Andres Ambühl (21). Björn Christen (25). Franco Collenberg (19). Peter Guggisberg (20). Niklas Hagman (Fi, 25). Steivan Hasler (20). Josef Marha (Tsch, 28). Rick Nash (Ka, 20). Claudio Neff (23). Michel Riesen (26). Sandro Rizzi (26). Fabian Sutter (22). Joe Thornton (Ka, 25). Reto von Arx (29).

Trainer: Arno Del Curto (48).

(Sven Schoch/Si)

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