Ex-Minister wegen Giftmüllskandal verprügelt

publiziert: Freitag, 15. Sep 2006 / 18:38 Uhr

Abidjan - In der Elfenbeinküste kochen wegen des Giftmüllskandals die Emotionen hoch: Nach dem Tod eines weiteren Menschen haben aufgebrachte Demonstranten ein ehemaliges Regierungsmitglied zusammengeschlagen.

Präsident Laurent Gbagbo versicherte, die Verantwortlichen würden für ihr Verbrechen bezahlen.
Präsident Laurent Gbagbo versicherte, die Verantwortlichen würden für ihr Verbrechen bezahlen.
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Der vor kurzem zurückgetretene Verkehrsminister Innocent Kobenan Anaky wurde nach Angaben eines Mitarbeiters von der wütenden Menge aus seinem Fahrzeug gezerrt und verprügelt. Das Auto des Ministers sei anschliessend in Brand gesetzt worden, sagte Joel N´Guessan, Vizepräsident von Anakys Partei MFA.

Zuvor hatte das Gesundheitsministerium erklärt, die Zahl der Toten durch die Folgen des Giftmülls sei auf sieben gestiegen. Mehr als 23 000 Menschen hätten sich bislang in Spitälern behandeln lassen.

Ein unter ausländischer Flagge fahrendes Schiff hatte im August in Abidjan, dem Wirtschaftszentrum des westafrikanischen Landes, Giftmüll abgeladen. Der Abfall wurde an mehreren Stellen der dicht bevölkerten Stadt offen gelagert und sonderte giftige Gase ab.

Die in den Niederlanden ansässige Firma Trafigura Beheer BV, die das Schiff gechartert hatte, beschrieb den Müll als «eine Mischung aus Benzin, Wasser und ätzender Substanz».

Ausfuhr gefährlichen Mülls in Entwicklungsländer verboten

Der Giftmüll hätte ursprünglich in Amsterdam abgeladen werden sollen, doch das zuständige Unternehmen verlangte mehr Geld, als sich herausstellte, dass der Müll falsch deklariert worden war. Nach europäischem Recht ist die Ausfuhr gefährlichen Mülls in Entwicklungsländer verboten.

Die ivorische Regierung hatte am Donnerstag angekündigt, die betroffenen Müllkippen sollten gereinigt werden. «Wir werden sehr bald von diesen gefährlichen Produkten befreit sein», sagte Ex- Regierungschef Charles Konan Banny. Er konnte allerdings nicht ausschliessen, dass noch immer Giftmüll im Umlauf sei.

Präsident Laurent Gbagbo versicherte, die Verantwortlichen für das Abladen des Giftmülls seien bekannt und würden «für ihr Verbrechen bezahlen».

(smw/sda)

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