Nur 40 Prozent brauchbar
Gesundheits-Apps: Experten streiten über Nutzen
publiziert: Donnerstag, 3. Apr 2014 / 15:11 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 3. Apr 2014 / 20:10 Uhr
Nicht alle Gesundheits-Apps bieten seriöse Informationen.
Nicht alle Gesundheits-Apps bieten seriöse Informationen.

Parsippany/Frankfurt am Main - Unter den rund 40'000 Gesundheits-Apps in den App Stores sind nur etwa 40 Prozent tatsächlich in Zusammenhang mit dem Gesundheitswesen zu bringen und patientenorientiert.

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Das hat eine Analyse des IMS Institute for Healthcare Informatics gezeigt. Davon bieten wiederum nur zwei Drittel dem Patienten seriöse medizinische Informationen.

«Patienten nicht zu empfehlen»

Laut der U.S. Food and Drug Administration (FDA) werden 2015 bereits 500 Mio. Menschen weltweit Gesundheits-Apps nutzen. Jedoch schreibt der Arzt Kevin Pho in USA Today: «Obwohl die Apps vielversprechend sind, bin ich nicht dazu bereit, sie meinen Patienten zu empfehlen.» In Amerika reguliert die FDA zwar Apps, die der Definition eines medizinischen Geräts entsprechen - zum Beispiel, wenn das Handy als EKG-Gerät verwendet werden kann. Aber sehr viele Apps fallen nicht in diese Kategorie.

«Den Generalverdacht gegenüber Apps im Gesundheitsbereich halte ich für nicht sachgerecht - die Potenziale, die diesbezüglich in Smartphones stecken, sind gross», sagt hingegen Stephan H. Schug, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Gesundheitstelematik e.V., gegenüber pressetext. Besonders im Bereich der Gesundheitsförderung lägen Potenziale: «Mit Games for Health kann man Menschen spielerisch zu gesünderem Verhalten erziehen.»

Krebserkennungs-Apps nutzlos

Pho berichtet, dass die Gefahr für falsche Diagnosen hoch ist. So lagen drei von vier Apps bei der Diagnose von Melanomen in 30 Prozent der Fälle daneben - und liessen ein Melanom als Muttermal durchgehen. Hierzu meint Schug: «Die Grundidee, ein Foto von seiner Haut zu machen, mag misslungen sein, denn die Intelligenz hinter dem Programm reicht für die Analyse nicht aus. Aber es gibt auch sehr seriöse Anwendungen, wo etwa das Foto an einen Hautarzt geschickt wird.» Dieser kann wiederum zu einer genaueren Untersuchung auffordern.

Zudem arbeiten viele Apps nicht mit wissenschaftlichen Daten - bei mit Krebs in Verbindung stehenden Apps war das bei der Hälfte der Fall. Zudem zeigt eine Studie, dass nur 13 von 49 Apps zum Umgang mit einer bestimmten Gefässkrankheit tatsächlich einen Mediziner bei der App-Entwicklung herangezogen hatten.

Letztlich sind auch Datenschutzrechte ein Thema bei Gesundheits-Apps. Pho nennt eine Untersuchung von Privacy Rights Clearinghouse, die ergeben hat, dass 72 Prozent der Gesundheits-Apps in Bezug auf Datenschutz und Wahrung der Privatsphäre bedenklich sind.

(bg/pte)

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