Fussball: Dämpfer in Tiflis, EM-Kurs stimmt

publiziert: Mittwoch, 2. Apr 2003 / 20:31 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 3. Apr 2003 / 07:43 Uhr

Tiflis - Das Team von Nationalcoach Köbi Kuhn ist nach der Hälfte des EM-Ausscheidungspensums nach dem 0:0 gegen Georgien noch immer ungeschlagen und liegt weiter auf Kurs Richtung EM 2004 in Portugal.

Können nicht zufrieden sein: Hakan Yakin und Murat Yakin.
Können nicht zufrieden sein: Hakan Yakin und Murat Yakin.
Mit dem gerechten Remis gegen die unbequemen Georgier hat die Schweiz ihr Minimalziel erreicht, es wäre jedoch mit konsequenterem Angriffsspiel mehr möglich gewesen.

Es wird sich erst nach den beiden Heimspielen im Juni gegen Russland und Albanien weisen, ob in Tiflis zwei Punkte verloren oder einer gewonnen wurde.

Viel Zuversicht vor dem Spiel

Die Schweizer stiegen mit viel Zuversicht in die Partie und versuchten, die Unruhe im gegnerischen Team zu nutzen. Trainer Alexander Tschiwadse hatte schon vor dem Spiel seinen Rücktritt angekündigt, der vorzeitigen Abreise von Mittelfeldspieler Temur Kezbaia folgten am Dienstagabend die sofortigen Rücktritte von ex FCZ- und -Luzern-Spielmacher Gocha Jamarauli sowie von Georgi Kinkladse.

Eine Zuversicht, die nicht unberechtigt schien. Spielerisch war man dem technisch starken Gegner überlegen, und auch die Spielanteile sprachen für die Schweiz. Chancenmässig aber konnten sich die Gäste bei Goalie Pascal Zuberbühler bedanken, dass sie nicht überraschend in Rückstand gerieten.

Dreimal wehrte der FCB-Goalie gegen Georgi Demetradse ab: in der 31. Minute nach einem tückischen Freistoss-Aufsetzer, in der 41. und 54. Minute nach weiten Zuspielen auf Demetradse, der den Ball aber nicht am Schweizer Torhüter vorbeibrachte.

Chappi vergab Grosschance

Nicht besser machte es Captain Stéphane Chapuisat in der 34. Minute: In seinem 90. Länderspiel kam der YB-Stürmer nach einer Kopfballverlängerung von Raphaël Wicky alleine vor Goalie Georgi Lomaia zum Kopfball.

Der Abschluss landete aber genau in den Armen des georgischen Schlussmannes. Ein Treffer zu diesem Zeitpunkt hätte das Spiel für die Schweiz wohl in die richtigen Bahnen gelenkt.

Jamarauli-Rücktritt ein Nachteil

Es war der Leistung der Georgier keineswegs abträglich gewesen, dass sie in letzter Minute die beiden Mittelfeld-Strategen Jamarauli und Kinkladse ersetzen mussten.

Statt der beiden ballverliebten Supertechniker bekamen es die Schweizer nun mit jungen, aggressiven Kämpfern zu tun, die ihre Chance nutzen wollten, sich in die Mannschaft zu spielen.

Nach den drei überraschenden Rücktritten hatte das georgische Team ein völlig neues Gesicht erhalten. Lediglich sechs Spieler standen in der Startformation, die am Samstag gegen Irland mit 1:2 verloren hatten.

Und nur noch vier Akteure waren dabei, die letzten Herbst in Basel die deutliche 1:4-Niederlage einstecken mussten. Das Team war wesentlich kämpferischer eingestellt und machte den Schweizern das Leben mit unerbittlicher Störarbeit schwer.

Mit Remis zufrieden gegeben

Eine Halbzeit lang vermochten die Schweizer mit der feineren technischen Klinge gut dagegenzuhalten, nach dem Wechsel aber liessen sie sich durch den Kampfgeist der Einheimischen zermürben.

Kuhn nahm den schwachen Alex Frei aus dem Team und verstärkte das Mittelfeld mit Fabio Celestini. Er wollte vor allem den einen Punkt über die Distanz retten und nicht mit gesteigertem Risiko alles aus der Hand geben.

"Ein Punkt auf fremdem Terrain ist immer ein gewonnener Punkt. Wir haben jetzt dreimal hintereinander auswärts gespielt und nie verloren. Nun müssen sich die Gegner bei uns abmühen."

Weiterhin ungeschlagen

Im sechsten Spiel hintereinander blieb die Schweiz in Tiflis ungeschlagen und erstmals nach dem 0:4-Debakel in Moskau gegen Russland im Oktober 2001 gelang dem Team von Köbi Kuhn kein Torerfolg.

Diese Statistik widerspiegelt ziemlich genau auch die gestrige Leistung der Mannschaft: Die besten Noten verdienten sich gestern die Abwehrspieler. Zuberbühler hielt den Kasten mit starken Paraden gegen Demetradse rein, Murat Yakin und Patrick Müller liessen im Zentrum nichts anbrennen und unterstützten das Mittelfeld mit genauen Zuspielen.

Bruno Berner und der sehr aktive Bernt Haas gehörten auf den Aussenbahnen ebenfalls zu den auffälligeren Akteuren, auch wenn die abschliessenden Flankenbälle zu oft missrieten.

Hakan der beste Angreifer

Das Schweizer Mittelfeld war defensiv ebenfalls gut, offensiv hingegen gelang nicht allzuviel. Bester Angriffer war einmal mehr Hakan Yakin, der mit seinen Schüssen in der 15. und 27. Minute Pech hatte. Nicht mehr von Pech konnte man jedoch bei Chapuisats Riesenchance in der 34. Minute reden.

Nach der hervorragenden Vorarbeit von Johann Vogel und Raphaël Wicky hätte das 1:0 für die Schweiz in dieser Szene einfach fallen müssen. Fünf Meter vor dem Tor muss eine solche Möglichkeit auch von einem kopfballschwachen Stürmer verwertet werden, zumal von einem Angreifer mit der Erfahrung Chapuisats.

Mit einem Sieg wäre die Schweiz gleich erfolgreich zu Buche gestanden wie in der WM-Qualifikation 1994 und der EM-Qualifikation 1996: Beide Male resultierten aus den ersten vier Spielen drei Siege und ein Unentschieden und jedes Mal reichte diese Vorgabe am Schluss zur Teilnahme an der Endrunde.

Nun müssen wohl drei Siege in den Heimspielen gegen Russland, Albanien und Irland her, um das gleiche Ziel zu erreichen. Eine schwierige, aber nicht unlösbare Aufgabe.

Georgien - Schweiz 0:0

Lokomotive-Stadion, Tiflis. -- 10 000 Zuschauer. -- SR Trivkovic (Kro).

Georgien: Lomaia; Chisanischwili, Chisaneischwili, Kemoklidse; Zkitischwili, Nemsadse (46. Didawa), Rechwiaschwili, Kobiaschwili, Kwirkwelia; Iaschwili (46. Arweladze), Demetradse (72. Aschwetia).

Schweiz: Zuberbühler; Haas, Murat Yakin, Müller, Berner; Cabanas (68. Cantaluppi), Vogel, Wicky; Hakan Yakin (90. Thurre); Frei (59. Celestini), Chapuisat.

Bemerkungen: Georgien ohne Kaladse (verletzt), Jamarauli, Kinkladse und Kezbaia (alle Rücktritt); Schweiz ohne Stiel (gesperrt), Henchoz, Magnin und Fournier (alle verletzt). Verwarnungen: 5. Chapuisat (Schwalbe), 18. Rechwiaschwili (Reklamieren), 76. Kobiaschwili (Foul), 82. Aschwetia (Unsportlichkeit).

1. Schweiz 4 2 2 0 7:3 8 -------------------------------- 2. Russland 3 2 0 1 9:6 6 -------------------------------- 3. Albanien 4 1 2 1 5:6 5 4. Irland 4 1 1 2 5:7 4 5. Georgien 3 0 1 2 2:6 1

(René Baumann/Si)

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