Firmen mitschuld an Internetzensur
publiziert: Donnerstag, 25. Jun 2009 / 08:37 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 25. Jun 2009 / 09:07 Uhr

Paris/Wien - Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) macht europäische und US-Firmen mitverantwortlich für Internetzensur.

Iran filtert das Internet mit Technologien von Nokia Siemens Networks.
Iran filtert das Internet mit Technologien von Nokia Siemens Networks.
10 Meldungen im Zusammenhang
Viele Unternehmen lassen sich derzeit in diktatorisch geführten Ländern Einschränkungen aufzwingen oder sehen dabei zu, wie ihre Produkte missbräuchlich für Zensurmassnahmen eingesetzt werden. Daher fordert Reporter ohne Grenzen eine neue Gesetzgebung, die es den Internetfirmen ermöglicht, diese aufgezwungenen Beschränkungen zu umgehen. ^

«Sowohl der Iran als auch China blockieren momentan Nachrichten und Informationen mit Hilfe westlicher Technologien. Es ist höchste Zeit, dass die USA und Europa ihre Firmen vor diesem gefährlichen Missbrauch schützen», so die Organisation.

Software für Iran und China

Im Iran nutzt die Regierung aktuell Technologien von dem Jointventure Nokia Siemens Networks, um das Web oder E-Mails zu filtern. Zuletzt war bekannt geworden, dass die beiden Unternehmen Software für die Überwachung von Telekommunikation im Iran mit einem gemeinsamen Netzwerk ermöglicht haben.

In China wiederum hat das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie kürzlich eine Filter-Pflichtsoftware für alle ab ersten Juli verkauften Computer beschlossen. Offiziell wurde dies damit begründet, dass pornografische Inhalte aussortiert werden sollen. Allerdings besteht die Gefahr von umfassenden Zensurmassnahmen und einer weiteren Einschränkung der Meinungsfreiheit.

Global Online Freedom Act

Die international agierende Pressefreiheitsorganisation Reporter ohne Grenzen fordert aufgrund dessen offizielle Richtlinien wie etwa den Global Online Freedom Act (GOFA). Damit sollen Firmen gegen derlei repressive Gesetze angehen und die freie Verbreitung von Informationen gewährleisten können. GOFA ist ein Gesetzesentwurf, der derzeit in verschiedenen Versionen in Europa und den USA geprüft wird.

In den Vereinigten Staaten wurde der erstmals 2006 eingebrachte Entwurf am 6. Mai dieses Jahres in einer neueren Variante von dem republikanischen Senator Christopher Smith im Repräsentantenhaus vorgeschlagen. Es soll verhindern, dass US-Firmen mit repressiven Regierungen in puncto Internetzensur kooperieren.

Das europäische GOFA-Modell wiederum wurde am 17. Juli vergangenen Jahres von Jules Maaten, einem niederländischen Europaparlamentarier eingebracht. Es ähnelt stark der US-Version und appelliert an europäische Firmen, ihre Verantwortung in Bezug auf Menschenrechte ernst zu nehmen und Server ausserhalb repressiver Länder zu lokalisieren.

(ht/pte)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Teheran/Washington - Im Iran sind ... mehr lesen
Mir Hussein Mussawi vor Anhängern im Juni 2009. (Archivbild)
Mussawi erklärte, er werde von der Führung unter Druck gesetzt.
Teheran - Zwei Wochen nach der Präsidentschaftswahl im Iran gerät die Protestbewegung zunehmend in die Defensive. Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi erklärte, er werde von der Führung ... mehr lesen
Teheran - Nach tagelangen blutigen Protesten und dem brutalen Vorgehen der ... mehr lesen
Erstes Treffen mit Offiziellen: Mir Hussein Mussawi.
Die Zeitung Mussawis war bereits am Tag nach den umstrittenen Wahlen im Iran verboten worden.
Teheran - Die Machthaber im Iran ... mehr lesen
New York - Die Hoffnungen der iranischen Opposition auf ein Einlenken des Mullah-Regimes im Streit um das Ergebnis ... mehr lesen
Der iranische Wächterrat sieht Ahmadinedschad als Sieger der Wahl an.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Die blutüberströmte Iranerin Neda Soltan: Wird ihr Tod den Zorn der Demonstranten weiter anheizen?
Das blutige Gesicht von Neda könnte ... mehr lesen 4
Paris - Derzeit sind weltweit mindestens 70 Cyberdissidenten in Haft, weil sie ihr ... mehr lesen
Sorgte für Aufregung: Das Haupt-Pressezentrum bei den Olympischen Spielen in Peking.
Das staatliche Portal China gab die Schliessung von 91 Websites bekannt.
Peking - China hat seine Zensur des Internets ausgeweitet. Das staatliche Portal China gab die Schliessung von 91 Websites von Donnerstag bis Samstag bekannt. mehr lesen
Chinas Internetzensur hat Schlupflöcher. Fragt sich nur, wann auch diese gestopft werden.
Die Chinesen nennen sie den «Goldenen Schutzschild». Hierzulande wird sie immer häufiger «virtuelle Chinesische Mauer» in Anlehnung an ihr Jahrtausende altes Vorbild aus Stein genannt. Die ... mehr lesen
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Di Mi
Zürich 15°C 27°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bedeckt, wenig Regen wechselnd bewölkt
Basel 16°C 27°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt freundlich
St. Gallen 16°C 25°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig trüb und nass wolkig, aber kaum Regen
Bern 16°C 26°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen freundlich
Luzern 17°C 27°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig trüb und nass wolkig, aber kaum Regen
Genf 18°C 29°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen freundlich
Lugano 20°C 25°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft gewitterhaft
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten