Fussball: Saisonstart für den FC Sion
publiziert: Dienstag, 28. Okt 2003 / 17:54 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 28. Okt 2003 / 19:33 Uhr

Der FC Sion hat das Tauziehen mit der Swiss Football League (SFL) vorläufig gewonnen. Das Bundesgericht in Lausanne wies eine Beschwerde vorerst ab, mit der die Liga aufschiebende Wirkung der superprovisorischen Verfügung des Walliser Kantonsgerichtes forderte.

Kann der FC Sion auch sportlich für Aufsehen sorgen?
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Damit kann Sion heute Mittwoch um 19.30 Uhr das Championat in der Challenge League aufnehmen. Der erste Gegner der Walliser im Stade de Tourbillon ist Aufsteiger Bulle.

Zufrieden, aber nicht überrascht reagierte Sions Präsident Christian Constantin auf den Entscheid des Bundesgerichtes: "Die Gerechtigkeit hat gesiegt. Alle angerufenen Gerichte haben uns nun Recht gegeben. Zuerst das Schiedsgericht, dann das Kantonsgericht und jetzt sogar das Bundesgericht. Das zeigt, dass wir in der Sache immer richtig lagen und mit gutem Gewissen in der Challenge League spielen können."

"High Noon" heute Mittag

Noch ist allerdings unklar, ob der verspätete Saisonstart des zweifachen Schweizer Meisters lediglich der Beginn einer Teilnahme auf Zeit ist. Das Bundesgericht erteilte eine neue Frist zur Beurteilung und zu Stellungnahmen im "Fall Sion" bis zum 10. November. Danach soll der definitive Entscheid über die aufschiebende Wirkung gefällt werden.

Heute Mittwoch bereits befindet zudem zum dritten Mal die Rekurskommission für Vereinslizenzen, ob der FC Sion die geforderten Garantien tatsächlich leisten kann und die Lizenz erhalten soll. Die Rekurskommission, die von Beat Schnider (GC) präsidiert wird und der auch Mathieu S. Jaus (Basel) und Enea Petrini (vereinslos) angehören, fordert vom FC Sion Sicherheiten in der Höhe von rund 1,3 Millionen Franken. Bis heute Mittag um 12 Uhr haben der Walliser Verein und Constantin Zeit, Garantien in dieser Höhe vorzulegen.

1,3 Millionen Franken -- ein Betrag, der Constantin in Rage bringt: "Unglaublich, wie mit uns umgegangen wird. Die Liga tut alles, um dem FC Sion keine Lizenz zu geben. 1,3 Millionen Franken entsprechen etwa 80 Prozent unseres Budgets." Dem entgegnet Jaus: "Es spielt keine Rolle, wie viel Prozent des Budgets die zu leistende Sicherheit beträgt. Wir haben objektiv die zu erwartenden Ein- und Ausgaben des FC Sion in der Challenge League aufgerechnet. Wir sind der Meinung, dass Sion demnach die Garantie für 1,3 Millionen leisten muss, um den Spielbetrieb in der Challenge League sichern zu können."

Ob Constantin tatsächlich diesen Betrag garantieren kann (und will), ist fraglich. Der Architekt aus Martigny jedenfalls sagte, er könne eine Bank-Garantie von 620 000 Franken vorweisen. "Das muss genügen. Aber die Lizenzfrage ist jetzt nicht mehr so wichtig. Das Kantonsgericht hat unsere Teilnahme an der Challenge League verfügt, und das Bundesgericht hat diese Verfügung geschützt." Dies sei der zählende Fakt, und was die Liga aufführe, habe mit Rechtsstaatlichkeit ohnehin längst nichts mehr zu tun, so Constantin.

Kein Ausschluss bei Lizenzverweigerung

Die superprovisorische Verfügung des Kantonsgerichtes wird auch nicht aufgehoben, wenn Sion die Lizenz verweigert wird, wie Edmond Isoz, Direktor der SFL, bestätigte: "Erhält der FC Sion die Lizenz nicht, kann er vorderhand trotzdem spielen. Die superprovisorische Verfügung kann nur auf zivilrechtlichem Weg aufgehoben werden."

Die Frage, ob die SFL im Falle eines negativen Befundes der Rekurskommission für Lizenzen den zivilrechtlichen Weg weiter beschreiten oder aber auf den definitiven Entscheid (betreffend die aufschiebende Wirkung der superprovisorischen Verfügung) des Bundesgerichtes Mitte November warten will, konnte Isoz noch nicht beantworten. Sicher sind jedenfalls derzeit nur zwei Dinge. Sion spielt heute gegen Bulle, und: Fortsetzung folgt.

Die Berg- und Talfahrt des FC Sion

4. Juni 1997: Der FC Sion wird zum zweiten Mal Schweizer Meister und holt sich vier Tage später unter Trainer Alberto Bigon mit dem neunten Cupsieg sogar das Double.

Herbst 1997: Präsident Christian Constantin will in die Champions League und spielt "alles oder nichts". Es wird "nichts", denn Sion hat kein Losglück und scheitert in der Qualifikation an Galatasaray Istanbul. Der Spielbetrieb mit der teuren Mannschaft lässt sich ohne die budgetierten (!) Einnahmen aus der Königsklasse nicht finanzieren. Trainer Bigon wird im September entlassen, Constantin tritt per Ende 1997 ab und hinterlässt Schulden in der Höhe von rund 15 Millionen Franken.

1998: Der schwerwiegendste Sanierungsfall im Schweizer Sport wird durchgespielt. Sion rettet sich dank eines Nachlassvertrages.

1999: Die Saison endet mit einem sportlichen Desaster. Sion steigt überraschend in die Nationalliga B ab. Immerhin gibt es neben dem Platz Hoffnung. Der angeblich schwerreiche Kameruner Gilbert Kadji präsidiert Sion und bringt (viel) Geld und einige afrikanische Spieler ins Wallis.

2000: Es geht (sportlich) wieder aufwärts: Unter Henri Stambouli schafft Sion den sofortigen Wiederaufstieg und qualifiziert sich problemlos für die Finalrunde der NLA. Trotz des Engagements von Kadji bleibt aber die finanziellen Situation schlecht und wenig transparent.

2001: Kadjis Bemühungen, den Klub an einheimische Investoren zu übergeben, scheitern mehrmals. Unter Coach Laurent Roussey etabliert sich Sion in der nationalen Spitze und erreicht erneut ohne (sportliche) Sorgen die Finalrunde.

Frühjahr 2002: Kadji hat kein Geld mehr und Leistungsträger müssen verkauft werden. Sion holt in der Finalrunde lediglich vier Punkte. Der Tiefpunkt folgt im Juni. Während die Fussball-Welt nach Japan und Südkorea schaut, erhält Sion keine Lizenz für die NLA und wird zwangsrelegiert.

Herbst 2002: Trotz sehr kleinem Budget und der Qualifikation für die Auf-/Abstiegsrunde wird die erste Saisonhälfte defizitär. Jetzt kann offenbar nur noch einer Sion retten: Christian Constantin. Der ehemalige Präsident verschafft den Fans Gratiseintritt zu den beiden letzten Heimspielen. Gegen Lausanne strömen kurz vor Weihnachten über 10 000 Zuschauer ins Tourbillon.

Februar 2003: Constantin ist endgültig wieder der starke Mann bei Sion. Er gründet die "Olympique des Alpes SA", die für den Profibetrieb zuständig ist und schiesst mehrere hunderttausend Franken als Startkapital ein. Die Saläre der Spieler übernimmt ebenfalls Constantin.

30. April 2003: Die Lizenzkommission verweigert Sion die Lizenz zur zweithöchsten Spielklasse. Die Walliser rekurrieren gegen den Entscheid, den (noch) niemanden in Sion beunruhigt.

15. Mai 2003: Die ausserordentliche Generalversammlung bestätigt die Macht Constantins und der "Olympique des Alpes SA". Der Regent aus Martigny zeigt sich zum Kompromiss bereit: vorläufig soll der Klub den Namen "FC Sion" behalten und die Heimspiele in der Hauptstadt, im Stade de Tourbillon, austragen -- sofern die Stadt die Kosten übernimmt.

28. Mai 2003: Die Stadt Sion weist die Unterstützungsforderungen von Constantin zurück. Von Interesse ist im Wallis indes vorerst vor allem der bevorstehende Entscheid der Rekurskommission.

4. Juni 2003: Die Rekursinstanz bestätigt den Lizenz-Entscheid der Lizenzkommission. Sion droht den Kommissionsrichtern mit einer Strafklage.

11. Juli 2003: Das SFV-Schiedsgericht hebt den Entscheid der Rekurskommission wegen formellen Mängeln auf.

17. Juli 2003: Constantin übernimmt im Sittener Konkursbüro einen Schuldschein von über 600 000 Franken für lediglich 50 000 Franken. Gläubiger soll ex-Präsident Gilbert Kadji gewesen sein. Durch diesen Schachzug Constantins sinken die Schulden des FC Sion markant; Constantin ist zuversichtlich, dass die Neubeurteilung der "Akte Sion" nun positiv ausfällt.

28. Juli 2003: Trotz des juristischen Winkelzuges von Constantin: die Rekursinstanz urteilt wieder gegen Sion und verweigert den Wallisern die Lizenz zum zweiten Mal. Constantin kündigt darauf an, seine Mannschaft weder in der 1. Liga noch im Cup antreten zu lassen.

29. August 2003: Das 2. SFV-Schiedsgericht hebt den 2. Entscheid der Rekursinstanz nicht auf, denn es befindet, die Rekursinstanz unter dem Präsidium von Eugen Mätzler sei in der Sache nicht befangen gewesen.

30. September 2003: Das Walliser Kantonsgericht lehnt das Begehren Sions nach einer superprovisorischen Verfügung zur sofortigen Teilnahme an der Challenge League ab.

3. Oktober 2003: Das 3. SFV-Schiedsgericht hebt den Entscheid der Rekursinstanz vom 28. Juli auf. Verfahrensregeln seien nicht eingehalten worden. Zudem habe die Rekursinstanz den ihr zustehenden Ermessensspielraum bei der Festsetzung der zu leistenden Garantiesumme für die Lizenzerteilung überschritten. Die Hoffnung in Sion lebt wieder.

10. Oktober 2003: Durch den Entscheid des 3. SFV-Schiedsgerichts hat sich die Ausgangslage für Sion positiv verändert. Constantin zieht den Fall erneut vor das kantonale Gericht und will wieder eine superprovisorische Verfügung erlangen.

21. Oktober 2003: Das Walliser Kantonsgericht hat das zweite Gesuch Sions zur Integration in die Challenge League gutgeheissen. Das Gericht bewertete das abwartende Verhalten der Swiss Football League (SFL) als Missbrauch des Kartellgesetzes und forderte die SFL mit einer superprovisorischen Verfügung auf, bis spätestens am 29. Oktober alle Massnahmen zu treffen, um Sion provisorisch für die Meisterschaft zuzulassen.

27. Oktober 2003: Die SFL zieht den Fall an das Bundesgericht und verlangt eine aufschiebende Wirkung der superprovisorischen Verfügung des Walliser Kantonsgerichtes.

28. Oktober 2003: Das Bundesgericht stützt die superprovisorische Verfügung des Walliser Kantonsgerichtes und gibt betreffend superprovisorische Verfügung keine aufschiebende Wirkung. Sion kann damit am 29. Oktober das erste Spiel in der Challenge League gegen Bulle bestreiten. Die 3. Rekurskommission unter dem Vorsitz vno Beat Schnider soll am 29. Oktober über die Lizenzerteilung Sions entscheiden.

(bert/Si)

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