FCZ: Träume, Fussballfürsten und glühende Sterne
publiziert: Dienstag, 15. Sep 2009 / 07:49 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 15. Sep 2009 / 10:25 Uhr

Der FC Zürich gibt heute Abend ab 20.45 Uhr im Letzigrund gegen Real Madrid seinen Einstand in der Champions League.

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Einen attraktiveren Einstand in der Champions League hätte sich kein FCZ-Vertreter wünschen können. Real bringt alles mit. Eine unglaublich ruhmreiche Vergangenheit, eine sündhaft teure Mannschaft -- und mit Cristiano Ronaldo und Kaka zwei der begehrtesten Figuren im Weltfussball. Der Glanz- und Glamour-Faktor ist eigentlich fast nicht mehr zu überbieten.

Wahnwitzige Investitionen

Die Fakten sind bekannt und ohnehin unvergleichbar. Zürich sorgte aus Schweizer Sicht letztmals 1977 für internationale Schlagzeilen, als Köbi Kuhn und Co. im Meistercup den Halbfinal gegen Liverpool erreichten. 13 Jahre zuvor hatte er gegen Real Madrid den Halbfinal ebenso klar verloren. Den spärlichen Zürcher Highlights stehen Reals neun Europacupsiege im Meisterwettbewerb gegenüber.

Internationale Fussball-Historiker haben statistisch erhoben, dass Real Madrid mit deutlichem Vorsprung vor Juventus Turin «Europas Klub des Jahrhunderts» ist. Der 31-fache spanische Meister ist auch ohne historischen Beleg die beste und nobelste Adresse für den internationalen Fussball-Adel.

Wahnwitzige 375 Millionen Franken hat Real-Präsident Florentino Pérez im Sommer investiert. Die Traumfabrik soll neue Titel produzieren. Real denkt täglich an den nächsten Triumph in der Champions League; der Schatten von «Barça» ist für Pérez unerträglich. Solche Zahlen und Ziele kennt das FCZ-Personal nur aus den Hochglanzbroschüren der UEFA.

Die Zürcher sind in einer überschaubareren Region beheimatet. Sie dürfen den «königlichen» Besuch mit guten Gründen als Erlebnis des Jahres (oder gar der Karriere?) deklarieren. Von ihnen erwartet niemand etwas. Ihnen ist primär einmal zu wünschen, dass sie sich nicht wie Basel vor einem Jahr von Barcelona (0:5) ohne Konzept blossstellen lassen.

Der wertvolle Imagegewinn

Jahrelang hat sich der FCZ vergeblich um einen Platz im weltweit wichtigsten Klub-Wettbewerb bemüht. Der Zauber genügte oft nur für die nationale Galerie. Seit den souveränen Siegen gegen Ventspils hat nun aber für den Schweizer Champion eine neue Zeitrechnung begonnen. Die europäischen Sterne glühen in diesem Herbst erstmals auch im Letzigrund.

Zürich partizipiert nach GC, Basel und Thun als vierte Equipe der Super League am Millionengeschäft. Die fetten Einnahmen -- 9,2 Millionen Euro hat der FCZ bereits verdient -- garantieren dem Klub eine finanziell sorgenfreie nächste Saison. Längerfristig ist der beträchtlichte Imagegewinn wohl mehr wert. Dreimal wird das Stadion randvoll besetzt sein, Hunderttausende verfolgen die Spiele live am TV.

Sponsoren schätzen solche Plattformen selbstredend. Der FCZ kann sich auf dem umkämpften (einheimischen) Markt noch besser positionieren als bisher. In der öffentlichen Wahrnehmung besitzt die Champions League nahezu den Stellenwert eines Auftritts der nationalen Auswahl. Im Falle des FCZ kommt dazu, dass mit Real, Milan und Marseille drei europäische Topklubs in Zürich gastieren werden.

Das Real-Prinzip

Mit einem frühen Coup könnte der FCZ seine Anhänger vermutlich dauerhaft elektrisieren. Ein Remis gegen die wahrscheinlich teuerste Equipe der 107-jährigen Geschichte von Real Madrid wäre ein unbezahlbar starker Auftakt. Vom Punktgewinn träumen sie in Zürich alle. Die Hoffnung, von den Fussballfürsten unterschätzt zu werden, ist ihr bestes Argument. Andere Anzeichen für eine Sensation sind nicht auszumachen.

Günter Netzer, in den Siebzigerjahren selber Darsteller am Hofstaat von Real, kennt die Ansprüche in der spanischen Metropole exakt. In einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» stellte er dem FCZ keine günstige Prognose: «Es ist total verboten, dass die Spieler von Real in dieser Saison irgendwen unterschätzen. Real gewinnt 2:0. Die Zürcher sollen alles geben und alles geniessen.»

In der Primera Division sind die Madrilenen perfekt gestartet. Überhebliche Auftritte leisteten sie sich (bis jetzt) keine. An der Seitenlinie steht mit Manuel Pellegrini kein Phantast, sondern ein smarter Coach mit über 22-jähriger Erfahrung in verschiedenen Ligen. Der chilenische Ingenieur und Fussball-Trainer plant mit mehreren Aufstellungen; unter seiner Leitung wird rotiert.

Cristiano Ronaldo trat beim 3:0 gegen Espanyol Barcelona erst in der Schlussphase ein. Captain Raul, mit 64 Treffern in 123 Champions-League-Spielen längst Inhaber eines Legendenstatus, sass ebenfalls nur auf der Bank -- neben ihm Ruud van Nistelrooy. Dem von Milan gekauften Kaka gewährte Pellegrini mehr Auslauf. In Zürich wird der Brasilianer dafür wohl nur in der zweiten Reihe sitzen.

Mögliche Startformationen:

FC Zürich: Leoni; Stahel, Tihinen, Rochat, Koch; Aegerter, Tico; Vonlanthen, Margairaz, Djuric; Hassli.

Real Madrid: Casillas; Arbeloa, Metzelder, Pepe, Marcelo; Lassana Diarra, Xabi Alonso; Granero, Raul, Kaka; Cristiano Ronaldo.

(Sven Schoch/Si)

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