Aussergewöhnliche Menschen: Eine Wochenendserie, Teil 2
Elif Erisik - Vegan Baby
publiziert: Samstag, 9. Mai 2015 / 08:13 Uhr / aktualisiert: Samstag, 9. Mai 2015 / 08:52 Uhr

Elif Erisik hat das Schweizer Jugend- und People-Fernsehen entscheidend mitgeprägt, stieg 2014 aus Überzeugung für Tier, Mensch und Umwelt in die Gastronomie ein und eröffnete im September 2014 zusammen mit ihrer Schwester Sibel die Zürcher Gastro-Rakete des letzten Jahres: das «Elle'n'Belle - it's Vegan, Baby!» am Limmatplatz in Zürich. Eine Erfolgsgeschichte mit viel Herzblut und Substanz - auch gegen viele Widerstände.

Der Begriff «Rock'n'Roll» impliziert, furchtlos, frei und voller Ueberzeugung vorausgehend zu sein - das passt zu Elif Erisik: «Seit ich denken kann, haben mich immer wieder die unbekannten Abenteuer fasziniert. Der Ausgang war immer ungewiss, aber darum ging es in erster Linie auch nie. Nicht das Ziel war entscheidend, sondern der Weg und die Erfahrungen, die ich bis heute in meinen Rucksack packen durfte. Und ganz wichtig: alles, was ich mache, will ich mit viel Leidenschaft und einem Schuss Rock'n'Roll tun.»

Pionierin

Mit diesem Mindset hatte sie signifikanten Anteil an der Entwicklung von urbanem Schweizer Unterhaltungsfernsehen. Erst als Redakteurin/Moderatorin bei VIVA-Swizz, danach bei B&B Endemol, später als Produzentin bei Glanz & Gloria, und zuletzt gehörte sie dem Gründungsteam der Social-TV-Revolution Joiz an. Da bestimmte sie vier Jahre lang als Programmchefin die mittlerweile europaweit gefeierten Inhalte.

Was die wenigsten wissen, ist, dass Erisik nach Gymi-Abschluss und Austauschjahr in West Virgina (USA) in ihrer Heimat Solothurn auch Mitbegründerin der Kulturfabrik Kofmehl war. Da machte sie die ersten zwei Jahre das Bühnenprogramm und legte die Weichen für einen internationalen Szeneschuppen, indem Top Acts wie The Hives, Die Ärzte, etc. ein- und ausgehen. Als DJ im Vorprogramm von Marilyn Manson oder Resident an den legendären Abart-Parties ist sie seit fast zwei Dekaden fester Bestandteil dieser Szene. Und das wird auch so bleiben.

Gegen alle Widerstände

Erfrischend zu sehen, wie die Vollblut-Rock'n'Rollerin zusammen mit ihrer Schwester Sibel diese Outlaw-Attitüde leidenschaftlich feiert und herzhaft stilvoll mit 1A-Gastronomie verbindet. Dabei gehen beide ans Limit - immer für die Sache, auch bei brutalem Gegenwind. Zum Beispiel mussten sie drei Monate vor Eröffnung den plötzlichen Herztod ihres Vaters hinnehmen (der Seitan-Kebab «Daddy Cool» ist ihm gewidmet und beinhaltet sein geheimes Gewürzrezept - Vater Erisik war 1968 Kebab-Restaurant-Pionier in der Schweiz) und sich nach trotzdem erfolgreichem Start mit Neidern bzw. Hatern rumschlagen. In Foren wurde ihnen wie bei Underground-Stars, die kommerziell erfolgreich werden, weil sie ein breites Publikum überzeugen können, «Sellout» vorgeworfen. Das ist in keiner Branche neu und kommt meistens aus der anonymen Ecke der untätigen Beobachter.

Die Neo-Gastronomin dazu: «Wir sehen das ziemlich entspannt. Negative Kritik kann genauso inspirierend sein wie positive Feedbacks. Von beidem picken wir uns das Wichtigste heraus. Egal, wer links oder rechts was zu meckern hat: unser Weg bleibt gepflastert mit Herzblut, Qualität und Authentizität. Auch wenn's bei uns manchmal chaotisch zu und her geht: wir lieben, was wir tun. Zudem legen wir viel Wert auf Freundlichkeit, Ehrlichkeit und freies Denken. Das haben wir von unseren Eltern und wird sich mit dem Erfolg bestimmt nicht ändern.»

Nachhaltigkeit durch Rock'n'Roll für eine bessere Welt

Erfolg haben sie. Das «Elle'n'Belle - it's Vegan, Baby!» im Parterre des X-TRA-Gebäudes ist ein Volltreffer. Sowohl mittags wie abends ist das Lokal rappelvoll und ein beliebter Szenetreffpunkt. Die innere Ueberzeugung, etwas für die Verbesserung dieses Planeten tun zu wollen, war Erisiks Motor, um vom Entertainment- ins Gastronomiebusiness zu wechseln: «Als ich Veganerin wurde, war für mich klar, dass ich etwas Nachhaltiges schaffen muss. Für Tier, Mensch und Natur. Nicht alleine, sondern zusammen mit meiner Schwester Sibel. Wir sind ehemalige Wirtekinder und grosse Genussmenschen. Die Idee vom eigenen Restaurant lag also auf der Hand. So tüftelten wir Tag und Nacht an unserem gemeinsamen Baby »Elle'n'Belle - it's Vegan Baby!«. Eine aufregende Zeit voller Visionen. Allen voran: Den Menschen veganen Lifestyle näher bringen - mit pflanzlichen Leckereien und positiven Vibes. Wir sehen uns als Teil einer wichtigen Bewegung, der bewusster denken, leben und handeln wichtig ist. Wir fragen uns: Woher kommt mein Essen? Was richte ich damit bei Tieren, der Umwelt und meiner eigenen Gesundheit an? Ich bin sicher, dass uns diese Themen in Zukunft immer mehr beschäftigen werden und der vegane Lifestyle gekommen ist, um zu bleiben. And so are we!»

Tränen, Schweiss und harte Arbeit

Da ist er wieder, der Rock'n'Roll. Volle Breitseite. Ihre Augen leuchten wie die eines Mara-thonläufers bei Zieleinlauf. Ihre Zuversicht steckt an, die Attitüde ist beeindruckend. Die Aussicht darauf, etwas zum Guten verändern zu können, treibt den unermüdlichen Solothurner Sister Act an. Die 39-jährige erinnert sich:

«Wir gingen von Null auf Hundert - innerhalb weniger Wochen. Waren wir darauf vorbereitet? Nein, definitiv nicht. Tränen, Schweiss und harte Arbeit gehörten zur Tagesordnung, 24/7. Es wurde nichts ausgelassen. Natürlich war alles sehr riskant - und auch nervenaufreibend. Du musst genug Atem haben, um bei so einem Sturm nicht unterzugehen. Aber gemeinsam mit unserem Team haben wir es irgendwie geschafft. Manchmal sitzen meine Schwester und ich staunend im Restaurant und fragen uns lächelnd, aber ungläubig: Wie zum Henker haben wir es unter diesen chaotischen und privat schwierigen Umständen hingekriegt, dass die Gäste ihr Essen tatsächlich rechtzeitig auf dem Tisch haben und am Ende das Lokal glücklich und zufrieden verlassen?»

Vetorecht verhindert Iggy Pop

Tatsächlich waren die Erisik-Siblings vom Andrang, der vom ersten Tag an herrschte, überwältigt - und gefordert. Jeden Tag. 15 Stunden. Unter einem Dach. Gabs da, gerade unter Geschwistern, keine Reibereien? Erisik: «Zoff gehört bei uns dazu! Es muss wohl an unserem türkisch-kroatischen Blut liegen: wir haben eine ausgeprägte Diskussionskultur. In den Grundwerten sind wir uns einig, was matchentscheidend ist. Wir scheuen weder harte Arbeit noch unangenehme Situationen. Und wir können uns blind vertrauen. Wir zwei sind aus dem selben Holz geschnitzt, jedoch mit komplett anderen Verzierungen. Und das ist auch gut so. Sie ist die Küchenchefin mit all den verrückten Wonderland-Menü-Kreationen und ich die Marketing-Frontfrau, die für unseren Rock'n'Roll-Auftritt verantwortlich ist. Bei uns gilt das Veto-Recht. Gefällt ihr etwas aus meinem Bereich nicht, lassen wir's. So hat's zum Beispiel ein provokatives Poster von Iggy Pop nie als Deko an die Wand geschafft. Umgekehrt habe ich natürlich die gleichen Rechte.»

Das Universum vergisst nichts

Iggy verkörperte seit jeher die revolutionäre narzisstische Seite des Rock'n'Roll. Aber es gab beispielsweise auch George Harrison, die vom Schicksal getriebene spirituelle Seite. Existiert die bei Elle'n'Belle? Elif Erisik: «Ich glaube fest an Schicksal, aber auch daran, dass man es selber beeinflussen kann. Damit meine ich das Aktions-Reaktionsprinzip. Wenn ich positive Enerigen und Gedanken aussende, kommen sie irgendwann auch so zurück. Genauso ist es mit den negativen Gedanken. Deshalb sollte man aufpassen, was man sich wünscht. It's all about Karma - und das Universum vergisst nichts! Ich habe auch ein starkes Urvertrauen, dass irgendwann alles irgendwie Sinn macht, auch wenn man Vieles lange Zeit nicht versteht.»

(Sascha Plecic/news.ch)

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