Gesucht: Bush-Schläger
publiziert: Dienstag, 27. Jan 2004 / 10:20 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 27. Jan 2004 / 11:02 Uhr

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Vor den Primaries in New Hampshire ist ein seltener Pragmatismus eingekehrt. Laut den letzten Umfragen führt immer noch John Kerry mit 32 bis 38 Prozent der Stimmen vor Howard Dean mit etwas über 20 Prozent und Wesley Clark mit etwa 15 Prozent. Doch ein gutes Drittel der Befragten ist noch unentschieden.

Denn es interessieren diesmal weniger die persönlichen Sympathien für die Kandidaten als die Einschätzung, wer am ehesten in der Lage wäre, Bush zu schlagen. Einem New York Times Journalisten gegenüber formulierte es ein Demokrat so: "Wenn ich davon ausgehen müsste, dass meine Katze die beste Chance hätte, Bush zu bezwingen, würde ich meine Katze wählen."

So werden denn die Kandidaten sehr genau unter die Lupe genommen und auf ihre Eignung geprüft. Zählt nun politische Erfahrung (John Kerry), militärische Erfahrung und internationales politisches Wissen (Wesley Clark), leidenschaftlicher Kampfgeist (Howard Dean) oder telegenes Auftreten (John Edwards) am meisten?

Vor allem verliert der frühe Favorit Dean immer mehr an Unterstützung. Sein irres Geschrei an der Nach-Wahl-Versammlung in Iowa ging in zig Ausstrahlungen auf allen Kanälen und im Internet durch die Staaten. Dass er danach mit dem Versuch, sein Image zu reparieren, einen offensichtlichen Imagewandel durchführte, machte die Sache auch nicht besser.

Vom "meine-Frau-ist-keine-Dekoration" zum "Interview-mit-lächelnder-Ehefrau"-Kandidaten, vom "Religion-ist-kein-Thema" zum "ich-bete-täglich-zu-Gott"-Politiker in vier Wochen ist unglaubhaft und würde von den Republikanern gnadenlos ausgeschlachtet werden.

Dass Clark seinerseits nicht von Deans Schwäche profitieren kann, kann erstaunen. Doch bei genauerem Hinsehen wird es logisch: Clark positionierte sich - in Erwartung eines Frontrunners Dean - als Anti-Howard. Er bezog seine Positionen, um genau auf Dean ausgerichtet seine Kampagne zu führen. Doch dann kam Kerry aus dem Nichts.

Dieser hat im Gegensatz zu Dean auch einen militärischen Hintergrund zu bieten, kann aber dazu noch mit grosser politischer Erfahrung und seriösem auftreten auftrumpfen. Zudem hat er seit seinem Triumph in Iowa wesentlich an Lockerheit und Souveränität gewonnen und besetzt mithin die Positionen, die Clark gerne eingenommen hätte.

Dass zudem Edwards auch noch lauert, macht die ganze Sache noch komplizierter. Er ist, als zweiter Südstaatler neben Clark, immer noch eine Grösse, die sehr schwer einzuschätzen ist. Dean unterlag ihm schon in Iowa, ein Resultat, dass auch jetzt wieder die anderen Kandidaten vorsichtig machen sollte.

Lieberman hinkt unterdessen hinterher und dürfte nicht weit vor Sharpton und Kucinich landen. Bei all dem Trubel geht eines vergessen: Die Tatsache, dass die Kandidaten in ihren Programmen eigentlich keine Alternative zu der Politik von Bush anbieten. Die Popularitätswerte, die Bush lange auswies, haben unter den Demokraten scheinbar eine Denklähmung ausgelöst: Niemand scheint den Patriot Act und die offensichtlichen Verletzungen von Bürger- und Menschenrechten durch die USA nach dem 11. September ernsthaft zu hinterfragen.

Keiner scheint die Aufblähung des Militärbudgets und die Allmacht der Homeland Security in Zweifel stellen zu wollen. Und auch keiner griff die Rede zur Lage der Nation an, wo Bush deklarierte, dass die USA eigentlich immer und überall einmarschieren dürften, wenn es ihr in den Kram passt.

Die Aufgabe der Demokraten ist es, einen wählbaren Präsidentschaftskandidaten aufzustellen. Aber der sollte eine Alternative zu Bush bieten und nicht einfach dasselbe in einer anderen Farbschattierung.

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

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