Federer im Schnellzugstempo

publiziert: Montag, 20. Nov 2006 / 00:05 Uhr

Roger Federer hat zum dritten Mal nach 2003 und 2004 das Masters gewonnen. Der Weltranglisten-Erste schlug in Schanghai in seinem vierten Final in Folge beim Saisonschlussturnier den Amerikaner James Blake hochüberlegen 6:0, 6:3, 6:4.

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Roger Federer hat seine (offizielle) Saison mit einer Gala beendet. Der Weltranglisten-Erste liess im Masters-Final James Blake beim 6:0, 6:3, 6:4 nicht den Hauch einer Chance und sicherte sich seinen dritten Titel bei diesem Turnier.

Nach 97 Minuten war die Sache gelaufen und hatte Federer in seinem vierten Masters-Final hintereinander seine Demonstration beendet. Die 15 000 Zuschauer im vollbesetzten Qi Zhong Stadium hatten sich eine umstrittenere, ausgeglichenere Partie erhofft, zumal nach Blakes starken Leistungen während der vorangegangenen Tage.

Doch Federer liess dies nicht zu und nahm das Heft von Beginn an resolut in die Hand. Es machte den Anschein, als wolle er auch die letzte Gelegenheit in diesem Jahr dazu nützen, noch einmal mit Vehemenz die aktuellen Machtverhältnisse im Männer-Tennis aufzuzeigen. Dass ihm der finale Schritt zum Titel derart leicht fallen würde, hätte indessen auch Federer selber nicht gedacht.

«Ganz sicher nicht, denn in einem Final im Modus ´best of five´ stellt man sich auf einen Match über vier, fünf Stunden ein. Doch heute habe ich bereits nach wenigen Ballwechseln gemerkt, dass die Chance besteht, dass ich gut spielen werde.»

«Gut spielen» wäre eine glatte Untertreibung für das, was Federer aufführte. Mit dem Gewinn der ersten sieben Games lenkte er das Geschehen auf dem Court früh in die gewünschte Richtung, hatte nach dem traumhaften Start das Geschehen fest im Griff und bewahrte auch in den seltenen kritischen Momenten die Ruhe.

Im ersten Satz machte er im gleichen Game (bei 4:0) fünf, im zweiten Abschnitt (bei 1:1) vier Break-Möglichkeiten Blakes zunichte. Und als dem Afro-Amerikaner im dritten Satz doch noch der Servicedurchbruch (zum 5:4) gelang, kam dies lediglich der Resultatkosmetik gleich.

Blake neu die Nummer 4

Blake, der im sechsten Vergleich mit Federer abermals den Kürzeren zog, hatte in seiner Analyse primär lobende Worte für seinen Gegner übrig. «Ich habe nichts ausrichten können. Er spielte zu gut. Ich habe Mühe, die Worte zu finden, um seine Leistung zu beschreiben. Roger war brillant. In den Finals vermag er sich noch zu steigern. Das ist einfach unglaublich.»

Blake darf trotz des bitteren Endes auf eine gelungene Woche und eine gute Saison zurückblicken. Noch vor zwei Wochen, als er sich nach dem Masters-Series-Turnier in Paris-Bercy den letzten Masters-Startplatz gesichert hatte, hätte er wohl im Traum nicht daran gedacht, in Schanghai als Gruppensieger in den Final einzuziehen und die chinesische Metropole als bestklassierter Amerikaner wieder zu verlassen.

Der 27-Jährige wird im neuen Ranking vier Positionen gutmachen und als Nummer 4 so gut platziert sein wie noch nie in seiner Karriere. Auch finanziell schlagen sich die Leistungen nieder. Blake durfte sich über einen Check von 700 000 Dollar freuen.

Federer ergänzte mit dem dritten Masters-Triumph nach 2003 und 2004 sein Palmarès zum Abschluss seiner bisher besten Saison mit einem weiteren Highlight. «Es ist ein Wahnsinn, ein so grossartiges Jahr mit einem Titel abschliessen zu können.» Mit dem Australian Open, Wimbledon, dem US Open, dem Masters und den Championships auf Key Biscayne hat er fünf der bedeutendsten sechs Turniere gewonnen, seine Bilanz von 92:5 Siegen wurde bisher einzig von Ivan Lendl 1982 (106:9) übertroffen. Das Saisonfinale hatten vor ihm erst Pete Sampras, er hält mit fünf Siegen die Bestmarke, Lendl, Ilie Nastase, Boris Becker und John McEnroe (mindestens) dreimal für sich entschieden.

8,3 Millionen Dollar Preisgeld

Mit seinen zwölf Turniersiegen stellte Federer ausserdem eine persönliche Bestmarke auf; in den letzten zwei Jahren hatte er es jeweils auf elf Titel gebracht. Auch in finanzieller Hinsicht ist Federer in einsame Sphären entrückt. Mit den 1,52 Millionen Dollar, die ihm als ungeschlagener Masters-Gewinner ausbezahlt werden, steigerte er sein Gesamtpreisgeld in dieser Saison auf 8,3 Millionen und übertraf damit als erster Spieler die Acht-Millionen-Grenze in einer Saison. Sampras hatte 1997 als zuvor Bestverdienender knapp 6,5 Millionen eingespielt.

Mehr als über das viele Geld freut sich Federer auf den 26. Februar 2007. An jenem Tag wird er, der das Ranking seit dem 2. Februar 2004 anführt, seine 161. Woche als Nummer 1 hinter sich haben und Jimmy Connors als Besten ablösen. Der Amerikaner hatte die Top-Position vom 29. Juli 1974 ohne Unterbruch während 160 Wochen bis zum 22. August 1977 innegehabt. «Das ist einer der ganz grossen Rekorde, möglicherweise der grösste meiner Karriere bisher», sagt Federer. «Ich warte auf diesen Tag und werde ihn feiern.»

Resultate:
Schanghai. ATP-Masters (4,45 Mio Dollar/Hart). Einzel. Halbfinals: Roger Federer (Sz/1) s. Rafael Nadal (Sp/2) 6:4, 7:5. James Blake (USA/8) s. David Nalbandian (Arg/7) 6:4, 6:1. -- Final: Federer s. Blake 6:0, 6:3, 6:4.

Doppel. Halbfinals: Jonas Björkman/Max Mirnyi (Sd/WRuss/2) s. Martin Damm/Leander Paes (Tsch/Ind/6) 6:7 (4:7), 7:6 (7:4), 7:6 (7:5). Mark Knowles/Daniel Nestor (Bah/Ka/3) s. Paul Hanley/Kevin Ullyett (Au/Sim/4) 4:6, 6:1, 6:3. -- Final: Björkman/Mirnyi s. Knowles/Nestor 6:2, 6:4.

Alle Finals von Roger Federer:

2000 (0 Turniersiege):
Marseille (I) Federer u. Marc Rosset 6:2, 3:6, 6:7 Basel (I) Federer u. Thomas Enqvist (Sd) 2:6, 6:4, 6:7, 6:1, 1:6

2001 (1 Turniersieg):
Mailand (I) FEDERER s. Julien Boutter (Fr) 6:4, 6:7, 6:4 Rotterdam (I) Federer u. Nicolas Escudé (Fr) 5:7, 6:3, 6:7 Basel (I) Federer u. Tim Henman (Gb) 3:6, 4:6, 2:6

2002 (3 Turniersiege):
Sydney (H) FEDERER s. Juan Ignacio Chela (Arg) 6:3, 6:3 Mailand (I) Federer u. Davide Sanguinetti (It) 6:7, 6:4, 1:6 Key Biscayne (H) Federer u. Andre Agassi (USA) 3:6, 3:6, 6:3, 4:6 Hamburg (S) FEDERER s. Marat Safin (Russ) 6:1, 6:3, 6:4 Wien (I) FEDERER s. Jiri Novak (Tsch) 6:4, 6:1, 3:6, 6:4

2003 (7 Turniersiege):
Marseille (I) FEDERER s. Jonas Björkman (Sd) 6:2, 7:6 Dubai (H) FEDERER s. Jiri Novak (Tsch) 6:1, 7:6 München (S) FEDERER s. Jarkko Nieminen (Fi) 6:1, 6:4 Rom (S) Federer u. Felix Mantilla (Sp) 5:7, 2:6, 6:7 Halle (R) FEDERER s. Nicolas Kiefer (De) 6:1, 6:3 Wimbledon (R/GS) FEDERER s. Mark Philippoussis (Au) 7:6, 6:2, 7:6 Gstaad (S) Federer u. Jiri Novak (Tsch) 7:5, 3:6, 3:6, 6:1, 3:6 Wien (I) FEDERER s. Carlos Moya (Sp) 6:3, 6:3, 6:3 Houston (H) FEDERER s. Andre Agassi (USA) 6:3, 6:0, 6:4

2004 (11 Turniersiege):
Melbourne (H/GS) FEDERER s. Marat Safin (Russ) 7:6, 6:4, 6:2 Dubai (H) FEDERER s. Feliciano Lopez (Sp) 4:6, 6:1, 6:2 Indian Wells (H) FEDERER s. Tim Henman (Gb) 6:3, 6:3 Hamburg (S) FEDERER s. Guillermo Coria (Arg) 4:6, 6:4, 6:2, 6:3 Halle (R) FEDERER s. Mardy Fish (USA) 6:0, 6:3 Wimbledon (R/GS) FEDERER s. Andy Roddick (USA) 4:6, 7:5, 7:6, 6:4 Gstaad (S) FEDERER s. Igor Andrejew (Russ) 6:2, 6:3, 5:7, 6:3 Toronto (H) FEDERER s. Andy Roddick (USA) 7:5, 6:3 New York (H/GS) FEDERER s. Lleyton Hewitt (Au) 6:0, 7:6, 6:0 Bangkok (H) FEDERER s. Andy Roddick (USA) 6:4, 6:0 Houston (H) FEDERER s. Lleyton Hewitt (Au) 6:3, 6:2

2005 (11 Turniersiege):
Doha (H) FEDERER s. Ivan Ljubicic (Kro) 6:3, 6:1 Rotterdam (I) FEDERER s. Ivan Ljubicic (Kro) 5:7, 7:5, 7:6 Dubai (H) FEDERER s. Ivan Ljubicic (Kro) 6:1, 6:7, 6:3 Indian Wells (H) FEDERER s. Lleyton Hewitt (Au) 6:2, 6:4, 6:4 Key Biscayne (H) FEDERER s. Rafael Nadal (Sp) 2:6, 6:7, 7:6, 6:3, 6:1 Hamburg (S) FEDERER s. Richard Gasquet (Fr) 6:3, 7:5, 7:6 Halle (R) FEDERER s. Marat Safin (Russ) 6:4, 6:7, 6:4 Wimbledon (R/GS) FEDERER s. Andy Roddick (USA) 6:2, 7:6, 6:4 Cincinnati (H) FEDERER s. Andy Roddick (USA) 6:3, 7:5 New York (H/GS) FEDERER s. Andre Agassi (USA) 6:3, 2:6, 7:6, 6:1 Bangkok (H) FEDERER s. Andrew Murray (Gb) 6:3, 7:5 Schanghai (I) Federer u. David Nalbandian (Arg) 7:6, 7:6, 2:6, 1:6, 6:7

2006 (12 Turniersiege):
Doha (H) FEDERER s. Gaël Monfils (Fr) 6:3, 7:6 Melbourne (H/GS) FEDERER s. Marcos Baghdatis (Zyp) 5:7, 7:5, 6:0, 6:2 Dubai (H) Federer u. Rafael Nadal (Sp) 6:2, 4:6, 4:6 Indian Wells (H) FEDERER s. James Blake (USA) 7:5, 6:3, 6:0 Key Biscayne (H) FEDERER s. Ivan Ljubicic (Kro) 7:6, 7:6, 7:6 Monte Carlo (S) Federer u. Rafael Nadal (Sp) 2:6, 7:6, 3:6, 6:7 Rom (S) Federer u. Rafael Nadal (Sp) 7:6, 6:7, 4:6, 6:2, 6:7 Paris (S/GS) Federer u. Rafael Nadal (Sp) 6:1, 1:6, 4:6, 6:7 Halle (R) FEDERER s. Tomas Berdych (Tsch) 6:0, 6:7, 6:2 Wimbledon (R/GS) FEDERER s. Rafael Nadal (Sp) 6:0, 7:6, 6:7, 6:3 Toronto (H) FEDERER s. Richard Gasquet (Fr) 2:6, 6:3, 6:2 US Open (H/GS) FEDERER s. Andy Roddick (USA) 6:2, 4:6, 7:5, 6:1 Tokio (H) FEDERER s. Tim Henman (Gb) 6:3, 6:3 Madrid (I) FEDERER s. Fernando Gonzalez (Chile) 7:5, 6:1, 6:0 Basel (I) FEDERER s. Fernando Gonzalez (Chile) 6:3, 6:2, 7:6 Schanghai (I) FEDERER s. James Blake (USA) 6:0, 6:3, 6:4

Abkürzungen: I = Indoor H = Hartplatz S = Sandplatz R = Rasen GS = Grand-Slam-Turnier

(David Bernold , Schanghai/Si)

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