Fussball: Irischer Nationalcoach McCarthy hat kapituliert

publiziert: Dienstag, 5. Nov 2002 / 23:18 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 5. Nov 2002 / 23:37 Uhr

(Si) Drei Wochen nach der bitteren 1:2-Heimniederlage gegen die Schweiz in Dublin ist Mick McCarthy als Coach der irischen Auswahl zurückgetreten. Der 43-Jährige verhandelte gestern lange mit dem Verband und wird seinen Posten per sofort zur Verfügung stellen.

Mick McCarthy gibt seinen Posten als irischer Nationalcoach auf
Mick McCarthy gibt seinen Posten als irischer Nationalcoach auf
Als Interimslösung kommt in erster Linie Don Givens in Frage. Der langjährige Xamax-Spieler, der am Neuenburger See im November vor neun Jahren seine Trainerkarriere lancierte, betreut gegenwärtig den ältesten Nachwuchs der Iren. Auf der Insel rechnen sie gemeinhin damit, dass er im Freundschaftsspiel am 20. November in Griechenland die Verantwortung tragen wird.

Wer Givens folgen könnte ist ungewiss. Mit dem früheren Leeds-Coach David O´Leary, John Toshack (ex Real Madrid), John Aldridge und Joe Kinnear kursierten bereits einige prominente Namen.

Die mediale Demontage jenes Mannes, der im März 1996 die Nachfolge des legendären Jack Charlton angetreten hatte, begann schon Anfang Herbst, als die Iren in Russland 2:4 unterlagen. Wenige Wochen nach dem Fehltritt in Moskau drangen zudem Informationen an die Öffentlichkeit, wonach sich McCarthy um den Job beim Premier-League-Klub Sunderland beworben habe.

Im Vorfeld der Partie gegen die Schweiz stritt der 43-jährige den Kontakt zu Sunderland jedoch vehement ab, betonte aber gleichzeitig, nach Ablauf seines Vertrages im Jahre 2004 ein Klubengagement in England annehmen zu wollen.

Mit den sportlichen Turbulenzen flammte auch der nach vorzüglichen WM-Auftritten (erst im Achtelfinal nach Penaltyschiessen an Spanien gescheitert) vorübergehend in den Hintergrund gerückte Konflikt mit Roy Keane wieder auf. Seit der ManU-Captain unmittelbar vor der WM-Endrunde im Streit mit McCarthy aus dem Camp abgereist war, schien die Fusball-Nation gespalten.

Die unsägliche Affäre um den streitbaren und hochgradig unbeherrschten (und derzeit rekonvaleszenten), aber genialen Kopf von Manchester United hatte wenige Tage vor dem Duell mit der Schweiz die Medienspalten randvoll gefüllt. Als spitzzüngiger Autor seines vor kurzem veröffentlichten WM-Tagesbuches rechnete McCarthy gnadenlos ab -- allerdings zu einem denkbar ungünstigen Moment.

Es würde niemanden erstaunen, stünde Roy Keane aller Verachtung zum Trotz demnächst wieder im Kader der Iren.

(Sven Schoch /sda)

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