Bob

Hefti und sein heikles Heimspiel

publiziert: Freitag, 20. Jan 2012 / 09:48 Uhr
Beat Hefti und Thomas Lamparter am Weltcup Igls.
Beat Hefti und Thomas Lamparter am Weltcup Igls.

Wenn ab heute Freitag der Bob-Weltcup in St. Moritz gastiert, steht ein Athlet im Fokus. Beat Hefti hat gute Chancen auf den ersten Heimsieg, seit er im Weltcup als Pilot unterwegs ist. Hält er nach den Diskussionen um seinen Vierer dem Druck stand?

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Seit dem vergangenen Wochenende und dem Triumph am bayrischen Königssee hat Beat Hefti als Bob-Steuermann acht Weltcup-Siege auf dem Konto. Allesamt herausgefahren in seiner Parade-Disziplin Zweier. Er hat auch schon in Igls (Ö) gewonnen, dort sogar bereits dreimal, in Winterberg (De), Cesana (It) und Park City (USA). Ein Sieg auf der Heim-Bahn in St. Moritz fehlt dem in Arth-Goldau (SZ) ansässigen Appenzeller noch im Palmares. Im letzten Jahr hätte er diese Durststrecke fast beendet. Drei Hundertstelsekunden trennten ihn im Zweier von Platz 1, den der Deutsche Manuel Machata eingenommen hatte. Gar nur zwei Hundertstel büsste er auf den überraschenden Vierer-Gewinner Edgars Maskalans aus Lettland ein.

Nationaltrainer Plozzas Veto missachtet

Diese beiden 2. Ränge hatten Hefti Selbstvertrauen verliehen. Vor allem über das unerwartet starke Resultat mit dem Vierer freute er sich unbändig, hatte er doch davor mit dem grossen Schlitten einige Rückschläge einstecken müssen. Endlich war sein Konzept auch einmal in der «Königsklasse» aufgegangen, wenn auch begünstigt durch eine vorteilhafte Startnummer.

Hefti sollte es allerdings nicht gelingen, den Schwung aus jenem tollen Ergebnis auszunützen. Im Vorfeld der laufenden Saison kamen bei ihm wieder Zweifel auf, ob er im Vierer sämtliche Bahnen im Griff habe. Schliesslich teilte Hefti dem Nationaltrainer Sepp Plozza mit, dass er sich mit dem grossen Schlitten bloss jenen Herausforderungen stelle, bei denen er sich sicher fühle. Die komplizierteren Aufgaben wolle er lediglich mit dem Zweier angehen. Nationaltrainer Plozza goutierte diese Haltung nicht und verzichtete darauf, Hefti im Vierer für internationale Rennen zu selektionieren.

Der Verband Swiss Sliding hat nun vor eineinhalb Wochen mitgeteilt, dass diese «Sperre» gegen Hefti im Hinblick auf den Heim-Weltcup gelockert werde. Der Vorstand der Föderation überstimmte dabei Nationaltrainer Plozza. Dem Entscheid war eine hitzige Debatte vorausgegangen. Auf der einen Seite kann man sagen, dass Hefti in St. Moritz in der Tat erneut zu einem Exploit mit dem Vierer fähig ist und sich der nicht auf Rosen gebettete Verband es sich gar nicht erlauben kann, eine mögliche Erfolgsmeldung im Vornherein auszuschliessen. Zumal im Hinblick auf die Heim-WM vom nächsten Jahr die Werbetrommel zu rühren wäre. Anderseits ist es gefährlich, wenn ein Verband seinem wichtigsten Coach kein Gehör schenkt und zu Gunsten eines Athleten eine Sonderregelung kreiert. Zumal der Kompromiss keine Nachhaltigkeit garantiert.

Glück mit der Startnummer oder Pech mit dem Wetter?

Hefti versucht, sich durch diesen Fall nicht aus der Konzentration bringen zu lassen. Mit den in dieser Woche absolvierten Trainingsfahrten zeigte er sich mehr oder weniger zufrieden. Er hatte einen Neuling in seine Mannschaft zu integrieren. Für den verletzten Manuel Lüthi rückte Simon Friedli ins Vierer-Aufgebot. Friedli gehört eigentlich zum Team von Rico Peter. Weil dieser sich nicht für den Heim-Weltcup qualifiziert hat, ist die Personalrochade möglich geworden.

Im Zweier zählt Hefti so oder so zum engsten Favoritenkreis. Er führt in dieser Disziplin die Weltcup-Gesamtwertung an. Und im Vierer darf er erneut auf eine ideale Startposition hoffen. Nirgendwo sonst ist es dermassen von Vorteil wie auf dem Natureis von St. Moritz, wenn man eine späte Nummer hat. Hefti steht nicht im vorderen Teil der Startliste, weil er im Vierer-Weltranking viel Terrain verloren hat.

Zu seinen Zielen mit dem Vierer sagt er: «Eine Standortbestimmung ist schwierig. Ich nehme mal die Top Ten ins Visier.» Der Druck ist gestiegen. Seine Förderer haben die Erwartungshaltung in die Höhe geschraubt. Die für ihn ungewohnt gewordene Umstellung vom Zweier auf den Vierer sollte sich nicht negativ auswirken, glaubt Hefti. Zu oft schon ist er in St. Moritz mit beiden Schlitten gefahren. Stellt sich die Frage, welchen Einfluss das Wetter haben könnte. Bei den Rennen fällt möglicherweise Schnee. Dies würde die Ausgangslage bezüglich der Startnummern eventuell verändern.

Comeback von Dopingsünder Galliker

Die anderen Schweizer Steuerleute stehen momentan im Schatten von Hefti. Dies, obwohl Fabienne Meyer in dieser Saison ebenfalls regelmässig auf dem Weltcup-Podest anzutreffen ist und Gregor Baumann vor einer Woche am Königssee dank konstanten Läufen mit Rang 4 im Zweier sein bestes Weltcup-Resultat realisiert hat. Ein spezielles Comeback darf Martin Galliker feiern. Der 38-jährige Aargauer, 2008 EM-Silbergewinner im Vierer, ist seit knapp vier Jahren nicht mehr im Weltcup aufgetaucht. Er möchte nach verbüsster Dopingsperre wieder den Kontakt zur Weltspitze herstellen. Bei den Frauen geht dank der Crew von Schweizer Meisterin Tamaris Dennler-Allemann ein zweites Team des gastgebenden Verbands an den Start.

Programm:
Freitag. 8.50 Uhr: Skeleton Frauen. 13.00 Uhr: Bob Frauen. - Samstag. 8.50 Uhr: Skeleton Männer. 13.00 Uhr: Bob Männer, Zweier. - Sonntag. 9.00 Uhr: Bob Männer, Vierer.

Bob-Teams
Männer. Zweier: Beat Hefti/Thomas Lamparter, Gregor Baumann/Alex Baumann, Martin Galliker/Thomas Amrhein (oder Fabio Badraun). - Vierer: Hefti/Lamparter/Clemens Bracher/Simon Friedli, Gregor Baumann/Alex Baumann/Jürg Egger/Patrick Blöchliger, Galliker/Amrhein/Badraun/Michael Keel (oder Thomas Landolt). - Frauen: Fabienne Meyer/Hanne Schenk, Tamaris Dennler-Allemann/Eveline Gerber.

(joge/sda)

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