Erstmals erkunden Europäer den Mond - SMART 1 vor dem Start

publiziert: Mittwoch, 24. Sep 2003 / 08:12 Uhr

Paris/Kourou - Mehr als drei Jahrzehnte sind seit der letzten Apollo-Mondlandung der Amerikaner vergangen. Jetzt wollen erstmals die Europäer den immer noch geheimnisvollen Erdtrabanten erkunden. Bernard Foing, Leiter der Mond-Mission, glaubt daran, dass Arbeiten und Leben auf dem Mond ZUkunft hat.

In der Nacht zum 28. September soll die "SMART 1" genannte Mond-Sonde mit einer Ariane-5-Rakete in den Weltraum befördert werden.

Die 350 Kilogramm schwere und mit zehn Experimenten bestückte Sonde, die in dieser Woche auf dem europäischen Raumfahrtbahnhof von Kourou im Dschungel von Französisch-Guyana startklar gemacht wird.

"SMART 1" soll sich in einer immer enger gezogenen Spirale gemächlich dem Mond, dessen Schwerefeld die Sonde in etwa 16 Monaten erfasst und in seine Umlaufbahn lenkt. Auf dem Erdtrabanten landen wird Europas Kundschafter jedoch nicht.

Lücken schliessen

"Unser Wissen über den Mond ist erstaunlich lückenhaft", sagt Bernard Foing, zuständiger Projektwissenschaftler der Mond-Mission.

Trotz der sechs Apollo-Flüge der Amerikaner und der drei unbemannten sowjetischen Raumfahrzeuge, die auf dem Mond gelandet sind, gilt es also noch eine ganze Menge Rätsel zu lösen.

"Wir möchten weiterhin wissen, wie das Erde-Mond-System entstanden ist und sich entwickelt hat", erklärt Foing. Auch Vulkanismus, Tektonik, Kraterbildung und Mond-Erosion werfen Fragen auf. Und nicht zuletzt sollen Landegebiete für weit ehrgeizigere Flüge ausgekundschaftet werden.

Klein und kompakt

Im Juni hatte die Europäische Weltraumorganisation (ESA) den "Mond-Botschafter" von ihrem niederländischen Technologiezentrum in Noordwijk nach Kourou bringen lassen.

Der Flug der Sonde dient auch dem mit Spannung erwarteten Test eines solar-elektrischen Antriebs, der die Erforschung benachbarter Planeten erleichtern könnte.

"Klein, kostengünstig und kompakt", das ist das Motto, mit dem die Europäer trotz der Kosten der Weltraumstation ISS und der Krise der Raumfahrtindustrie weiterhin Flagge zeigen wollen.

"SMART 1" ist der Vorläufer einer "neuen Philosophie", die Weltraumforschung mit leichtgewichtigen und nicht so teuren Sonden voranzutreiben.

Daten sammeln

Der genau 101,5 Millionen Euro teure "SMART 1" wird aus einer elliptischen Umlaufbahn heraus über sechs Monate - womöglich auch ein Jahr lang - Daten sammeln. Mit an Bord sind eine hochauflösende Mini-Kamera sowie zwei Spektrometer, darunter ein Infrarotgerät des Max-Planck-Instituts für Aeronomie, das einen sehr tiefen Blick in den schattigen Südpolkrater werfen soll.

Praktisch die wichtigste Schlüsseltechnologie von "SMART 1" (Small Mission for Advanced Research and Technology) bleibt indessen der neue Ionenantrieb der Sonde.

Denn wenn er funktioniert, dann erst werden auch ein Flug Europas zum Merkur sowie der Start eines Sonnen-Orbiters möglich. Der ESA-Projektwissenschaftler der Mond-Sonde hat immer auch das Futuristische im Kopf.

Auf dem Mond könnte viel Energie produziert werden, davon ist Foing überzeugt. "Wir kehren zum Mond zurück, weil wir denken, dass Leben und Arbeiten dort wirklich eine Zukunft hat."

(Hanns-Jochen Kaffsack/dpa)

 
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