IOC-Präsident rechnet mit 30 bis 40 Dopingfällen

publiziert: Sonntag, 3. Aug 2008 / 23:30 Uhr

Mit der Eröffnung des Athletendorfes in Peking hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) auch bei den Dopingkontrollen die Hoheit über alle Teilnehmer an den Sommerspielen übernommen.

Insgesamt hat das IOC 4500 Kontrollen angekündigt.
Insgesamt hat das IOC 4500 Kontrollen angekündigt.
Die «olympische Periode» endet mit der Schlussfeier am 24. August. Insgesamt hat das IOC für diesen Zeitraum unter den rund 10'500 Aktiven 4500 Kontrollen angekündigt, darunter 700 bis 800 Epo-Urintests und 900 Bluttests. 2004 in Athen wurden 3700 Kontrollen vorgenommen, von denen 27 positiv waren.

Angesichts der gesteigerten Zahl an Tests geht IOC-Präsident Jacques Rogge von «30 bis 40 positiven Fällen» in Peking aus. Die Durchführung der Kontrollen erfolgt im IOC-Auftrag durch das Organisationskomitee BOCOG oder die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA.

Athleten können mehr als einmal pro Tag unangemeldet zum Test gebeten werden. Auch der Besitz unerlaubter Substanzen führt zum Ausschluss von den Spielen. Bei den 302 Entscheidungen werden grundsätzlich die ersten fünf sowie zwei ausgeloste Teilnehmer zur Abgabe der Probe aufgefordert.

41 Teststationen in China

Insgesamt sind 41 Teststationen in Peking (34) und an den sieben Aussenschauplätzen (Reiten, Segeln, Fussball) eingerichtet. Die Analysen werden im IOC-Labor in Peking vorgenommen, die Ergebnisse sollen je nach Art der Probe innerhalb von 24 bis 72 Stunden vorliegen. Das IOC spricht von «der am stärksten kontrollierten Multisportveranstaltung der Welt».

Trotz aller Abschreckung durch 3700 Kontrollen waren 2004 in Athen 23 Athleten positiv, unter ihnen vier Olympiasieger mit klassischen Hormonen, die in 18 dieser Fälle im Spiel waren. In Peking scheint dieser «olympische Rekord» in Gefahr, zumal die soeben beendete Tour de France zeigte, wie viele offenbar auf Risiko fahren.

Proben werden acht Jahre eingefroren

Erstmals wird in Peking laut John Fahey, seit 1. Januar Leiter der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, auch nach Wachstumshormonen gefahndet. Alle Proben sollen acht Jahre lang eingefroren werden, damit sie später auf jetzt noch nicht entdeckbare Substanzen untersucht werden können.

Olympisches Gold kann also auch Jahre später neu verteilt werden. Nichts Neues in einer Zeit, in der dem einstigen Leichtathletik-Star Marion Jones erst vor Monaten drei Sprintsiege und zwei weitere Medaillen der Sommerspiele von Sydney 2000 aberkannt wurden. Die inzwischen verschuldete Amerikanerin ist eine der grossen Tragödien der Leistungsmanipulation. Sie sitzt derzeit im Gefängnis, während die Konkurrenz um Medaillen sprintet.

Allein in der Leichtathletik sind zwei Dutzend Kandidaten für Edelmetall wegen Sperren in Peking nicht am Start, eine ganze Reihe anderer wie Russlands Diskus-Olympiasiegerin Natalja Sadowa nach Ablauf ihrer zweijährigen Auszeit wieder dabei.

Im Gewichtheben führten Skandale in Bulgarien (wegen des Anabolika-Klassikers Dianabol) und Griechenland zur Olympia-Sperre für je elf Athleten, unter ihnen eine ganze Reihe Sieg- und Medaillenkandidaten. 51 Heber wurden allein 2008 bereits aus dem Verkehr gezogen, weil sie Hormone für die Muskelmast im Körper hatten.

EPO der grosse Renner

Das Ausdauer-Hormon Erythropoietin (EPO), erstmals bei den Sommerspielen 2000 im Raster der Fahnder, ist dagegen der Renner bei den Rennern: Leichtathleten, Radsportlern, Triathleten, aber auch in anderen Sportarten, in denen Dauerleistung gefragt ist. Das Problem ist nicht nur, nicht erwischt zu werden, sondern zu überleben. Das künstlich verdickte Blut kann Probleme bis zum Infarkt auslösen. Etliche Todesfälle sind bekannt.

«Olympia ist eine scheinsaubere Welt. Es wird manipuliert wie immer -- nur auf höherem Niveau. In jeder grossen Sportnation weiss man, wie man richtig dopt», sagte der deutsche Molekularbiologe Werner Franke angesichts der 72 positiven Fälle bei 4871 Kontrollen im Jahr 2007 in Deutschland. Franke: «Aber alle Nationen werden noch übertroffen von China, dem Haupthersteller von Doping-Drogen. Das Hauptproblem ist: Wenn die Fahnder endlich das Visum haben, hat das Warnsystem längst funktioniert.»

«Erwischen lassen sich nur Idioten», sagt Franke. Der grosse Anti-Doping-Kämpfer glaubt, dass die Verbände ihren Feldzug gegen die Seuche des Sports scheinheilig führen, dass die weltweit rund 80 Millionen Franken, die für den Kampf gegen Doping ausgegeben werden, oft fehl investiert, weil die Kontrollen «zu wenig intelligent» sind.

Offiziell zeigte sich Peking dieser Tagge aufgeschreckt auch durch die ARD-Reportage «Olympia im Reich der Mittel». «Wir haben Strafen gegen jene verhängt, welche die Regeln nicht beachteten», sagte Yan Jiangyung, Sprecherin der staatlichen Nahrungs- und Arzneimittelaufsicht.

Produktionsstopp für Doping-Fabriken

Details über das Vorgehen gaben dieser Tage Vertreter verschiedener Ministerien und der Nationalen Anti-Doping-Agentur bekannt. So seien am 20. Juli 257 Unternehmen und Produzenten von Anabolika sowie Peptid-Hormonen, 2739 Grosshändler und 340'000 Kleinhändler inspiziert worden. Als Folge der Ermittlungen seien 30 Unternehmen mit einem Produktionsstopp belegt, 25 Firmen sei die Lizenz zum Vertrieb von zum Doping-Missbrauch geeigneten Mitteln entzogen worden.

In der TV-Dopingreportage legte die ARD offen, dass Gen-Doping in China bereits möglich ist. Den beiden als vermeintliche Schwimmtrainer getarnten Autoren Hajo Seppelt und Jo Goll wurde nach eigenen Angaben in einem chinesischen Spital die Manipulation des Erbgutes zur Leistungssteigerung zu einem Preis von 24'000 Dollar angeboten.

(bert/sda)

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Ausserdem will das IOC die Medaillengewinner von Peking 2008 und London 2012 noch einem grösseren Testprogramm unterziehen.
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