Ein Weihnachtsgeschenk für Gazprom

publiziert: Samstag, 23. Dez 2006 / 18:54 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 26. Dez 2006 / 09:09 Uhr

Moskau - Russland hat gewonnen. Nach monatelangem Drängeln und Drohen gaben der britisch-niederländische Ölkonzern Shell und seine japanischen Partner Mitsuhi und Mitsubishi auf und verkauften 50 Prozent plus eine Aktie ihrer Anteile am gigantischen Gas- und Ölprojekt Sachalin 2 an den staatlichen Gazprom-Konzern.

Auch Wladimir Putin gehört zu den grossen Gewinnern des Deals.
Auch Wladimir Putin gehört zu den grossen Gewinnern des Deals.
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«Zufrieden» äusserte sich umgehend Präsident Wladimir Putin, der die Energiebranche fest in nationaler Hand wissen möchte.

Beobachter warnen, dass der Kreml bereits weitere ausländische Investoren im Visier hat.

Schon hat die Umweltbehörde, die auch Shell und Partnern zusetzte, eine Prüfung des Förderprojektes Sachalin 1 für das kommende Jahr angekündigt.

Weltgrösstes Projekt

Sachalin 2 ist mit einem Investitionsvolumen von 20 Mrd. Dollar das weltweit grösste private Öl- und Gasförderprojekt. Vor der Insel Sachalin im Fernen Osten Russlands sollen eine Förderinsel und eine Gas-Verflüssigungsanlage gebaut werden, die bereits ab 2008 Flüssiggas nach Japan und Korea liefern soll.

Anfang der 90er Jahre, als der russische Staat schwach war und die Energiepreise niedrig, war Moskau froh, ausländische Investoren gefunden zu haben. Doch die Preise sind gestiegen, die Macht des Kreml nicht zu unterschätzen.

Die Zurückeroberung von Sachalin 2 begann im Sommer 2005: Damals musste der Kreml aus der Presse erfahren, dass Shell die Entwicklungskosten von einem Tag auf den anderen von 10 auf 20 Mrd. Dollar verdoppelte.

Im Vertrag mit dem Konsortium stand aber, dass Russland erst mit Erreichen der Gewinnschwelle an den Erträgen beteiligt wird. Dieser Zeitpunkt verschob sich mit dem Anstieg der Entwicklungskosten beträchtlich. «Die Russen fühlten sich wirklich über den Tisch gezogen», sagt Analyst Ronald Smith von der Moskauer Alfa Bank.

Umweltgutachten aberkannt

Nur 15 Tage später erklärte die russische Justiz das Umweltgutachten für die Arbeiten an Sachalin 2 für ungültig. Geklagt hatten lokale Umweltschutzgruppen und Bewohner der Insel. Und auch internationale Umweltschutzgruppen sorgen sich um Flüsse und Wälder auf Sachalin und die Nahrungsgründe des Pazifischen Grauwals.

Ab Juli 2006 häuften sich dann die Drohungen der Umweltschutzbehörden gegen das Konsortium. Anfang Dezember begannen die Verhandlungen über die Beteiligung von Gazprom.

Der Konzern bekommt seinen Mehrheitsanteil für 7,45 Mrd. Dollar - ein «Weihnachtsgeschenk», titelte das russische Wirtschaftsblatt «RBK». Wert gewesen wäre der Anteil 11 Mrd. Dollar, meint die Grossbank Credit Suisse. Die Bank Deutsche UFG in Moskau dagegen beurteilt den Preis als gerecht.

Angst vor Yukos-Schicksal

Neben der finanziellen Seite dürften Shell, Mitsuhi und Mitsubishi auch das Schicksal des russischen Ölkonzerns Yukos vor Augen gehabt haben, den der Kreml per Steuernachforderungen zerschlug. Wer in Russland investiere, müsse eben risikobereit sein, meint Smith trocken: «Wer zu zart besaitet ist, der fliegt hier bei der ersten kleinen Krise wieder 'raus.»

Wladimir Milow vom Institut für Energiepolitik schätzt, dass als nächstes der US-Konzern ExxonMobil und das britisch-russische Gemeinschaftsunternehmen TNK-BP ihre Kräfte mit dem Kreml messen müssen. «Sobald die Ausländer Öl- und Gasfelder wie Sachalin 1 auf ein zufriedenstellenden Niveau entwickelt haben, werden sie es ebenfalls mit dem russischen Staat zu tun bekommen.»

Die Umweltsorgen der Russen wie im Fall Sachalin 2 halten die Beobachter jedenfalls für nur vorgeschoben. Andrej Gromadin von der Bank MDM schätzt, dass Gazprom und seine ausländischen Partner das Projekt jetzt zügig umsetzen werden: Die Umweltbedenken, sagt er, seien mit dem Deal «beerdigt».

(Von Delphine Touvenot, AFP/sda)

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