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Fussball: NLA-Nachbetrachtung: Keine Winterpause für Behörden

publiziert: Montag, 9. Dez 2002 / 17:12 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 10. Dez 2002 / 17:16 Uhr

(Si) Die 22. und letzte Runde in der NLA-Qualifikation ging zwar praktisch spannungslos, aber nicht ohne Spektakel über die Bühne. Für noch viel mehr Aufregung aber könnten die kommenden Wochen sorgen, wenn harte Entscheide am grünen Tisch bevorstehen.

Es könnte am Sonntag ein Fingerzeig für die nächsten Jahre, wenn im November und Dezember keine Strichkämpfe mehr anstehen, gewesen sein: Auch ohne die durch den einzigartigen Modus künstlich erzeugte Spannung und Dramatik sind Schweizer Fussballer zu spektakulären und torreichen Spielen fähig. Servette - YB (4:4) und Neuchâtel Xamax - Luzern (3:2) lieferten am Sonntag den Beweis dafür, dass Fussballpartien in bissiger Kälte gleichwohl sehenswert sein können.

Mit der letzten Runde endete am Sonntag ein sportliches Jubel-Halbjahr, das seinesgleichen in den Annalen des Schweizer Verbandes sucht. Mit dem Zuschlag der EM-Austragung 2008 durch die UEFA am Donnerstag könnte dem Jahr 2002 die absolute Krönung erteilt werden. U17-Europameistertitel, U21-EM-Halbfinal-Teilnahme, Champions-League-Qualifikation und Zwischenrunden-Teilnahme durch den FC Basel sowie der Auswärtssieg der Nationalmannschaft in Irland werden künftig kaum mehr in einer ähnlich kurzen Zeitspanne zu toppen sein.

Finanzprobleme immer zahlreicher

Trotz diesen Erfolgsmeldungen aber bedrohen dunkle Wolken den Schweizer Fussball. Die Finanzprobleme der kleinen Klubs werden immer grösser und die immer wieder angepassten Reglemente zwingen die Nationalliga zu immer härterem Durchgreifen. Wurde im Sommer mit Lugano, Lausanne und Sion bereits drei Vereinen die NLA-Lizenz verweigert, so kämpfen nun auch Aarau, Neuchâtel Xamax, St. Gallen und Wil mit grossen finanziellen Sorgen.

Konnte die Nationalliga bisher bei der Lizenzerteilung eigene Regeln anwenden, so werden diese in Zukunft durch die UEFA vorgeschrieben. Das wird den Druck auf die Schweizer Klubs weiter erhöhen. Die Auflagen nach finanziellen, sportlichen, administrativen, juristischen und infrastrukturellen Kriterien sind derart rigoros, dass noch offen ist, wie viele Klubs die erste NLA-Zehnerliga im nächsten Sommer in Angriff nehmen dürfen.

Vor allem im Fall Wil warten hektische Tage auf die Verbandsbehörden. Es muss erstens geklärt werden, ob die Ostschweizer ihre aktuelle Lizenz mit unlauteren Mitteln "erschlichen" haben. Kann dies nicht nachgewiesen werden, bleibt die Frage, ob der sportlich begeisternde Aufsteiger nach dem "Fall Hafen" und dem abrupten Versiegen der illegalen Geldquelle überhaupt finanziell weiterleben kann. Lizenz-Entzug, Zwangsrelegation oder Punkteabzug sind Varianten, die von den Behörden als Strafe in Betracht gezogen werden.

Schneller Entscheid nötig

"Wir dürfen nicht zuwarten und müssen sofort handeln", hat Nationalliga-Direktor Edmond Isoz versprochen. Eine allfällige Bestrafung der Wiler muss noch in der Winterpause erfolgen und darf nicht in die Finalrunde hinein gezogen werden. Alle davon betroffenen Vereine müssen schnellstens wissen, in welcher Liga sie im Frühling spielen werden. Sonst machen sich die Verbandsbehörden unglaubwürdig. Die Punkteabzüge für Lugano, Luzern und Winterthur in diesem Herbst für Vergehen in der letzten Saison haben schon für genügend Unmut gesorgt.

Angesichts dieser Probleme erscheinen die Sorgen mit dem FC Vaduz eher marginal. Der Verband will dem Emporkömmling aus dem Liechtenstein den NLA-Aufstieg verweigern, weil er seine Europacup-Startplätze bedroht sieht. Es sollte doch eigentlich kein Problem sein, dies mit einem neuen Vertrag zu klären: Aufstieg ja, Europacup-Teilnahme nein. Zumal die Vaduzer in ihrem Land praktisch als Europacup-Dauerstarter gesetzt sind.

(René Baumann /sda)

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