Grönland schmilzt und die Eisbären sterben aus

publiziert: Mittwoch, 31. Jan 2007 / 16:00 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 31. Jan 2007 / 16:17 Uhr

Kopenhagen/Nuuk - Für die Inuit in Ilulissat ist die Klimakatastrophe vor zehn Jahren Wirklichkeit geworden. Seither gibt es wegen des kräftigen Temperaturanstiegs kein Treibeis mehr in der Diskobucht vor Grönlands drittgrösstem Städtchen.

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Die Fischer können nicht mehr mit ihren Hundeschlitten losziehen, um vom Eis aus durch gehackte Löcher Heilbutt zu fangen. Während die Menschen sich aber noch mit neu angeschafften Booten behelfen können, sieht es für die Eisbären schlechter aus.

Die Riesenraubtiere verlieren mit dem Verschwinden des Treibeises buchstäblich den Boden unter den Füssen. Schon jetzt sinken die Bestandszahlen massiv, weil Eisbären entweder verhungern oder bei der Jagd ertrinken.

2040 wird es im arktischen Sommer überhaupt kein Treibeis mehr geben, sagen die Klimaforscher voraus. Das bedeutet akute Gefahr für den ohnehin dünnen Bestand der Bären.

Solche Schreckensgeschichten rund um den Klimawandel hat die Arktis seit Jahren reichlich zu bieten. Die Erderwärmung vollzieht sich hier etwa doppelt so schnell wie anderswo. Das dabei freigesetzte Schmelzwasser gilt für den ganzen Planeten als Bedrohung.

Mit den schwindenden Eismassen der Arktis befasst sich daher auch der vierte Bericht des UNO-Klimarates (IPCC), den das Gremium am Freitag in Paris präsentieren wird.

Dass man im Süden Grönlands nun Kartoffeln ernten könne und die Rieseninsel ihrem von der Farbe Grün kommenden Namen demnächst alle Ehre machen werde, gehört zu den gern erzählten, vermeintlich positiven Auswirkungen des massiven Klimawandels in der Arktis.

Doch die Aussichten sind - wie das Klima - komplex und überwiegend bedrohlich. «Wir müssen uns schon jetzt sehr praktisch umstellen, obwohl wir in vielen Belangen noch gar nicht wissen, was genau auf uns zukommt», schreibt Jens Napatok in einer Broschüre des Umweltamtes mit Ratschlägen an die Bevölkerung zur «Vorbereitung Grönlands auf den Klimawandel».

Ureinwohner bedroht

Die Eisfischer von Ilulissat trainieren nun das Manövrieren mit ihren kleinen Booten im nicht ganz ungefährlichen Gewirr von Eisbergen vor der Küste. Was aber können sie tun, wenn die Erwärmung um geschätzte fünf bis zu sieben Grad Celsius auch den Permafrostboden aufweicht, auf dem ihre Häuser gebaut sind? Die 400 000 Ureinwohner der Arktis zwischen Sibirien und Kanada seien in ihrer Kultur, traditionellen Lebensweise und letztlich auch existenziell gefährdet, warnt die deutsche Gesellschaft für bedrohte Völker.

Arktis wird ausgebeutet

Sie lenkt dabei die Aufmerksamkeit auf Effekte der Erderwärmung, die andere als Segen betrachten: «Die Arktis schmilzt nicht nur, sie wird auch geplündert.» Durch den Temperaturanstieg lassen sich die gigantischen Bodenschätze unter dem Polargrund technisch leichter und vor allem billiger ausbeuten. Während die knapp 50 000 Ureinwohner der Arktis im halbautonom zu Dänemark gehörenden Grönland dies wohl eher als Chance auf mehr Wohlstand betrachten dürften, sieht es für bettelarme Jakuten, Evenen, Tschuktschen und andere kleine Bevölkerungsgruppen im brutaleren Russland sehr viel bedrohlicher aus.

(Thomas Borchert/dpa)

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