Finaldurchgang verpasst

Höchststrafe für Simon Ammann

publiziert: Samstag, 15. Dez 2012 / 15:43 Uhr / aktualisiert: Samstag, 15. Dez 2012 / 18:59 Uhr
Simon Ammann blieb weit hinter den Erwartungen zurück.
Simon Ammann blieb weit hinter den Erwartungen zurück.

Simon Ammann kassierte beim Weltcupspringen in Engelberg die Höchststrafe. Der Toggenburger verpasste wie Gregor Deschwanden und Marco Grigoli den Finaldurchgang. Andreas Kofler (Ö) gewann mit der kleinstmöglichen Differenz von 0,1 Punkten vor Kamil Stoch (Pol).

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Der Schock sass beim vierfachen Olympiasieger tief. «Das ist die Höchststrafe für mich. Das Resultat liegt am falschen Ende der Skala meiner Vorstellungen», sagte der 31-Jährige. Ammann hatte bereits nach 121,5 Metern aufgesetzt und blieb damit weit hinter den Erwartungen zurück, die er mit den Rängen 3 und 6 bei den bisher erst zwei Wettkämpfen von Grossschanzen im diesem Winter geweckt hatte. Ammanns Scheitern hat Seltenheitswert. In seinen letzten 105 Weltcupspringen verpasste der Schweizer bloss einmal den Finaldurchgang, im Februar 2012 in Predazzo (It). Die Schweizer Fans mussten die Fahnen schon nach Halbzeit einrollen, denn auch Gregor Deschwanden (44./119,5 m) und Marco Grigoli (49./112) scheiterten.

«Ich muss das Resultat so hinnehmen und am Sonntag eine Reaktion zeigen», sagte Ammann. Der Toggenburger hatte noch Glück im Unglück. Trotz des Nullers nimmt er in der Weltcup-Wertung weiterhin den achten Rang ein und muss somit heute Mittag nicht durch die Mühlen der Qualifikation. Dies ist von Vorteil, obwohl der dreifache Sieger von Engelberg am Sonntag eh in allen Sprüngen Vollgas geben wird, um das Resultat vom Samstag vergessen zu machen.

Sein Trainer Martin Künzle sprach von einem Betriebsunfall. «Ich sah bereits beim Absprung, dass das nicht gut kommt», sagte er. Ammanns Sprung «rutschte durch». Der Toggenburger geriet beim Absprung leicht hinter den Körperschwerpunkt. Um dies auszugleichen, drückte er in der ersten Flugphase seinen Körper aggressiv über die Skis und würgte so die Flugkurve ab. Künzle verneinte, dass es sich bei Ammanns Fehler um ein Problem handle, das oft auftrete. Ein schwacher Take-off wird in dieser Saison mit den engen Anzügen, die weniger Tragfläche bieten, härter bestraft. «Letzten Winter hätte ich in der Luft noch mehr Möglichkeiten gehabt, um den Absprung auszugleichen», sagte Ammann.

Poker ging auf

Andreas Kofler gelang im dritten Jahr in Folge ein Sieg in Engelberg. Auf dem 9. Platz (131 m) liegend zeigte der Österreicher im zweiten Durchgang mit 136,5 Metern den weitesten Flug des Tages, und dies erst noch mit kürzerem Anlauf. Als einziger Springer ging er eine Luke tiefer und erhielt dafür 3,6 Pluspunkte. Trotz dem leicht geringeren Anlauf war er am Tisch sogar 0,1 km/h schneller als in Umgang eins. Die Zusatzpunkte halfen ihm, den Halbzeitleader Kamil Stoch (Pol/132,5/134) abzufangen. Auf Platz drei sprang mit Gregor Schlierenzauer ein zweiter Österreicher. Die Verkürzung sei auch wichtig gewesen, weil man bei Flügen an und über die Hillsize in Engelberg (137 m) bei der Landung schon Schwierigkeiten bekommen könne, erklärte Kofler. «So war aber bei 136,5 m ein schöner Telemark möglich.»

Kofler, der 2006 an den Olympischen Spielen in Turin um 0,1 Punkte an Gold vorbeischrammte, hat nun wie Ammann, Schlierenzauer und Thomas Morgenstern dreimal in Engelberg gewonnen. Rekordsieger bleibt der Finne Janne Ahonen mit fünf Erfolgen. Kofler hatte seinen ersten möglichen Sieg auf der Titlisschanze 2007 vergeben. Damals kam er als Halbzeitleader im Finaldurchgang nach einem Flug auf 139 m zu Fall und fiel noch auf Rang 5 zurück. Inzwischen zählt Engelberg für den nunmehr zwölffachen Weltcupsieger zu einer seiner Lieblingsdestinationen. «Ich fühle mich auf der Schanze einfach wohl», sagte er.

Stoch gelassen

Stoch nahm die Niederlage gelassen hin. «Ich bin nicht enttäuscht, sondern glücklich», sagte er. In den fünf Springen vor Engelberg hatte er bloss einen einzigen Weltcupzähler ergattert. «Ich bin zurück an der Spitze, das ist das Wichtigste», fügte er hinzu. Auch der 42-fache Weltcupsieger Schlierenzauer, der der Rekordmarke (46) von Matti Nykänen (Fi) immer näher kommt, sah das Positive: «Ich habe schon einige Reserven liegen lassen, aber es ist umso erfreulicher, wenn man trotzdem aufs Podest springen kann.»

Die aufstrebenden deutschen Skispringer unter Künzle-Vorgänger Werner Schuster landeten in Engelberg nicht auf dem Podest. Der Weltcup-Leader Severin Freund liefert als Vierter aber erneut einen starken Auftritt ab.

Am Sonntag (13.45 Uhr) wird in Engelberg das zweite Springen ausgetragen. Es ist die Hauptprobe für die Vierschanzentournee.

(bg/Si)

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