Hat Wal-Mart Mitschuld an Verbreitung des Grippevirus?

publiziert: Freitag, 6. Nov 2009 / 11:22 Uhr / aktualisiert: Freitag, 6. Nov 2009 / 11:47 Uhr

Bentonville/New York - Dem US-Einzelhandelsriesen Wal-Mart wird eine Mitschuld an der rasanten Verbreitung des als Schweinegrippe bekannten H1N1-Virus gegeben.

Geringverdiener haben bei Wal-Mart kaum Anspruch auf bezahlte Krankheitstage.
Geringverdiener haben bei Wal-Mart kaum Anspruch auf bezahlte Krankheitstage.
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Indem er seine 1,4 Mio. Mitarbeiter in den USA dazu nötige, auch krank zur Arbeit zu erscheinen, breite sich das Virus unter den Kollegen und Kunden in den landesweit über 4200 Geschäftsfilialen sehr schnell aus.

Die Vorwürfe der Nichtregierungsorganisation National Labor Committee (NLC) an Wal-Mart sind nicht unbegründet, schliesslich sind die meisten Wal-Mart-Mitarbeiter Geringverdiener, die Fehltage meiden, um über die Runden zu kommen.

Präventives Handeln gefordert

«In den USA herrscht im Vergleich zu Europa eine ganz andere Situation. Da ein Grossteil der Angestellten nicht krankenversichert ist, kann eine Impfung schnell unbezahlbar werden - und selbst dann, wenn sie staatlich subventioniert und nur zehn Dollar kostet», unterstreicht Olivia Ziriakus, Geschäftsführerin der auf Hygienemanagement spezialisierten Hygenia-Net GmbH.

Der Fachfrau zufolge sollte Wal-Mart auch im Gesundheitsinteresse seiner Kunden kostenlos eigene Mitarbeiter impfen lassen. Die Lage ist brisant. Laut NLC häufen sich Fälle von Fieber, Durchfall, Erbrechen und Halsweh.

Kranken in Non-Food-Abteilungen verbannt

Die umsatzbezogen hinter den Öl-Giganten Royal Dutch Shell und ExxonMobil als weltweite Nummer drei stehende Wal-Mart war bisher zu keiner Stellungnahme bereit. Intern rumort es Insiderkreisen zufolge aber, wie mit den gehäuften Schweinegrippe-Fällen umzugehen sei.

So würden Filialleitungen eingreifen und die Kollegen von den Nahrungsmitteln oder den Kassen entfernen, wenn diese zu laut husten. Ziriakus bezweifelt, dass allein die Versetzung in Non-Food-Abteilungen das Problem dauerhaft löst. Kündigungen aufgrund von Fehltagen sind in den USA rechtlich zulässig. Das Gesetz sieht die Versicherungen nicht vor.

Kranke Geringverdiener zum Arbeiten verdammt

Obamas Reformbestrebungen des Gesundheitssystems stossen auf geteilte Meinungen. Denn Unternehmen gewähren bezahlte Krankheitstage freiwillig - oder eben nicht. Diese Situation hat dazu geführt, dass 40 Prozent der Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft keinen Anspruch auf eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall haben.

Laut der US-Arbeitsbehörde betrifft dies vorsichtigen Prognosen nach rund 60 Mio. Menschen. Bei Geringverdienern mit nur kleinen Stundenlöhnen ist es daher sehr wahrscheinlich, dass ihnen keine bezahlten Krankheitstage zustehen. Nur jeder Fünfte am unteren Ende der Lohnskala erhält entlohnte Krankheitstage.

(tri/pte)

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