El Niño – oder das (wahrscheinlich) wärmste Jahr

publiziert: Mittwoch, 22. Dez 2010 / 09:00 Uhr
Nicolas Gruber ist Professor für Umweltphysik an der ETH Zürich.
Nicolas Gruber ist Professor für Umweltphysik an der ETH Zürich.

Dieses Jahr ist es wieder soweit: El Niño – das Christkind – wird uns bescheren. Ich freue mich auf die vielen Geschenke, die es mir bringen möge. Ich bin mir hingegen nicht so sicher, ob ich mich über ein weiteres Geschenk freuen soll: El Niño bringt uns wahrscheinlich auch das wärmste Jahr seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen im Jahre 1850.

2 Meldungen im Zusammenhang
Weiterführende Links zur Meldung:

Blogbeitrag von Joeri Rogelj
Blogbeitrag von Joeri Rogelj «Lücke zwischen Emissions- und Klimazielen»
www.klimablog.ethz.ch

Noch ist das Jahr 2010 nicht vorbei und es wird etwa 1 bis 2 Monate dauern, bis alle Daten ausgewertet sind. Dennoch hat die World Meteorological Organization (WMO) vor einigen Tagen verlauten lassen, dass «das Jahr 2010 mit grosser Sicherheit unter den drei wärmsten Jahren seit 1850 rangieren wird». Die WMO begründet ihre Aussage damit, dass die Periode von Januar bis Oktober 2010 die wärmste bisher gemessene war.

El Nino wirkt sich global aus

Mit El Niño wird ein Phänomen benannt, das in unregelmässigen Abständen (im Mittel zwischen 3 und 7 Jahren), aber immer ungefähr um die Weihnachtszeit herum zu einer Erwärmung des tropischen Ostpazifiks führt. Seinen Namen erhielt El Niño von Fischern und Bewohnern aus dem Norden Perus, die dieses Phänomen schon seit Menschengedenken kennen, denn es hat für sie oft verheerende Folgen. Während eines El Niño bleiben die Fische aus und ungewöhnlich lang anhaltende und starke Niederschläge können ganze Täler überschwemmen.

Erst im Laufe des letzten Jahrhunderts wurde den Klimatologen aber bewusst, dass El Niño auch globale Auswirkungen hat, insbesondere auf den Tropengürtel. Durch Verschiebungen der globalen Zirkulationssysteme kommt es in vielen Regionen zu starken Dürren und Überschwemmungen – in Indonesien fällt der Regen aus und es ist ungewöhnlich warm, vor der Westküste Südamerikas und teilweise auch Nordamerikas hingegen regnet es ungewöhnlich hohe Mengen, selbst in Afrika sind die Auswirkungen zu spüren. Insgesamt erwärmt sich die globale Lufttemperatur im Jahr nach einem mittelstarken El Niño im Schnitt um etwa 0.1°C.

2010 wärmstes Jahr trotz moderatem El Nino

Im Laufe des Jahres 2009 hat sich abgezeichnet, dass sich ein El Niño entwickelt. Um Weihnachten 2009 erreichte der El Niño 2009/2010 seine maximale Stärke. Diese war im historischen Vergleich moderat und das Erwärmungsmuster beschränkte sich primär auf den zentralen Teil des tropischen Pazifiks. El Niño-Modoki wird dieses Muster genannt, was in Japanisch «ähnlich aber doch verschieden» heisst. Doch auch ein solch moderater El Nino führt im folgenden Jahr zu einer globalen Erwärmung, jedoch zu einer nur leichten.

Insofern ist es wenig überraschend, dass das Jahr 2010 wärmer war als die letzten paar Jahre, während denen es keinen El Niño gab. Was mir aber zu Denken gibt, ist, dass 2010 wahrscheinlich so warm werden wird wie das Jahr 1998. Dieses bisher wärmste Jahr folgte auf den mit Abstand grössten El Niño der vergangenen 100 Jahre.

Dass nun das Jahr 2010 – wohlgemerkt nach einem moderaten El Niño – das Jahr 1998 als bisher wärmstes Jahr enttrohnt, interpretiere ich als klares Signal der globalen Erwärmung. Ohne einen darunter liegenden langfristigen Erwärmungstrend hätte es für den El Niño 2009/2010 nicht auf den ersten Platz gereicht.

Es bleibt viel zu tun

Das Jahr 2010 hat uns noch andere Dinge gebracht: Mit grosser Wahrscheinlichkeit wuchsen die CO₂-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger um drei Prozent und erreichen damit einen neuen Höchststand – satte 40% oberhalb der Emissionen von 1990. Unausweichlich ist damit auch, dass die atmosphärische CO₂-Konzentration dieses Jahr neue Höchststände erreichen wird.

In Anbetracht dieser Entwicklungen ist das Resultat der soeben zu Ende gegangenen Klimakonferenz in Cancún ernüchternd. Es wurden Fortschritte gemacht, der Prozess scheint wieder auf die Schienen gebracht worden sein, aber es klafft eine riesige Lücke zwischen der 2°C-Zielvorgabe und den entsprechenden Zusagen der verschiedenen Staaten in Bezug auf ihre Emissionsreduktion (siehe weiterführende Links).

Langsam läuft uns die Zeit davon. Es bleibt viel zu tun – packen wir es an im 2011!

Frohe Weihnachten und einen erfolgreichen Start ins Neue Jahr!

(Prof. Nicolas Gruber/ETH-Zukunftsblog)

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