«Follow the money» - Über Schmiergelder und Wahlkampf
publiziert: Donnerstag, 12. Jun 2008 / 19:49 Uhr

«Follow the money» ist ein berühmter Satz im Filmklassiker «All the President’s Man». Auf deutsch sind es «Die Unbestechlichen» – und es geht um den Watergate-Skandal.

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Wir wissen nicht, ob diesen Satz überhaupt jemals jemand gesagt hat im Zuge der Nixon-Affäre.

Möglicherweise war es nur die Phantasie eines Drehbuchautors. Nichts desto trotz: Man kommt den Dingen am besten auf die Spur, wenn man in Erfahrung bringt, wo Geld herkommt und wo es hingeht.

Man muss sich auch die Spendengelder im aktuellen Präsidentschaftswahlkampf genau ansehen, das könnte ein Post-Watergate-Drama verhindern und helfen, Korruption abzuwehren: Das Geld fliesst zwei Männern zu, die sich als Reformer rühmen.

Bereits mehr als 500 Millionen Dollar

Gemäss dem Center for Responsive Politics hat Barack Obama 218 Millionen Dollar für den Vorwahlkampf ausgegeben - Hillary 215 Millionen und McCain 72 Millionen Dollar.

Das ist bis jetzt mehr als eine halbe Milliarde und der eigentliche Wahlkampf beginnt gerade erst.

Direkt nach der Watergate-Affäre hat die US-Regierung ein Gesetz erlassen, das den Geldfluss in der Politik deutlich einschränkt.

Washington hat sich darauf geeinigt, den Präsidentschaftskandidaten der beiden Parteien je 85 Millionen Dollar zur Verfügung zu stellen. Dafür müssen sie sich verpflichten, auf andere Wahlkampfgelder zu verzichten. Jedoch ist dieses Gesetz voller Schlupflöcher und jeder weiss, dass es einer gründlichen Überholung bedarf. Bis jetzt hat aber noch nie einer der Kandidaten die 85 Millionen Dollar abgelehnt.

Transparenter Wahlkampf?

Und dieses Jahr? McCain hat sich bemüht, nach einem anfänglichen Skandal, das Thema Lobbyismus und Fundraising im Wahlkampf nun verantwortungsvoll und transparent zu handhaben. Obama war derjenige, der sich gegen Lobbyarbeit ausgesprochen hat und ist der Kandidat für «Veränderung», was auch für das Spendengeldersammeln im Wahlkampf gelten dürfte. Von beiden könnte man also annehmen, dass sie die ersten wären, die dieses Gesetz unterschreiben würden.

Nun hat Obama mehr Spendengelder gesammelt, als je ein anderer Präsidentschaftskandidat vor ihm – und das schon in den Vorwahlen. Seinen Sieg über Clinton verdankt er nicht zuletzt der Tatsache, dass er sie masslos in seinen Ausgaben für TV-Spots übertroffen hat.

Experten sind der Meinung, dass falls Obama die 85 Millionen Dollar aus Washington ablehnen würde, er aus anderen Quellen hunderte von Millionen einsammeln könnte. Doch Obama zögert.

Reform-freundliche Kandidaten?

Selbst McCain, der Probleme hatte, grosse Summen an Geldern zu bekommen, möchte sich zu keiner finanziellen Einschränkung verpflichten, die ihn um den Sieg bringen könnte. Sollte Obama den Deal mit Washington ablehnen, so McCain, werde er das möglicherweise auch tun. Stellen Sie sich vor: zwei Männer, die als reform-freundlich von den Wählern wahrgenommen werden, lehnen beide eine der wichtigsten Reformen der amerikanischen Politik ab.

Wahlen gewinnt man also nicht durch Tugend allein. Es geht auch v. a. um die gute Finanzgrundlage. Und wenn man erfahren will, wie weit die Kandidaten gehen würden um zu gewinnen, gebe ich den Ratschlag: «Follow the money».

Jonathan Mann - Campaign Trail Column für den 13.6.08
Dieser Text stammt von Jonathan Mann, Moderator und Journalist bei CNN International. Er moderiert das wöchentliche Politmagazin «The Campaign Trail» auf CNN International. Der Text steht in der Schweiz exklusiv für news.ch zur Verfügung.

(CNN-Kolumne von Jonathan Mann)

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