Fussball: Stimmen zur EM-Vergabe 2008

publiziert: Montag, 9. Dez 2002 / 14:01 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 10. Dez 2002 / 17:29 Uhr

(Si/APA) Nicht nur Franz Beckenbauer räumt der gemeinsamen Bewerbung von Österreich und der Schweiz für die Fussball-EM 2008 grosse Chancen ein, auch die internationalen Medien sehen die Doppel-Kandidatur in der Favoritenrolle.

Die Beobachter orten keine Schwachstellen, weisen aber vielfach darauf hin, dass bei solchen Entscheidungen oft auch andere Kriterien eine Rolle spielen.

Am deutlichsten sprach sich Marc Shaw von der englischen Press Association für die Vergabe an Österreich und die Schweiz aus: "Alles andere wäre fast schon kriminell". Im englischen Fachmagazin "World Soccer" nahm Keir Radnedge ebenfalls klar Position zu Gunsten von Österreich und der Schweiz: "Wenn eine Bewerbung die Favoritenrolle beanspruchen kann, dann diese."

In Deutschland, Gastgeber der WM 2006, sieht man Österreich/Schweiz auf Platz eins. Martin Hägele meinte in der "Süddeutschen Zeitung": "Argumente für die Alpenregion sind überwältigend. Bestünde die elitäre Herrenrunde (Anm.: Der UEFA) aus lauter echten Sportsfreunden, die sich ausschließlich von den Idealen des Spiels sowie politischer, sozialer und geschäftlicher Vernunft leiten liessen, dann wäre heute schon klar, wo die EM steigt: In der Alpenregion. Alle anderen Bewerber haben mindestens ein Handicap."

Der "Kicker" schrieb: "Die besten Voraussetzungen offerieren Österreich und die Schweiz, die eine solide Finanzierung garantieren, starke Partner aus der Wirtschaft an ihrer Seite haben und vor allem erstklassige Stadien garantieren. Und was die beiden Alpenländer an Prominenz zu bieten haben, engagiert sich in der Bewerbung". In der "Münchner Tageszeitung" warnte Rainer Kalb allerdings auch: "So läuft alles auf einen Wahlsieger Österreich/Schweiz hinaus. (...) Diskussionswürdig bleibt das Auswahlverfahren. (...) Formal geht es nach objektiven Kriterien, und formal ist auch alles demokratisch. Formal. Ein Unbehagen bleibt."

Die französische Zeitung "Le Monde" sieht die heimische Kandidatur bestens im Rennen: "Nach dem Erfolg der Doppel-Organisation 2000 (Belgien und Holland) werfen die UEFA-Verantwortlichen keinen schiefen Blick mehr auf gemeinsame Kandidaturen. Österreich/Schweiz hat augenscheinliche Trümpfe wie Verkehrs-Infrastruktur, Hotelerie und die Nähe der Spielorte."

Auch in Italien sieht man die beiden Nachbarländer in der Pole-Position. "Kroatien/Bosnien-Herzegowina, Ungarn, Türkei-Griechenland und Russland scheinen die Schwächsten zu sein, die anderen drei sind wahrlich gross. Österreich und die Schweiz scheinen am besten vorbereitet zu sein. Für das italienische Publikum wäre (das Ereignis) nach der WM 2006 in Deutschland eine weitere Gelegenheit, das Maximum des internationalen Fussballs in Auto-Reichweite zu haben", meinte die "Gazzetta dello Sport". "Tuttosport" schrieb: "In Wien und Bern wittert man Optimismus, aber man macht auch abergläubische Riten, denn -- so wird man erinnert -- "Favorit sein ist nie ein Vorteil". Das Organisationskomitee hat grossartig gearbeitet. Die ´alpine Kandidatur´ steht an erster Stelle der Liste."

Die spanische Nachrichtenagentur EFE strich bei der "Alpinbewerbung" die gute Infrastruktur, die soziale und politische Stabilität und die strategisch günstige Lage in Mitteleuropa, die Schönheit der Natur und die Fussball-Tradition beider Länder hervor. "Ein Aspekt, den diese Kandidatur als für ihre Interessen günstig erachtet, ist der, dass Österreich noch nie einen wirklich grossen Fussball-Event veranstaltet hat. Dabei handelt es sich um ein Land, in dem dieser Sport eine grosse Anhängerschaft hat", schrieb EFE.

(bert/sda)

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