Kurator Grafik 15, Zürich
Harun «Shark» Dogan: Rawcut
publiziert: Mittwoch, 11. Mrz 2015 / 09:17 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 11. Mrz 2015 / 09:37 Uhr

Harun «Shark» initiierte das erste farbige Graffiti-Magazin der Welt und gilt als Pionier der europäischen HipHop-/Street Art-Szene. Der Sohn türkischer Eltern wurde in der Schweiz geboren und ist ein international erfolgreicher Unternehmer. Morgen Donnerstag eröffnet die von ihm kuratierte Werkschau Grafik 15 in Zürich.

Kreativität ist nicht das Attribut, mit dem unser Land zwingend verbunden wird. Doch hat gerade die Schweizer Graffiti-Szene international einen exzellenten Ruf - selbst in der New Yorker Bronx, wo anfangs der 1980er-Jahre alles seinen Ursprung hatte. Auch Ben Harper, Bluesrock-Star aus L.A., meinte bei einem seiner Schweizer Aufenthalte im Jahre 2007 auf die Frage, was ihm hier am besten gefalle: «Hey man, you guys have the greatest graffitis I've ever seen in my entire life». Und das notabene, nachdem er von der guten alten Zeit und seinen Rap-Idolen wie Grandmaster Flash oder Big Daddy Kane schwärmte.

Durch Kreativität zu internationalem Erfolg

Zur Popularität dieser Szene beigetragen hat u.a. Harun «Shark» Dogan, sein Palmares in der Kreativwelt des Schweizer «Hip Hop» ist beeindruckend. 1985 machte er sich als Breakdancer und Graffiti-Künstler einen Namen, 1988, als Ice-T's Album «Colours» (auf Rassendiskriminierung bezogen) erschien, organisierte Dogan im Alter von 16 Jahren die bis dato grösste Hip-Hop-Party in Luzern (Breakdancer, Rapper, DJ's, Graffiti-Künstler, etc.). Ab 1991 publizierte er «Make`t`Better» - das erste Graffiti-Magazin der Welt in Farbe. Damit wurde «Shark» in der europäischen Szene definitiv zum Begriff.

Innovationsgeist, Geschäftssinn und Auszeichnungen

1992 gründete Dogan den Street-Art-Fashion-Brand «Wrecked Industries», der fünf Jahre später zum ersten 360-Grad-Modell eines Musiklabels wurde. Mit Tonstudio, Platten, Kleider, Event- und Bookingagentur sowie eigenem Vertrieb. Und das zehn Jahre, bevor die grossen Majorlabels das Business-Prinzip für sich erkannt haben. Ein weiteres Indiz für Dogans Innovationsgeist, aber auch für seinen guten Geschäftssinn. Er lacht: «Wir sind auch heute vielfach viel zu früh mit unseren Visionen».

Ab 2003 konzentrierte sich Dogan mit seiner Agentur Icon Lab zu 100 % «nur noch» auf Graffiti und Grafikdesign. Weiterhin mit durchschlagendem Erfolg. Er gewann Wettbewerbe wie «Got To Be Trendscout» (Sony & Schwarzkopf), reiste für Kunden um die Welt und bloggte über die neuesten internationalen Trends. Seit 2009 führt «Shark» zusammen mit Business Partner Christoph Wyer die Agentur «Rawcut Design Studio».

Expansion nach Istanbul und Fashion Week

Vor zwei Jahren expandierte das Rawcut Design Studio nach Istanbul, wobei die Rawcut-Filiale von türkischen Grossunternehmen (u.a. Colins, grösstes Textilunternehmen des Landes) regelrecht in Beschlag genommen wurde: «Wir mussten zusätzlich zu den fünf Mitarbeitern nochmal zwei Programmierer anstellen». Selbst die Fashion Week Istanbul hat sich die Dienste von Dogan gesichert: «Wir schrieben bereits nach einem Jahr schwarze Zahlen - das ist sehr erfreulich. Man schätzt offensichtlich, dass wir interdisziplinär denken, über den Tellerrand hinausschauen und die Lösungen authentisch umsetzen.»

Inszenierung der Schweizer Grafikmesse

Als Mitgründer und Kurator der Schweizer Werkschau für Grafik und neue Medien, hat Dogan dieser Tage vor allem in seiner Heimat viel zu tun. Auch da überlässt er nichts dem Zufall: Mit viel Liebe zum Detail, Szene-DJ's und verschiedenen artverwandten Künstlern wird das Branchen-Get-Together mit 125 Ausstellern stilgerecht untermalt. Die mittlerweile vierte Ausgabe erwartet gut 8'000 Besucher,  hatte letztes Jahr Brandon Boyd von Incubus zu Gast. Heuer stellt Peaches-Gitarristin Saskia Hahn ihre Vision von Popart vor. Aber dazu morgen mehr.

Szene- und Popstars geben sich Klinke in die Hand

Oliver Scotoni, Rundfunk-Gründer, der Dogan die Art Direction für sein Sommer-Festival übergeben hat: »Ich arbeite sehr gerne mit Shark zusammen, bin voll des Lobes. Er ist äusserst zuverlässig - das schätzt sein gesamtes Netzwerk. Nur so ist es nebst der hohen fachlichen Kompetenz auch möglich, so eine Riesenkiste wie die Grafikmesse mit dermassen hoher Qualität und Resonanz auf die Beine zu stellen.»

Wen man auch in der Kulturszene befragt, gefühlt jeder Zweite hat schon mal mit Shark gearbeitet. Auch Popstar Baschi: «Shark ist ein begnadeter Grafiker. Seine Kreativität ist grenzenlos und sein Style unverwechselbar. Ich durfte schon viele Projekte mit ihm realisieren, und er hat es immer wieder fertig gebracht, das Ganze auf ein höheres Level zu bringen.«

Dass Dogan die Popularität seiner Kunden nicht an die grosse Glocke, macht ihn aus. Er gibt ihnen den passenden Anstrich und nimmt sich dabei öffentlich komplett raus.

Integrationsfigur

Weil Dogan mit seiner Geschichte ein gutes Beispiel für gelungene Anpassung ist, wurde er 2014 als Testimonial für die Integrationskampagne «Ich bin Zürich» des Kantons Zürich gebucht. Der 42-jährige Cosmopolitan, welcher zwischen Zürich, Istanbul, Hamburg und Berlin pendelt, sagt: «Der wichtigste Schritt für eine erfolgreiche Integration ist immer die Identifikation mit dem Ort, der Kultur und den Menschen. Wer hier lebt, muss Teil der Gesellschaft sein und sich in der Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Sport oder auch Politik engagieren - dann leistet man einen Beitrag für alle.»

Und wird mit genügend Talent und Geschäftssinn vielleicht sogar ein erfolgreicher Schweizer Unternehmer.

(Sascha Plecic/news.ch)

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