Federer zementiert nationale Vormachtstellung

publiziert: Sonntag, 29. Mai 2011 / 16:40 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 29. Mai 2011 / 23:23 Uhr
Roger Federer mit Stanislas Wawrinka.
Roger Federer mit Stanislas Wawrinka.

Zu Beginn der zweiten French-Open-Woche wurde an der Schweizer Tennis-Hierarchie nicht gerüttelt. Roger Federer zog durch einen 6:3, 6:2, 7:5-Erfolg gegen Stanislas Wawrinka in die Viertelfinals ein. Federers Gegner heisst nun entweder Gael Monfils oder David Ferrer.

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Der Frust war riesig. Nachdem er einen Rückhand-Volley verschlagen und so das Break zum 5:6 im dritten Satz kassiert hatte, schoss Stanislas Wawrinka den Ball in die obersten fünf Stadionreihen. Er wusste, er hatte vieles richtig gemacht und es hatte doch wieder nicht gereicht. Wawrinka bereitete den Punkt sehr gut vor, stürmte dann ans Netz, aber der krönende Abschluss blieb aus. Wenige Minuten später beendete Federer die Partie nach 106 Minuten mit seinem achten Ass.

Wie so oft gegen Federer, ist man versucht zu sagen, hatte es für Wawrinka nicht ganz gereicht. Nach mittlerweile zehn Duellen steht es im Direktvergleich nun 9:1 für den Favoriten, der 21 von 24 Sätzen gewonnen hat. Neben der Niederlage, die er wenige Tage nach der Hochzeit mit Mirka Vavrinec in Monte Carlo kassiert hatte, hatte Federer nur noch im letzten Oktober in Stockholm einen Satz abgegeben.

Gerade aufgrund jener Partie in Schweden hatte Federer sich eine schwierige Aufgabe erwartet: "Da hatte Stan 6:2, 2:1 mit Break geführt und auch deshalb wusste ich, dass es schwierig wird. Seither habe ich dann gegen ihn wirklich sehr gute Leistungen gezeigt und heute habe ich sehr gut variiert, das ist gegen Stan ganz besonders wichtig."

Viel grösseres Repertoire

Tatsächlich ist dies der Hauptunterschied zwischen den beiden Davis-Cup-Kollegen und nicht der regelmässig kolportierte, dass Wawrinka einen "Federer-Komplex" habe. Während Wawrinkas auf Power basierendes Spiel eher einfach auszurechnen ist, kann Federer Schnitt, Länge und Tempo nach Belieben variieren und ihn so immer wieder vor neue Probleme stellen. "Er macht immer wieder etwas Neues und lässt mir überhaupt keine Zeit", so Wawrinka, der aber auch offen eingesteht, "er ist die Nummer 3, ich bin die Nummer 14, so gesehen ist das Resultat normal."

Einzig im dritten Satz hatte Wawrinka etwas hoffen dürfen, als er nach einer kurzen Baisse Federers auf 4:1 davonziehen konnte. Doch dann erhöhte der Maestro die Kadenz noch einmal und vermied den ersten kleinen Fehltritt im Turnier. So ist er nun zum vierten Mal in Serie an der Porte d' Auteuil bis in den Viertelfinal ohne jeglichen Satzverlust geblieben.

Dieser statistische Fakt liess Federer absolut unbeeindruckt und Vergleiche zu den Vorjahren wollte er nicht ziehen: "Ehrlich gesagt, ist mir 'wurscht', dass ich noch keinen Satz verloren habe. Wichtig ist, dass es mir gut läuft und ich mich mental und körperlich noch frisch fühle. Ein Vergleich mit den letzten Jahren ist schwierig, auch weil die Gegner und die Bedingungen anders sind."

28 Viertelfinals in Serie

Quasi en passant, hat Federer damit eine weitere Marke aufgestellt. Seit Wimbledon 2004 hat er bei allen Majors mindestens die Viertelfinals erreicht, unglaubliche 28 Mal in Serie, und damit Jimmy Connors als alleinigen Rekordhalter abgelöst. Auch gegen Gael Monfils (5:1-Bilanz) oder David Ferrer (11:0), den nächsten Widersacher, hat er einen klaren mentalen Vorteil, obwohl er gegen Monfils im letzten Herbst in Paris-Bercy nach einer merkwürdigen Partie und vergebenen Matchbällen noch unterlegen war. Der Franzose und der Spanier müssen heute aber noch einmal zu einer Sonderschicht antreten. Sie bekämpften sich bis um 21.30 Uhr, als die Partie beim Stande von 6:4, 2:6, 7:5, 0:2 aus der Sicht des Franzosen wegen Dunkelheit abgebrochen wurde.

Wawrinka mit Blickrichtung Top ten

Obwohl sich die Hoffnungen für Wawrinka einmal mehr gegen Federer nicht erfüllt haben, konnte er doch eine positive Turnierbilanz ziehen. Er rettete die vorher enttäuschende Sandplatzsaison mit der Achtelfinal-Qualifikation und dem Erfolg auf dem Court Philippe Chatrier gegen Jo-Wilfried Tsonga, wo ihm das fünfte erfolgreiche Comeback nach Zweisatz-Rückstand gelang.

Mit den letzten drei Majors darf er generell sehr zufrieden sein. Seit er nach der Startniederlage in Wimbledon 2010 die Zusammenarbeit mit Dimitri Zavialoff beendete und mit Peter Lundgren zusammenspannte, hat er zwei Viertelfinals erreicht (US Open, Australian Open) und nun den Achtelfinal. Niederlagen kassierte er einzig gegen Michail Juschni in New York, als er nach vorhergehenden Marathon-Partien sehr müde war) und zweimal gegen Federer.

Verständlich, dass der "neue" Wawrinka der Zukunft positiv entgegenblickt und dies nicht nur, weil er in Wimbledon voll punkten kann: "Es gibt schon noch zwei, drei Bereiche, in denen ich mich verbessern muss. Aber ich bin sicher, dass ich mich in Zukunft noch sehr steigern kann."

Er wird heuer in Queens antreten und damit erstmals seit längerer Zeit eine richtige Rasenvorbereitung bestreiten, nachdem er in den letzten Jahren stets beim Challenger in Lugano auf Sand angetreten war. Mit einer weiteren starken Leistung könnte er schon Anfang Juli in die Top ten zurückkehren, wohin er aufgrund der letzten Monate - trotz der Niederlage gegen Federer - auch hingehört!

 

(fest/Si)

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