Fussball: EM-Vergabe 2008 - Zwei Mitfavoriten, vier Aussenseiter

publiziert: Freitag, 6. Dez 2002 / 20:23 Uhr / aktualisiert: Freitag, 6. Dez 2002 / 21:37 Uhr

(Si/APA) Die sechs Konkurrenten der schweiz-österreichischen Kandidatur für die Vergabe der Fussball-EM-Endrunde 2008 im Kurzporträt. Vor allem die Bewerbungen aus Skandinavien und Irland/Schottland gelten als ersthafte Konkurrenz für die von Österreich/Schweiz.

Die gemeinsame Bewerbung von Österreich/Schweiz hat gute Chancen.
Die gemeinsame Bewerbung von Österreich/Schweiz hat gute Chancen.
SCHOTTLAND/IRLAND

Stadien:

Glasgow: Hampden Park (52 045 Zuschauer), Celtic Park (50 501), Ibrox Stadium (50 444). -- Aberdeen: Aberdeen Stadium (31 400). -- Edinburgh: Murrayfield (67 500), Easter Road Stadium (34 880). -- Dundee: Dundee Stadium (31 400). -- Dublin: Lansdowne Road Stadium (35 500), Stadium Ireland (80 000), Croke Park (69 211).

Pluspunkte:

+ Laut Stadion-Konzept besteht eine Sitzplatz-Kapazität von 1,6 Millionen Zuschauern. Das sind 442 000 Plätze mehr als bei Schweiz/Österreich.

+ Hohe Ticket-Einnahmen (mehr Kapazität, höhere Preise) von 100 Mio. Euro, wenn Stadien gefüllt werden können.

+ der Champions-League-Final 2002 in Glasgow war eine gelungene Hauptprobe.

Minuspunkte:

- Mangelnde Unterstützung der Bevölkerung in Schottland. Eine Umfrage ergab, dass sich 68 Prozent der Schotten (und sogar 62 Prozent der aktiven Fussballer) gegen die Bewerbung aussprechen und stattdessen die Förderung des Sport-Nachwuchses bevorzugen.

- Stadion-Problematik in Irland: Die Iren haben keine EM-taugliche Arena, müssen aber zwei garantieren.

- Drei Stadien in einer Stadt (Glasgow) erzeugen grosse Verkehrs- und Sicherheits-Probleme.

- Periphere Lage könnte eine 100-prozentige Auslastung der Stadien (v.a. bei kurzfristiger Planung ab Viertelfinal) gefährden.

- Schottland und England gehören zum United Kingdom. Eine Einreisekontrolle von potenziellen Hooligans ist dadurch stark erschwert.

- England veranstaltete bereits 1996 die EM.

RUSSLAND

Stadien:

Moskau: Luschniki (84 000), Lokomotiw (30 000). -- St. Petersburg: Zentralny (43 000). -- Kasan: Kasan (42 000). -- Samara: Krylia Sowjetow (40 000). -- Saratow: Sokol (36 000). -- Wolgograd: Rotor (36 000). -- Rostow am Don: Zentralny (36 000). -- Krasnodar: Kuban (42 000).

Pluspunkte:

+ von 52 UEFA-Verbänden kommen 24 aus dem Osten, dort fand noch nie eine EM oder WM statt.

+ grosser TV-Zukunftsmarkt.

+ Russland soll als sechste grosse Fussball-Nation etabliert werden.

+ der politische Faktor (?).

Minuspunkte:

- Enormer Investitionsbedarf bei Infrastruktur.

- Riesige Distanzen zwischen den Spielorten.

- Russland hängt mit Bewerbungs-Unterlagen weit zurück.

- Sicherheitsproblematik (Tschetschenien).

- Wirtschaftliche Probleme.

- EM würde Steuerzahler eine Milliarde Euro kosten.

- UEFA will möglicherweise keine weiteren Experimente mehr nach der Vergabe nach Portugal 2004 (?).

- Ungelöste Fragen bezüglich Ticketverkauf.

- Die geplanten Eintrittspreise sind teilweise höher als die Monatseinkommen der Bevölkerung.

- Erst zwei Stadien in Betrieb, sieben weitere müssen komplett neu erbaut werden.

UNGARN

Stadien:

Budapest: Ferenc-Puskas-Stadium (50 000), Feher Ut (50 000). -- Debrecen (40 000). -- Györ (30 000). -- Kaposvar (30 000). -- Miskolc (30 000). -- Szeged (30 000). -- Szekesfehervar (40 000).

Pluspunkte:

+ Osteuropa hat noch nie eine EM-Endrunde ausgetragen

+ Ungarn sammelte bei der gemeinsamen Kandidatur mit Österreich für die Endrunde 2004 wertvolle Erfahrung.

+ Professionelles Kandidatur-Marketing.

Minuspunkte:

- Mit Ausnahme des Puskas-Stadions bestehen alle Stadien nur auf dem Reissbrett.

- Fussball in Ungarn steckt in der Krise.

- Stand bei EM-Kandidatur für 2004 klar im Schatten von Österreich.

SKANDINAVIEN

Stadien:

Kopenhagen: Parken Stadium (41 781), Bröndby Stadium (30 920). -- Helsinki: Olympic Stadium (42 500). -- Tampere: Ratina Stadium (32 000). -- Oslo: Ullevaal Stadium (31 240). -- Trondheim: Lerkendal Stadium (30 849). -- Stockholm: Raasunda-Stadium (41 530). -- Göteborg: Ullevi Stadium (60 300).

Pluspunkte:

+ Stark in UEFA-Gremien vertreten (Präsident Lennart Johansson).

+ Gute Infrastruktur.

+ Grosse Sicherheit in allen vier Ländern.

+ Stadien bestehen grösstenteils.

Minuspunkte:

- Schweden trug 1992 bereits eine EM aus.

- Vier Organisations-Länder bringen Probleme beim Transport, der Währung, dem Ticket-Verkauf und verursachen vierfache Kosten.

- Probleme der sportlichen Qualifikation (nur zwei Ausrichter sind für die Endrunde gesetzt).

- Begeisterung in Ländern ohne Heimteam dürfte schwinden.

KROATIEN/BOSNIEN-HERZEGOWINA

Stadien:

Zagreb: Maksimir (60 000). -- Sarajevo: Kosevo (55 000). -- Split: Poljud (43 000). -- Banja Luka: Gradski (43 000). -- Rijeka: Rujevica (33 000). -- Osijek: Gradski vrt (33 000). -- Zenica: Bilino polje (33 000). -- Mostar: Bijeli Brijeg (33 000).

Pluspunkte:

+ Politische Symbolik beim Zuschlag.

+ EM würde den Wiederaufbau nach den Bürgerkriegen beschleunigen.

Minuspunkte:

- Erstmalige Bewerbung, das eigentliche Ziel ist die EM-Endrunde 2012.

- Politische Instabilität.

- Noch kein Stadion bezugsfertig.

- Grosser finanzieller Investitionsbedarf.

GRIECHENLAND/TÜRKEI

Stadien:

Istanbul: Atatürk-Olympiastadion (80 000), Fenerbahce Sükrü Saracoglu (60 000). -- Antalya: Antalya (40 600). -- Izmir: Atatürk (51 750). -- Athen: Olympiastadion (75 290). -- Saloniki: Kaftanzoglio (43 720). -- Heraklion: Pankrition (33 240). -- Patras: Pampeloponissiako (32 740).

Pluspunkte:

+ Politische Symbolik beim Zuschlag ähnlich wie bei der WM 2002 in Südkorea und Japan.

+ Grosse Fussball-Begeisterung in beiden Ländern.

+ Vier Stadien in Griechenland werden bis 2004 (Olympia) errichtet, in Türkei stehen zwei neue Stadien bereits.

Minuspunkte:

- Griechenland hat mit Olympia 2004 schon ein Grossereignis vor sich.

- Die Probleme für Olympia mit Infrastruktur und Sportstätten-Bau auf EM-Entscheid durchschlagen.

- Brutale Fan-Ausschreitungen kürzlich bei Fenerbahce - Panathinakos.

- Offene Zypern-Frage.

(bsk/sda)

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