Gipfel Bush-Putin: Wiederbelebung einer strategischen Freundschaft
publiziert: Montag, 29. Sep 2003 / 09:24 Uhr / aktualisiert: Montag, 29. Sep 2003 / 12:33 Uhr

Washington - Während Gerhard Schröder von George W. Bush gerade mal 40 Minuten lang in einem New Yorker Hotel empfangen wurde, durfte der russische Staatschef ganze zwei Tage beim US-Präsidenten auf dessen Landsitz in Camp David verbringen.

"Ich mag ihn", beschrieb Bush am Samstag zum Abschluss des zweitägigen Gipfels seine Gefühle für Wladimir Putin. Putin sei ein "guter Kerl" - dabei hatte der Russe seinem amerikanischen Freund in den vergangenen Monaten das Herz nicht gerade erwärmt.

Leistete er doch im UNO-Sicherheitsrat zusammen mit Schröder und dem französischen Präsidenten Jacques Chirac hartnäckigen Widerstand gegen Bushs Kriegspläne für Irak. Während des Kriegs sorgten dann US-Vorwürfe, russische Firmen hätten Saddam Hussein mit Rüstungsgütern versorgt, für dicke Luft.

Und zuletzt forderte Putin, wieder im Verein mit Schröder und Chirac, die Korrektur eines US-Resolutionsentwurfs, der darauf abzielt, Irak vorerst unter amerikanischer Kontrolle zu belassen.

Sein Verhältnis zum russischen Präsidenten will Bush dennoch nicht belastet wissen: "Weil wir eine vertrauensvolle Beziehung haben, sind wir in der Lage, jede Meinungsverschiedenheit über ein einzelnes Thema zu überwinden."

Ob das Vertrauensverhältnis tatsächlich unbeschädigt ist, mag zwar bezweifelt werden - fest steht aber, dass Bush und Putin politisch aufeinander angewiesen sind. Der Russe blieb denn auch eher unsentimental und verwies auf die "strategischen Interessen", die beide Staaten verbänden.

Öl als verbindendes Element

Eines der verbindenden Elemente ist das schwarze Gold. Die USA wollen ihre Ölimporte aus Russland erhöhen, um die Abhängigkeit vom Nahen Osten zu reduzieren. Putin kündigte kurz vor dem Gipfel bei einem Besuch der Wall Street an, Russland wolle der grösste Öllieferant der USA werden.

Beide Staaten teilen darüber hinaus das Interesse an einem stabilen Nahen Osten, in dem terroristische Bewegungen ihren Rückhalt verlieren und der Zugang zu den Ölressourcen gesichert ist.

Angesichts des massiven innenpolitischen Drucks, unter dem Bush wegen des Chaos in Irak steht, erschien Putin in Camp David in der stärkeren Position. Nicht nur, dass er auf Zeit spielen konnte und jede Hilfszusage für Irak unter Hinweis auf das ausstehende UNO-Mandat vermied.

Keine Zugeständnisse zu Iran

Auch bei einem weiteren Reizthema, dem iranischen Atomprogramm, machte er keine Zugeständnisse und hielt an der russischen Unterstützung für den Reaktor in Buschehr fest. Und sein vielleicht grösster Erfolg war, dass Bush die tschetschenischen "Terroristen" verurteilte - was Putin daheim als Rückhalt für seine Politik der harten Hand in der Kaukususrepublik verkaufen mag.

Vieles spricht dafür, dass Putin die freundschaftlichen Dienste des US-Präsidenten in absehbarer Zeit erwidern wird. So signalisierte er Kompromissbereitschaft in den Verhandlungen über die neue Irak-Resolution, indem er eine nur schrittweise Machtübergabe an eine eigenständige irakische Regierung unterstützte.

Russische Truppen in Irak wären ein Prestigegewinn für Bush, der damit seine Umarmungspolitik gegenüber dem Mann aus Moskau gerechtfertigt sehen könnte.

(Daniel Jahn/afp)

 
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