Federer/Wawrinka greifen nach Gold

publiziert: Freitag, 15. Aug 2008 / 17:08 Uhr / aktualisiert: Freitag, 15. Aug 2008 / 21:54 Uhr

16 Jahre nach Marc Rosset kann das Schweizer Tennis wieder olympisches Gold holen. Roger Federer/Stanislas Wawrinka zogen durch ein 7:6 (8:6), 6:4 gegen die Bryan-Zwillinge ins Endspiel ein und spielen am Samstag gegen Simon Aspelin/Thomas Johansson (Sd).

Stanislas Wawrinka und Roger Federer im Doppel.
Stanislas Wawrinka und Roger Federer im Doppel.
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Vor dem Sieg gegen das weltbeste Doppel hatten die Schweizer schon die «Hängepartie» gegen die Inder Mahesh Bhupathi/Leander Paes erfolgreich beendet. Das Spiel, das in der vorherigen Nacht um 01.22 Uhr wegen Regens beim Stande von 4:1 vertagt worden war, endete mit einem überraschend klaren 6:2, 6:4 zugunsten der Schweizer.

«Stan hat fast gebrannt, so heiss war er»

Als beim Matchball ganz kurz nach Mitternacht ein Return von Mike Bryan ins Aus segelte, gab es kein Halten mehr. Stanislas Wawrinka legte sich lang auf den Platz, und Roger Federer kniete sich neben ihn, ehe sie gemeinsam die grosse Schweizer Fangemeinde animierten. «Ich habe ihn nicht massiert», stellte Federer lachend klar, «aber er war heute so heiss, ich wollte mich noch an ihm wärmen. Er hat fast gebrannt. Danach haben wir unsere Energie auf die Fans übertragen.»

Tatsächlich war Wawrinka die grosse positive Entdeckung der letzten 24 Stunden. War er in den ersten beiden Partien noch der Schwachpunkt gewesen und zweimal nur ganz schwer ins Spiel gekommen, war er seit der Nacht auf Freitag und dem Beginn des Viertelfinals eine hervorragende Ergänzung zu Federer, der während des gesamten Doppelturniers gezeigt hat, dass er wohl auch in dieser Disziplin die Nummer 1 wäre, wenn er sie ernsthaft beziehungsweise regelmässig betreiben würde.

Gerade der Einstieg ins Duell gegen die Inder, als Federer nach der Enttäuschung nach dem Out im Einzel noch angeschlagen war, war fundamental. «Da wusste ich, dass ich von den ersten Ballwechseln an hundertprozentig bereit sein muss, um Roger zu helfen», erklärte Wawrinka, der seinen Status als Top-Ten-Spieler, den er seit Mitte Mai innehat, in diesen Stunden mehr denn je rechtfertigte.

Wawrinkas Punkte

Wie aus Schweizer Sicht erhofft, entschieden wenige Punkte über die Partie gegen das weltbeste Doppel. Bis ins Tiebreak hatten die Bryans drei Breakbälle gehabt, die Schweizer keinen. Und auch in der Kurzentscheidung hatten die Amerikaner den ersten Vorteil. Wawrinka wehrte aber bei 5:6 den Satzball mit einem Servicewinner beim zweiten Aufschlag ab. Zwei Punkte später überraschte er Bob Bryan mit einem Longline-Return, der den Satzgewinn brachte. Es war der einzige Punktgewinn im ganzen Satz gegen Mike Bryan, aber auch der wichtigste.

Das entscheidende Break im zweiten Satz zum 4:3 gelang mit Hilfe des Netzbands bei einem Passierball Wawrinkas. Das Glück hatten sich die Schweizer aber auch verdient. «Ich war schon etwas nervös im letzten Game, weil ich nicht oft in einem wichtigen Doppel zum Sieg aufschlage. Das ist einer der schönsten Momente meiner Karriere», so Federer.

Gute Chancen auf Gold

Nach den Siegen gegen zwei der stärksten Doppelpaare -- die Inder totalisieren 82 Doppeltitel, die Bryans haben 47 Titel auf der ATP-Tour inklusive fünf Grand Slams gesammelt -- sind die Ambitionen auf Gold mehr als legitim.

Ins Endspiel steigen die Schweizer mit ausgezeichneten Chancen und sogar als leichte Favoriten. Sie treffen auf Gegner, die nicht ganz frisch sein werden. Aspelin/Johansson setzten sich erst nach 4:46 Stunden mit 19:17 im dritten Satz gegen Arnaud Clément/Michael Llodra durch.

Den Schweizern in die Hände spielen könnte die Tatsache, dass die Partie über drei Gewinnsätze ausgetragen wird und gerade Doppelspieler Aspelin sich eine derartige Massierung von Wettkampftennis innert 24 Stunden nicht gewohnt ist, da auf der Tour anstelle eines dritten Satzes meistens ein Champions-Tiebreak ausgetragen wird.

«Ja, das könnte uns helfen. Ich denke aber eher an die mentale Seite als an die körperliche. Ich bin froh, dass wir nicht auf zwei klassische Doppelspieler treffen. Jedenfalls haben wir intakte Chancen, und natürlich wollen wir den Titel», äusserte sich Federer zur Ausgangslage.

Langersehnte Medaille

Unabhängig von der Farbe hat Federer endlich eines seiner Karriereziele erreicht. Die olympische Medaille hatte er schon bei seinem ersten Start 2000 in Sydney nur knapp verpasst (Platz 4), in Athen war er in Einzel und Doppel (jeweils Zweitrunden-Aus) deutlich gescheitert. Und erst am Donnerstag hatte er mit dem Einzel-Out gegen James Blake eine bittere Pille schlucken müssen.

Die schwierige Situation hat er gut verarbeitet: «Ich war froh, dass ich nachher im Doppel noch einmal auf den Platz konnte. Das war eine kleine positive Note. Ich ging mit einem guten Gefühl schlafen. Das Doppel hilft mir sehr beim Verdauen, denn es ist ja kein Geheimnis, dass das Einzel sehr schmerzte. Natürlich habe ich in vier Jahren noch einmal eine Chance. Aber diesmal wären die Sterne sehr günstig gewesen.»

Tennis. Männer. Einzel:
Halbfinals: Rafael Nadal (Sp/2) s. Novak Djokovic (Ser/3) 6:4, 1:6, 6:4. Fernando Gonzalez (Chile/12) s. James Blake (USA/8) 4:6, 7:5, 11:9. -- Final: Gonzalez (12) - Nadal (2).

Frauen. Einzel:
Letzter Viertelfinal: Dinara Safina (Russ/6) s. Jelena Jankovic (Ser/2) 6:2, 5:7, 6:3. -- Halbfinal-Tableau: Swonarewa (9) - Dementiewa (5), Li - Safina (6).

Männer. Doppel:
Halbfinals: Roger Federer/Stanislas Wawrinka (Sz/4) s. Bob Bryan/Mike Bryan (USA/1) 7:6 (8:6), 6:4. Simon Aspelin/Thomas Johansson (Sd) s. Arnaud Clément/Michael Llodra (Fr) 7:6 (8:6), 4:6, 19:17. -- Final (Samstag, ca. 14.00 Schweizer Zeit/best of 5): Federer/Warinka (4) - Aspelin/Johansson.

Frauen. Doppel:
Viertelfinals: Zi Yan/Jie Zheng (China/8) s. Swetlana Kusnezowa/Dinara Safina (Russ/1) 6:3, 5:7, 10:8. Serena Williams/Venus Williams (USA/2) s. Jelena Wesnina/Vera Swonarewa (Russ/7) 6:4, 6:0. Anabel Medina Garrigues/Virginia Ruano Pascual (Sp/4) s. Lindsay Davenport/Liezel Huber (USA/5) 5:7, 7:6 (8:6), 8:6. Alona Bondarenko/Kateryna Bondarenko (Ukr/6) s. Flavia Pennetta/Francesca Schiavone (It) 6:1, 3:6, 7:5. -- Halbfinal-Tableau: Yan/Zheng (8) - Medina Garrigues/Ruano Pascual (4), Bondarenko/Bondarenko (6) - Williams/Williams (2).

(Von Marco Keller/Si)

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