Glaubenskrieg und Machtkampf

publiziert: Dienstag, 30. Jan 2007 / 21:21 Uhr

Kairo - Schier unglaublich muten die Berichte über das an, was sich in den vergangenen zwei Tagen rund um die heiligen Stätten der Schiiten im Irak abgespielt hat.

Die Schiitische Mehrheit im Irak wurde jahrelang unterdrückt.
Die Schiitische Mehrheit im Irak wurde jahrelang unterdrückt.
2 Meldungen im Zusammenhang
Glaubt man der Regierung in Bagdad, so hatten sich im religiösen Wahn Hunderte fanatischer, schwer bewaffneter Schiiten in der Nähe von Nadschaf zusammengerottet, um dem dort beheimateten schiitischen Klerus den Garaus zu machen.

Angeblich hörten sie auf das Kommando eines Irakers, der sich selbst zum «Mahdi» erklärt haben soll. Der «Mahdi» ist für die Schiiten ein im 10. Jahrhundert verschwundener Heilsbringer, auf dessen erneutes Erscheinen die Gläubigen warten.

Verteidigungsminister Abdul Kader Dschasim spricht von einer «politischen Gruppe mit religiösem Deckmantel», die man in Nadschaf zerschlagen habe. Diese Bezeichnung trifft aber nach Ansicht westlicher Beobachter in der Region genauso auf mehrere Parteien zu, die der irakischen Regierung angehören.

Tatsächlich ist es im Irak angesichts der grausamen Anschläge und Mordkampagnen gegen Anhänger der jeweils anderen Glaubensrichtung zunehmend unmöglich, eine Trennlinie zwischen religiösem Fanatismus und politischem Machtkalkül zu ziehen.

Verschiedene Sichtweisen

Ministerpräsident Nuri al-Maliki glaubt, dass die schiitischen Milizen ihre Angriffe auf Sunniten einstellen würden, sobald die sunnitischen Fanatiker aufhören, die religiösen Symbole der Schiiten anzugreifen. Doch die gemässigten Sunniten und auch die US-Regierung sehen das ganz anders. Für sie sind die sunnitischen Terrorgruppen und die schiitischen Todesschwadronen zwei Seiten einer Medaille.

Was die schiitisch-sunnitische Gewaltorgien im Irak in den vergangenen Monaten zu einem der explosivsten Probleme der Region macht, ist die Tatsache, dass mehrere Nachbarstaaten ihre anfängliche Zurückhaltung aufgegeben haben und nun offen Partei für die eine oder andere Seite ergreifen.

Angst vor Export des Konflikts

Die Motive dafür sind sowohl das Streben nach Vorherrschaft als auch die Angst vor einem Export des Konfliktes. Den Iranern wird von mehreren arabischen Regierungen unterstellt, dass sie, getrieben vom Willen zum Export ihrer islamischen Revolution, im Irak und auch in anderen Staaten der Region die Schiiten aufhetzen.

Angst macht das durch die US-Invasion ausgelöste Erstarken der Schiiten im Irak vor allem den Sunniten von Beirut bis Riad. Diese befürchten, dass die Schiiten im eigenen Lande ihre Forderungen nach mehr Macht nun unbedingt durchsetzen wollen.

Als einen Beleg für diese Entwicklung werten sie etwa die von der pro-iranischen Hisbollah im Libanon angezettelte Kampagne gegen die Regierung des sunnitischen Ministerpräsidenten Fuad Siniora.

Besonnene Stimmen

Doch auch im schiitischen Lager hört man besonnene Stimmen. «Wir müssen achtsam sein, damit diese Konflikte nicht bis nach Bahrain vordringen», erklärt Scheich Issa Kasem, der Vorsitzende des Rates der schiitischen Geistlichen in Bahrain, bei einer Ansprache zum Aschura-Fest.

Bahrain ist ein arabischer Golfstaat mit schiitischer Bevölkerungsmehrheit und einem sunnitischen Herrscherhaus. Und auch das saudiarabische Herrscherhaus versucht, radikale sunnitische Geistliche im eigenen Land zu bremsen, die offen zur Unterstützung der sunnitischen Minderheit im Irak aufrufen.

(Von Anne-Beatrice Clasmann, dpa/sda)

Lesen Sie hier mehr zum Thema
Bagdad - Im Irak sind zum Höhepunkt ... mehr lesen
Das Aschurafest ist einer der höchsten Feiertage der schiitischen Muslime.
Irakische Einheiten (Bild) kämpften zusammen mit US-Soldaten. (Archivbild)
Nadschaf - Während des schiitischen Aschura-Festes sind im Irak bei einer Offensive von US-Militärs und irakischen Einheiten gegen eine bewaffnete Sekte fast 200 Menschen ... mehr lesen
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 22
Minimalismus ist eine Lebensphilosophie, die sich auf das Wesentliche konzentriert.
Minimalismus ist eine Lebensphilosophie, die ...
Publinews In unserer heutigen Welt, geprägt von Konsum und Überfluss, erscheint die Idee des Wegwerfens oft negativ behaftet. Doch die Kunst des Loslassens, die weit über die blosse Entsorgung von Gegenständen hinausgeht, birgt tiefgreifende Vorteile für unser Wohlbefinden und unsere Beziehung zu unserem Lebensraum. Indem wir uns von unnötigem Ballast befreien, schaffen wir Raum für Neues und gewinnen Freiheit und Klarheit in unserem Alltag. mehr lesen  
Eingebettet in die sanfte Hügellandschaft des Thurgaus, thront das Hotel Kloster Fischingen majestätisch auf einem Hügel. Wo einst Mönche ihre Psalmen sangen, empfängt heute ein modernes Hotel Gäste aus aller Welt. mehr lesen  
Fotografie Fotoausstellung über Lagos, Religion und Lotterie  Das Photoforum Pasquart präsentiert in Zusammenarbeit mit der Fondation Taurus und den Bieler Fototagen die Ausstellung «Give us this Day» des nigerianischen Fotografen Anthony Ayodele Obayomi, Gewinner des Taurus Prize for Visual Arts 2019. mehr lesen  
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mo Di
Zürich 12°C 22°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen freundlich
Basel 14°C 22°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft freundlich
St. Gallen 11°C 20°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft freundlich
Bern 12°C 22°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen freundlich
Luzern 14°C 22°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen freundlich
Genf 14°C 24°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich freundlich
Lugano 15°C 24°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten