Fussball: Schlussphase ohne 'Big Five'

publiziert: Sonntag, 27. Jun 2004 / 23:21 Uhr

Wenn in dieser Woche die vier erfolgreichsten Mannschaften an der EURO um den Titel spielen, stehen die fünf grossen Nationen Europas abseits. Frankreich, Deutschland, Italien, England und Spanien haben die Bühne geräumt für Zwerge, die zu Riesen wurden.

Ist es Zufall oder nicht? Die wunderbaren Aussenseiter, die in diesem Jahr schon die (Erfolgs-)Kapitel in der Champions League schrieben, verdrängten das Establishment auch an der EURO aus der Bel-Etage des europäischen Fussballs.

Sicher, England hatte im Viertelfinal gegen Gastgeber Portugal Pech, und Deutschlands Nationalteam weist derzeit nicht das Potenzial auf, um einen Halbfinal-Platz proklamieren zu können.

Doch die anderen drei Grossen, Italien und Spanien, die ihre Spieler (fast) ausschliesslich aus den heimischen Klubs und damit aus den zwei erfolgreichsten Ligen der letzten 15 Jahre rekrutierten, sowie Frankreich zeigten im lusitanischen Sommer Leistungen, die ihrer Reputation unwürdig waren.

Selbst eingebrockt

"Indigne de son rang", bezeichnete die "L´Equipe" das Abschneiden der "Grande Nation". Mit "unwürdig" umschrieb die Tageszeitung, was am Vorabend der EURO niemand erwartet hatte. Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und England: alle draussen.

Doch die "Big Five" haben sich das frühe Aus mit blutleeren und risikoscheuen Auftritten durchwegs selbst eingebrockt. Teilweise hatte man bei der zögerlichen Spielweise von Franzosen, Italienern und Engländern, sie noch am wenigsten, das Gefühl, als würde das Ausscheiden richtiggehend herausgefordert.

Zu wenig mutig

Die personellen Verfehlungen von Signore Trapattoni wurden im Land des Calcio in den letzten Tagen zur Staatsaffäre, das liegt im Naturell der Italiener. Doch auch das Coaching von Spaniens Iñaki Saez, Frankreichs Jacques Santini und Englands Sven-Göran Eriksson liess reichlich Platz für unbequeme Fragen offen.

Unter dem Strich waren sie in personellen und taktischen Fragen zu wenig mutig und erzwangen somit das Glück, dessen Fehlen sie hinterher beklagten, ebenso wenig wie Trapattoni. Offenkundig wollten sie alle das Gesicht nicht verlieren; jetzt stehen sie -- mit Ausnahme von Eriksson -- ohne Nationalmannschafts-Job da.

Unpopuläre Entscheide bringen Erfolg

So freuen sich jene, die ihre Sympathien an andere Mannschaften verteil(t)en. An Equipen, deren Trainer auch unpopuläre Massnahmen nicht scheuen. Wie Hollands Dick Advocaat, der den Lieblingen der Fans, Roy Makaay und Rafael van der Vaart, nur wenig Einsatzzeit gewährt und Patrick Kluivert, den Goalgetter der letzten EM, noch nicht eine Minute eingesetzt hat.

Oder wie Portugals Luis Felipe Scolari, der schon zwei Wochen vor dem Turnier Mut bewies, indem er die lebende lusitanische Goalie-Legende Vitor Baia nicht berücksichtigte. Das Volk schäumte vor Wut, doch jetzt ist Vitor Baias Konkurrent Ricardo der Held im Gastgeberland.

Der lusitanischen Lichtgestalt I, Rui Costa, hat Scolari nach der verlorenen Startpartie eine Ersatzrolle zugewiesen. Und die Lichtgestalt II, Luis Figo, wurde gegen England trotz ungünstigem Spielstand vorzeitig ausgewechselt. Gewiss, es war ein Vabanquespiel, auf das sich Scolari einliess. Doch bisher ist es aufgegangen.

Real-Stars mit mässigen Auftritten

A propos Figo: im Gegensatz zu seinen hochkarätigen Teamkollegen bei Real Madrid ist er im Turnier noch dabei -- wenn auch stark in der medialen Kritik stehend. Der Spanier Raul dagegen verliess einmal mehr die (Länder-)Bühne nach schwachen Leistungen durch die Hintertür. Der Engländer David Beckham hob sich vom Rest der "Three Lions" einzig ab, weil er zwei Penaltys verschoss.

Und Zinedine Zidane hatte offenkundig auf die Mannschaftsaufstellung grösseren Einfluss als auf das Spiel der "Bleus". Sie alle konnten die befleckte Seite, die sie mit Real während der Saison geschrieben haben, nicht umdrehen und ein neues Kapitel beginnen. Das galaktische Quartett ist das Sinnbild für die "Big Five", die in Portugal in einer "Small World" lebten.

(rp/Si)

 
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