Ins Exekutivamt per Stellenbewerbung

publiziert: Donnerstag, 5. Jan 2006 / 10:44 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 5. Jan 2006 / 11:19 Uhr

Frauenfeld - Was haben Ostschweizer Orte wie Arbon und Widnau gemeinsam? Sie haben in den letzten Jahren ihr Gemeindeoberhaupt per Inserat gesucht.

Hinzu kommen noch ein paar mehr, wobei es sich ausschliesslich um Ostschweizer Kommunen handelt. Dieses Vorgehen wird in anderen Regionen kaum je gewählt. Schweizweit bekannt wurde die Suche nach einem Stadtoberhaupt per Inserat im Fall der Bodenseestadt Arbon. Die ausgewählte Kandidatin und der Stadtrat (Exekutive) vertrugen sich nicht, Frau Stadtammann trat zurück und Neuwahlen wurden fällig.

Kandidaten gesucht

Allerdings waren Frau Stadtammanns Vorgänger ebenfalls in Ungnade gefallen, obwohl sie nicht per Inserat gesucht und gefunden worden waren. Und die St. Galler Gemeinde Widnau schlug bereits 1998 den Weg übers Inserat ein und ist seither mit ihrer Gemeindepräsidentin zufrieden.

Gleiches lässt sich für Bad Ragaz SG, Münchwilen TG und Sirnach TG sagen. Derzeit sucht Kreuzlingen TG per Inserat und mit Unterstützung einer Personalberatungsfirma nach Stadtammann-Kandidaten und -Kandidatinnen. In Amriswil TG wiederum fand die Schulgemeinde ihren neuen Präsidenten über diesen Weg.

Ostschweizer Phänomen

Auffällig ist, dass diese Art der Suche auf die Ostschweiz beschränkt zu sein scheint. Sowohl beim Schweizer Gemeindeverband als auch beim Schweizer Städteverband betonen die Geschäftsführer, es handle sich um ein «Ostschweizer Phänomen».

Urs Geissmann, Geschäftsführer des Städteverbands, führt das darauf zurück, dass die meisten anderen Kantone die Wohnsitzpflicht kennen: Wer sich um ein Mandat bemüht, muss bereits vor seiner Kandidatur im entsprechenden Ort wohnen. Das schliesse eine Suche per Inserat weitgehend aus. In seinen 20 Jahren als Städteverbands-Geschäftsführer sei ihm kein Fall ausserhalb der Ostschweiz bekannt geworden. Im Kanton Bern wäre ein solcher Kandidaten-Import sogar verpönt, meint er.

Mehr Vollämter

Sigisbert Lutz vom Gemeindeverband wiederum führt dieses «Phänomen» darauf zurück, dass es im Kanton St. Gallen und im Thurgau mehr Gemeinden mit vollamtlichen Präsidien gebe als in anderen Kantonen. Während im Thurgau die meisten der 80 Gemeinden vollamtliche Gemeindeammänner hätten, seien es zum Beispiel im Kanton Bern «maximal 10 bis 15».

Zudem habe man andernorts keine Mühe, Interessentinnen und Interessenten für solche Aufgaben zu finden. Die haben auch die per Inserat suchenden Gemeinden nicht unbedingt: Für Kreuzlingen rechnet die Personalberatungsfirma Mercuri Urval mit bis zu 60 Bewerbungen.

Städtemanager statt Stadtpräsident

Mercuri-Urval-Vertreter Egmont Jähn weist auf die breitere Auswahl und die professionellen Empfehlungen hin, die eine Kandidatensuche per Inserat und mit Unterstützung seiner Firma bringe. Die Zahl solcher Mandate habe in den letzten Jahren - auch ausserhalb der Ostschweiz - stark zugenommen.

Urs Geissmann meint, auf diese Art könne man «Städtemanager» finden. Doch sobald die Gemeinde repräsentiert werden müsse, werde es schwierig: Entweder es gelinge dem «Import», sich «blitzschnell einzuarbeiten und Kontakte aufzubauen», oder die Gefahr des Scheiterns sei gross.

(Lieselotte Schiesser/sda)

 
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