Festivals und Opernhäuser streichen Einflüsterer

publiziert: Dienstag, 29. Jun 2004 / 10:03 Uhr

Salzburg - Wird der Job des Opernsouffleurs in Zukunft wegrationalisiert? Sänger und Solisten der Spitzenklasse sparen nicht mit Kritik: Weltweit würden an den grossen Opernhäusern die "Einflüsterer" schon eingespart.

Besonders fremdsprachige Schauspieler und Sänger nehmen die Dienste des Souffleurs gerne wahr.
Besonders fremdsprachige Schauspieler und Sänger nehmen die Dienste des Souffleurs gerne wahr.
Die Salzburger Festspiele verzichten während der Vorstellungen bereits seit drei Jahren auf den Einsatz des "Maestro suggeritore". Für das Zürcher Opernhaus dagegen käme das gar nicht in Frage, wie dessen Pressestelle auf Anfrage erklärt. Sie habe überhaupt noch nie von diesem neuen Spartrend gehört, meinte die Pressesprecherin.

Spitzenkönner im Kasten

Die Wegrationalisierung der Souffleure sei "ein Riesenfehler", sagt der Wiener Kammersänger Kurt Rydl gegenüber der Nachrichtenagentur APA. "Viele Sänger singen vier bis fünf verschiedene Opern in der Woche. Da ist es wichtig, dass sie die Unterstützung des Souffleurs haben und hie und da Einsätze bekommen", erklärt er.

Dass Souffleure, die oft mehrere Sprachen beherrschen und nicht selten über eine Ausbildung zum Dirigenten verfügen, die Partituren manchmal besser im Kopf haben als so mancher Maestro, ist in der Opernwelt kein Geheimnis.

Vom ersten bis zum letzten Takt lesen sie mit und flüstern mehr oder weniger laut die Einsätze, wenn die Diva oder der Starsolist auf der Bühne ins Stocken gerät. Gerade fremdsprachige Künstler mit grammatikalischen Schwierigkeiten nehmen diese grosse Erleichterung dankend an.

Sänger revoltieren

Der Wiener Sänger Erich Messner bezeichnet den Schwund an Souffleuren als eine Allgemeinerscheinung. "Die Regisseure finden das kleine Kastl auf der Bühne störend." Pochen die Akteure aber darauf, dann stünden die Chancen gut.

Das gesamte Ensemble des "Wozzeck" beharrte laut Messner bei den Salzburger Osterfestspielen 1997 auf einem Souffleur und setzte sich durch. Für den Wiener Staatsopernchor sei das Fehlen eines "Maestro suggeritore" aber kein Problem. "Wir singen unsere Partituren ja tagtäglich", betont das Vorstandsmitglied des Staatsopernchors.

Salzburg benötigt keine Souffleure

Die Salzburger Festspiele verzichteten in den vergangenen drei Jahren gleich ganz auf das Engagement eines Souffleurs bei den Publikumsvorstellungen. Das habe sich seit der Ära Mortier eingebürgert, erklärt der Leiter des künstlerischen Betriebsbüros, Josef Hussek. "Mit Sparmassnahmen hat das nichts zu tun." Nach sechs Wochen Probezeit, die von Souffleuren begleitet würden, sei deren Hilfe nicht mehr notwendig.

Derzeit laufen die Proben für Henry Purcells "King Arthur" auf Hochtouren, und dort geben jetzt die stimmgewaltigen Einsager Stichworte, bis die Schauspieler ihre Rolle intus haben. Das Arbeitsprinzip unterscheide sich in Salzburg von dem grosser Opernhäuser. Hussek: "Bei uns werden die Sänger nicht von anderen Stücken abgelenkt."

Das Phänomen eines kontinuierlichen Schwunds an Souffleuren ist aber auch für Hussek nicht neu. Vor allem bei kleineren Häusern, die mit einem schlankeren Budget auskommen müssen, schlage sich die ganzjährige Einsparung des Einflüsterers, der im Schnitt rund 2.000 Euro im Monat verdient, zu Buche.

(fest/sda)

 
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