Held von New Orleans mit ersten Schrammen

publiziert: Dienstag, 6. Sep 2005 / 23:57 Uhr

New Orleans - «Kriegt eure Ärsche hoch und tut was», sagte Ray Nagin. Wütende Tiraden sandte der Bürgermeister von New Orleans in dem Interview vergangenen Woche nach Washington, um Hilfe für seine vom Hurrikan verwüstete Stadt zu erhalten.

Ray Nagin verabschiedet sich von George W. Bush nach einem Besuch im Katastrophengebiet.
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Der 49-jährige glich in der Beschützerrolle dem zum Mythos gewordenen New Yorker Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani. War dieser nach den Anschlägen vom 11. September zur Lichtgestalt seines Landes avanciert, legen sich bei Nagin schon erste dunkle Flecken auf das Bild vom zupackenden Stadtpatron.

Bürgermeister in der Kritik

Zum einen geriet der Bürgermeister in die Kritik, weil ihm mehrfach Fingerspitzengefühl gefehlt haben soll. So nahm das Stadtoberhaupt, dessen Haus auch überschwemmt war, im Hyatt-Hotel nahe dem Superdome-Sportstadion Quartier.

Im Stadion selbst, wo Zehntausende tagelang ausharren mussten, liess sich der Bürgermeister aber nie blicken. Er sprach nur ausserhalb mit Opfern der Katastrophe, was viele Bürger in New Orleans in Rage brachte.

Evakuierung kam zu spät

Andere warfen Nagin Sturheit vor, gerade weil er in seiner Stadt ausharren wollte und nicht wie die meisten Beamten nach Baton Rouge ging. Dort, so meinen viele, hätte er besser mit den anderen Behörden kommunizieren können.

Ausserdem soll Nagin zu lange mit der Evakuierung der Stadt gewartet haben, als sich die verheerende Kraft des Hurrikans schon abschätzen liess. Viele werfen ihm auch vor, dass Medikamente und Essen für die Opfer fehlten, für deren Bereitstellung die Stadtverwaltung von New Orleans verantwortlich war.

Manche Kritiker sehen bei Nagin eine Kluft zwischen Worten und Taten, die für sie die Bilanz während dessen drei Jahren im Rathaus der Stadt spiegelt. Einst war der frühere Chef eines privaten TV-Senders mit dem Versprechen angetreten, mit der wuchernden Korruption in der Südstaaten-Metropole fertig zu werden.

Forsch packte er nach der Wahl die Aufgabe an, durchkämmte kommunale Betriebe. Dutzende Menschen wurden festgenommen, darunter einer seiner Neffen. Kritiker werfen ihm vor, dann halbherzig gehandelt zu haben. Die Festgenommenen wurden grösstenteils nicht bestraft.

Zustimmung bleibt hoch

Doch die Zustimmung der Menschen in New Orleans zu ihrem hemdsärmeligen Bürgermeister blieb hoch. Auch, weil Nagin mit Milliardensummen versuchte, die Situation der zahlreichen bedürftigen Menschen in der Stadt zu verbessern, wo rund ein Drittel aller Einwohner unter der Armutsgrenze lebt.

Ob er Erfolg hatte, wird nach den Hurrikan-Fluten kaum mehr zu messen sein. Doch die Leistung des Bürgermeisters beim Hurrikan-Management dürfte noch genauer begutachtet werden, wenn die Fluten und das Chaos weichen.

Dann wird sich Nagin auch an seinen markigen Interview-Worten messen lassen müssen, wo er sich selbst pries und Washington abkanzelte. «Sie denken klein», sagte er damals über die US-Regierung. «Aber in einer Notsituation musst du kreativ sein, Mann, du musst einfach rausfinden, wie du es machen musst.»

(Von Patrick Moser, afp/sda)

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