Fussball: Kein Platz für Zwischentöne im Derby d´Europa

publiziert: Montag, 12. Mai 2003 / 23:13 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 14. Mai 2003 / 23:23 Uhr

Milan und Stadtrivale Inter treten Dienstagabend zur Fortsetzung des sogenannten Derby d´Europa an. Das 0:0 im Hinspiel lässt beiden Mailänder Teams die Option, am 28. Mai in Manchester um den Triumph in der Champions League spielen zu können.

Milans Trainer Carlo Ancelotti musste sich harte Kritik vom Team-Eigner Silvio Berlusconi anhören.
Milans Trainer Carlo Ancelotti musste sich harte Kritik vom Team-Eigner Silvio Berlusconi anhören.
Nicht nur wählerische Fussball-Feinschmecker haben Mitte letzter Woche ob der Darbietung der beiden Serie-A-Spitzenklubs die Nase gerümpft. Allen voran Italiens Ministerpräsident und Milans Eigner Silvio Berlusconi mochte seinen Ärger über das "hässliche Derby" (Corriere dello Sport) kaum unter Verschluss behalten. Ihm, der den Gewinn der Champions League als prioritär deklariert, passte der ideenlose Auftritt seines sündhaft teuren Personals überhaupt nicht.

Zwei Tage nach Abpfiff des Hinspiels berichtete die "Gazzetta dello Sport" von einem Berlusconi, der jeglichen Kommentar zum ungenügenden Derby verweigerte. Der Rastlose hat seinen Unmut Trainer Carlo Ancelotti längst beschieden. Er wollte sich am vergangenen Mittwoch im San Siro im Erfolg sonnen. Zu sehen bekam Berlusconi eine zwar engagierte, aber nie gefährliche und schon gar nicht geniale AC Milan. Ausser Rino Gattuso und Rui Costa glänzte keiner -- nicht Filippo Inzaghi und schon gar nicht der Ukrainer Andrej Schewtschenko.

Farbe bekennen

Tränen oder Lachen, Jubel oder Trauer. Für Zwischentöne bleibt im 255. Vergleich der Antipoden kein Platz, zumal bei dieser Konstellation. "Wir müssen endlich Farbe bekennen, wenn wir eine grosse Mannschaft sein wollen", lautete deshalb eine der Forderungen von Ancelotti. Im Campionato dominiert Juves Schwarz-Weiss, Bunttöne sind nicht en vogue. Wenigstens im Europacup soll Rot-Schwarz nicht auch frühzeitig aus den Traktanden fallen.

Dreimal seit Gründung der Champions League, 1993, 1994 und vor acht Jahren, hat sich Milan für das Endspiel der besten Europacup-Plattform qualifiziert. Vom erneuten Finalvorstoss ist die AC noch mindestens 90 Minuten entfernt. Auf dem steinigen Pfad dorthin wird sie vom Gros der Kommentatoren leicht favorisiert. Milans Reserven in der Kreativabteilung um Rui Costa und Filippo Inzaghi sind wohl minim grösser. Ancelotti kann es sich gar leisten, den brasilianischen Topstar Rivaldo auf der Bank zu belassen. Und Milans Verteidigung gilt neben jener von Meister Juventus als die beste Italiens.

Internazionale verfügt grundsätzlich über eine ebenso hochkarätige Equipe wie der Rivale. Hinter dem enteilten Primus Turin hat sich Inter an zweiter Stelle positioniert, womit es im nächsten Wettbewerb der Champions League wieder gesetzt wäre, obschon aus den Partien gegen die Topklubs Juventus, Milan und Lazio kein einziger Sieg resultierte. Konstant erfolgreich schnitt Inter im Prinzip nur gegen das nationale Mittelmass ab.

Ähnlich liesse sich auch der Vorstoss unter die vier besten Teams Europas erklären. In den Phasen vor dem K.o.-System hatte Inter nur ganz wenige "grosse" Spiele zu bestreiten und konnte sich praktisch vollumfänglich auf die Klasse eines Hernan Crespo stützen, der bis zu seiner Verletzungspause kaum eine Torchance ausliess. Erst im Viertelfinal gegen Valencia traten die Limiten Inters zu Tage, wurde allen ersichtlich, zu welch destruktivem Handwerk der argentinische Coach Hector Cupér seine Professionals trimmt.

Cupérs Passion und ein Gerücht

Inter, durch die Absenz von Christian Vieri sicherlich gehemmt, beschränkte sich auch gegen Miland quasi von der ersten Minute an auf das Verhindern von Toren und Spektakel. Nichts, aber wirklich gar nichts mochte Cupér mit seiner Réduit-Taktik zu einem gehaltvollen Abend beitragen.

Nur weil das Rückspiel nun mehrheitlich vor Inter-Tifosi ausgetragen wird, ist nicht davon auszugehen, dass der nicht selten scharf kritisierte Argentinier von seinem Kurs abweichen wird. Einzig ein Treffer der "Gäste" würde selbst bei Cupér (temporär) einen Gesinnungswandel provozieren. Dann ist gar ein frühzeitiges Comeback von Christian Vieri nicht mehr auszuschliessen. Die Anzeichen haben sich jedenfalls verdichtet, wonach der Topskorer der Liga (24 Tore) trotz angerissener Kniebänder wieder leicht trainiert haben soll.

(fest/Si)

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