Frankreichs Notenbankchef Trichet vor Gericht

publiziert: Montag, 6. Jan 2003 / 16:30 Uhr

Paris - Vor einem Pariser Strafgericht hat der Prozess um den Finanzskandal der früheren Staatsbank Crédit Lyonnais begonnen. Wichtigster Angeklagter ist Jean-Claude Trichet, Frankreichs Kandidat für die Nachfolge als EZB-Präsident.

Trichet, seit 1993 französischer Notenbankchef, wird Beteiligung an Bilanzschwindel und Täuschung der Finanzmärkte vorgeworfen. Unter den neun Angeklagten befindet sich der frühere französische Notenbankchef und Generaldirektor des Internationalen Währungsfonds, Jacques de Larosière. Die Verhandlungen sollen bis zum 12. Februar dauern.

Die Affäre hatte Anfang der 90er Jahre für Schlagzeilen gesorgt. Als Chef des Pariser Schatzamtes soll Trichet falsche Bilanzen bei Crédit Lyonnais abgesegnet haben, um Milliarden-Verluste bei der damaligen Staatsbank zu vertuschen. Das Institut konnte anschliessend nur mit Finanzspritzen des Staates vor der Pleite gerettet werden.

Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft belastet ein neues Gutachten Trichet. Trichet selbst schwieg bislang zu den Vorwürfen. Crédit Lyonnais steht mittlerweile in einer Fusion mit der genossenschaftlichen Crédit Agricole zu einer der grössten Banken der Euro-Zone.

Trichet ist als Nachfolger von EZB-Präsident Wim Duisenberg vorgesehen und soll nach den bisherigen Planungen im Juli sein Amt antreten. Bis Mitte April werden die Urteile erwartet. EZB-Präsident Duisenberg hatte zuletzt durchblicken lassen, dass er notfalls auch länger im Amt bleiben könnte.

Sollte Trichet der Bilanzmanipulation schuldig gesprochen werden, erwarten die meisten Beobachter zurzeit die Ernennung des ehemaligen EZB-Vizepräsidenten Christian Noyer zum neuen Präsidenten der EZB.

(pt/sda)

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